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„dokFilm“-Premiere „Auslegung der Wirklichkeit – Georg Stefan Troller“ zum 100. Geburtstag des „Jahrhundertmenschen“

Mitreißendes Filmporträt von Ruth Rieser – am 5. Dezember um 23.05 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) - Eine Lichtgestalt des Journalismus wird am 10. Dezember 100! Georg Stefan Troller hat weltweit eine ganze Generation von Journalistinnen und Journalisten sowie Filmschaffenden beeinflusst und geprägt. Augenhöhe, Respekt und Empathie waren seine unumstößlichen Maximen. In mehr als 1.200 Interviews stellte der Dokumentarist, Schriftsteller, Fernsehreporter, Drehbuchautor und Regisseur Promis wie Nicht-Promis Fragen über das Sein, die er für sich selbst nicht beantworten kann. Und lernte „Mensch-Werden“. Für ihre vom ORF im Rahmen des Film/Fernseh-Abkommens kofinanzierte Dokumentation „Auslegung der Wirklichkeit“ hat Regisseurin Ruth Rieser aus dem überreichen Filmschatz Trollers geschöpft und den „Meister der Interviewführung“ nun selbst interviewt. Berührend, witzig und voller Weisheit erzählt der gebürtige Wiener an Schauplätzen in Wien, Dachau und Paris von seinem Leben, seiner Arbeit und wie sehr beides miteinander verwoben ist. Das mitreißende Filmporträt eines außergewöhnlichen Zeitzeugen des vergangenen Jahrhunderts feiert im „dokFilm“ am Sonntag, dem 5. Dezember 2021, um 23.05 Uhr in ORF 2 TV-Premiere.

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Heimat hat er keine mehr: Am 10. Dezember 1921 in Wien geboren, war Georg Stefan Troller ab 1938 Österreicher in Amerika und danach Amerikaner in Paris. 19 Familienmitglieder sind im Holocaust umgekommen. Bis heute empfindet er Schuldgefühle, überlebt zu haben. Die Sprache, das Bild, der Film helfen ihm, seine Traumata zu verarbeiten – die Darstellung des Lebens als Ersatz für das direkte Leben.

Jahrzehntelang belieferte Georg Stefan Troller deutsche Fernsehanstalten mit seinen Werken. Mit der langjährigen TV-Filmreihe „Personenbeschreibungen“ setzt er neue Maßstäbe in der Kunst, Menschen zu interviewen. Er porträtierte Promis und Wohlsituierte ebenso wie gescheiterte oder gehandicapte Menschen. Immer ging es ihm dabei darum, von anderen zu erfahren, wie sie Probleme meistern, ihr Schicksal bewältigen. „Heilung von außen nach innen“, so nannte er es, eine Art umgekehrte Psychoanalyse.

In „Auslegung der Wirklichkeit – Georg Stefan Troller“ wird der „Meister der Interviewführung“ nun selbst zum Interviewten. Gemeinsam mit dem Kamerateam betritt er in Wien die arisierte Wohnung, wo er mit seinen Eltern lebte, deren Bücherregal und Bücher er dort noch entdeckt. Er besucht sein Gymnasium und die Buchbinderei, wo er eine Lehre statt Matura machen musste, weil er „ausgeschult“ worden war. Und er sitzt im Metro-Kino, wo er Ausschnitte aus seinen Werken kommentiert. Ein weiterer Schauplatz ist Dachau, wohin Troller 1945 als amerikanischer Soldat und Befreier kam und als Übersetzer das Ausmaß des Grauens erfasste. In seiner Wohnung in Paris schließlich reflektiert er über seinen ereignisreichen Werdegang, seine Arbeit und wie beides miteinander verbunden ist.

Charismatisch, voller Weisheit, Charme und Witz offenbart Georg Stefan Troller Regisseurin Ruth Rieser den Antrieb hinter seinem lebenslangen Schaffen: das Trauma des Holocaust zu überwinden und von anderen Menschen zu lernen, „wie man ein Mensch wird“.

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