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IAPC Demokratie-Medaille Swiatlana Tsikhanouskaya und Veronica Tsepkalo überreicht

Im Hotel Bristol in Wien ging am Vorabend der Belarus Konferenz eine besondere Ehrung für die Frauen von Belarus über die Bühne

Wien (OTS) - In Anwesenheit einer großen Gruppe von in Wien lebenden Landsleuten nahmen Oppositionsführerin Swiatlana Tsikhanouskaya und Veronica Tsepkalo die höchste Auszeichnung der Weltvereinigung der politischen Berater (IAPC) für sich und Maria Kalesnikava, die, ebenso wie der Gatte von Tsikhanouskaya, den Repressalien der Gefängnisse von Belarus ausgesetzt sind, entgegen.

Überreicht wurde die Demokratie-Medaille vom früheren Präsidenten der IAPC, dem Österreicher Sepp Hartinger und der Generalsekretärin des Österreichischen Journalist*innen Clubs, Barbara Meister.

Sepp Hartinger sprach in seiner Laudatio das Schicksal aller in politischer Haft befindlichen Kämpfer für Demokratie an und dankte im Besonderen den Frauen für ihren beispielhaften Einsatz für die Demokratie. „Diese heutige Ehrung sollte kein Einmal-Effekt, sondern der Beginn eines engeren Miteinanders sein, um die Demokratie auch in Belarus zu ermöglichen und weltweit zu stärken“, so Sepp Hartinger.

Swiatlana Tsikhanouskaya und Veronica Tsepkalo dankten in ihren Reden für die Auszeichnung und hoben insbesondere die Solidarität hervor, die weltweit, und ganz besonders auch in Österreich, spürbar ist.

Swiatlana Tsikhanouskaya
Swiatlana Tsikhanouskaya ist die Anführerin der demokratischen Kräfte in Weißrussland, die unabhängigen Beobachtern zufolge bei den Präsidentschaftswahlen am 9. August 2020 den autokratischen Präsidenten Aliaksandr Lukashenka besiegte. Sie war ins Rennen gegangen, nachdem ihr Mann wegen seiner Präsidentschaftskandidatur verhaftet worden war. Lukaschenka hat sie öffentlich als „Hausfrau“ abgetan und behauptet, eine Frau könne nicht Präsidentin werden. Tsikhanouskaya vereinigte die demokratischen Kräfte Weißrusslands zusammen mit zwei anderen Führungspersönlichkeiten ¬– Maria Kalesnikaya und Veronica Tsepkalo.

Nach ihrem erzwungenen Exil rief Tsikhanouskaya beispiellose friedliche Proteste in ganz Belarus hervor, an denen teilweise Hunderttausende von Menschen teilnahmen. Sie besuchte mehr als 20 Länder, um Unterstützung für ein freies Belarus zu sammeln. Sie setzt sich für die Freilassung von über 500 politischen Gefangenen und friedliche Veränderungen durch freie und faire Wahlen ein. Bei ihren Treffen mit Bundeskanzlerin Merkel, Präsident Macron, Präsidentin von der Leyen, Präsident Charles Michel und anderen führenden Politikern der Welt betonte sie die Notwendigkeit einer mutigeren Reaktion auf die Handlungen der belarussischen Diktatur.

Tsikhanouskaya wurde zu einem Symbol des friedlichen Kampfes für Demokratie und weibliche Führung. Neben Dutzenden anderer Auszeichnungen wurde Swiatlana Tsikhanouskaya mit dem Sacharow-Preis des Europäischen Parlaments geehrt. Im Jahr 2020 wurde sie vom litauischen Präsidenten Nauseda und norwegischen Abgeordneten für den Friedensnobelpreis nominiert. Sie wurde von Bloomberg in die TOP-50 der einflussreichsten Personen, von der Financial Times in die Top 12 der einflussreichsten Frauen und von POLITICO in die Top 28 der einflussreichsten Europäer aufgenommen.

