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Leitartikel "Von der Wahl und der Qual" vom 23. November 2021 von Marco Witting

Innsbruck (OTS) - Morgen wird die Gemeinderatswahl offiziell ausgeschrieben. Damit läuft der Countdown zu einem Urnengang unter besonderen Vorzeichen. Denn auch die Kommunalpolitik lässt sich nicht von einer globalen Pandemie lösen.

Von Marco Witting
Es herrscht Wahlschlaf statt Wahlkampf. Doch morgen wird die Gemeinderatswahl vom 27. Februar 2022 zumindest offiziell vom Land ausgeschrieben. Und damit der Fristenlauf bis dahin in Gang gesetzt. Da aber in einem Lockdown nicht gut wahlkämpfen ist, die Menschen momentan ohnehin andere Sorgen haben und dann schon das Weihnachtsfest vor der Tür steht, wird sich die heiße Phase im Gemeinderatswahlkampf wohl auf den Zeitraum ab dem Dreikönigstag vertagen. Ein komprimierter Wahlkampf steht also an – angesichts so mancher zu befürchtenden lokalen Schlammschlachten sicher kein Nachteil.
Doch so kleinräumig die Themen bei einer Kommunalwahl auch sein mögen: Von einer globalen Pandemie, die auch dann noch nicht vorbei sein wird, kann sich diese nicht entkoppeln. Im Gegenteil: Sie wird, direkt oder indirekt, sehr viel Einfluss auf den Urnengang haben. Und es steht schon jetzt zu befürchten, dass – was die brennenden Themen (Stichwort Impfpflicht) unserer Zeit betrifft – sich viele Kandidatinnen und Kandidaten um eine Positionierung drücken werden, um ja keinen Wähler zu vergraulen. Anstatt klare Kante zu zeigen und diese Maßnahme mitzutragen. Welchen Einfluss die Kommunalpolitik hat, das sah man zuletzt oft genug bei jenen Orten, die eine besonders niedrige Impfquote haben.
Die Pandemie hat viele Bruchlinien offenbart. Das wird in den Familien sicht- und am Stammtisch im Dorfgasthaus spürbar. Diese Polarisierung wird uns noch weiter begleiten und die Politik (im Großen und im Kleinen) täte gut daran, dagegen anzutreten. Die Kommunen werden die Krise aber auch noch andernorts spüren. In der Gemeindekassa. Die Zeiten von Denkmälern für Gemeindekaiser und Prestigeprojekten dürften in absehbarer Zukunft vorbei sein. Und bereits umgesetzte Großprojekte, die mit der Hoffnung auf sprudelnde Kommunalsteuern vorfinanziert wurden, werden den Handlungsspielraum der Mandatare bald merklich einengen.
Kein Wunder also, dass sich viele Listen gerade schwertun, ausreichend Kandidaten zusammenzubringen. Denn der „Dank“ für die jahrelange ehrenamtliche Knochenarbeit für die Gemeinde ist meist nur eine bestenfalls abfällige Bemerkung im Gasthaus. Dabei bräuchte es gerade in der kommenden Periode die fähigsten Frauen und Männer. Es wirkt jetzt schon ein wenig nach Qual mit dieser Wahl. Dabei sollten wir nie vergessen, wie großartig es ist, dass wir diese überhaupt haben.

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