Veronica Tsepkalo
Eine der drei Anführerinnen der nationalen Demokratiebewegung in Belarus. Zusammen mit Swiatlana Tsikhanouskaya und Maria Kalesnikava gelang es ihr, eine noch nie dagewesene Zahl von Menschen zusammenzubringen, um gegen ein Regime zu protestieren, das die Menschenrechte verletzt, Präsidentschaftswahlen fälscht und brutale Gewalt gegen seine Bürger anwendet. Das Trio wurde kürzlich für den Friedensnobelpreis nominiert und hat bereits den Internationalen Demokratie- und den Sacharow-Preis erhalten. Derzeit unterstützt Veronica belarussische Frauen, die in den letzten Monaten Opfer der Grausamkeit des Regimes geworden sind.

Maria Kalesnikaya
Kalesnikaya ist eine derzeit inhaftierte Bürgerrechtlerin in Belarus, politische Gefangene sowie Musikpädagogin und Flötistin. Durch ihre Beziehungen zu Swiatlana Tsikhanouskaya, Veronica Tsepkalo und die Freundschaft mit Wiktar Babaryka sowie die politische Entwicklung in ihrem Heimatland wurde sie zu einer Aktivistin für Menschenrechte und parteilosen Politikerin. 2020 wurde sie international durch ihre Rolle in der belarussischen Opposition bekannt.

Anfang September 2020 „verschwand“ Kalesnikaya in Minsk auf bisher ungeklärte Art und Weise; ihre Familie konnte zwei Tage später mitteilen, sie befinde sich in staatlicher Untersuchungshaft. Im Februar hat der Staatsanwalt die Anklage gegen sie erweitert: Sie soll an einer Verschwörung zur verfassungsfeindlichen Machtergreifung beteiligt gewesen sein und eine extremistische Vereinigung gegründet und angeführt haben. Dafür wurde sie zu elf Jahren Haft verurteilt.

Liste aller bislang mit der Demokratie-Medaille ausgezeichneten Persönlichkeiten

2020 Die Frauen von Weißrussland
2019 Ekrem İmamoğlu, Bürgermeister von Istanbul, Türkei
2018 Hongkonger Studentenaktivisten Joshua Wong, Nathan Law und Alex Chow, Hong Kong Umbrella Movement
2017 Kemal Kilicdaroglu
2016 Komitee zum Schutz von Journalisten
2015 Leopoldo Lopez
2014 Ben Goddard
2013 Co-Gewinner: Premierministerin Kamla Persad-Bissessar (Trinidad & Tobago); Premierministerin Portia Simpson-Miller (Jamaika)
2012 Präsidenten George HW Bush & Bill Clinton
2011 Der Arabische Frühling
2010 Morgan Tsvangirai, Premierminister von Simbabwe
2009 Dr. Mir Hossein Mousavi, iranischer Premierminister
2008 Datuk Seri Anwar bin Ibrahim, ehemaliger stellvertretender Premierminister von Malaysia
2007 Das indonesische Volk
2006 Evelyn Dubrow, emeritierte Direktorin der IAPC
2005 Viktor Juschtschenko, Präsident der Ukraine
2004 Dr. Shirin Ebadi, Gründerin der National Association in Support of Children's Rights, Iran
2003 Joe Napolitan & Michel Bongrand, Gründungsmitglieder der IAPC 2002 Morgan Tsvangirai, Vorsitzender, Bewegung des demokratischen Wandels, Simbabwe
2001 Hugo Banzer, Präsident von Bolivien
2000 George Mitchell, ehemaliger US-Senator
1999 Milo Djukanovic, Präsident der Republik Montenegro
1998 Martin Lee, Vorsitzender der Demokratischen Partei von Hongkong 1997 Internationale Stiftung für Wahlsysteme
1996 Yitzhak Rabin (posthum), Premierminister von Israel
1995 Aung San Suu Kyi, Nationalliga für Demokratie in Mayarmar
1994 Jimmy Carter, ehemaliger Präsident der USA
1993 FW de Klerk, Staatspräsident der Republik Südafrika und Nelson Mandela, Präsident des Afrikanischen Nationalkongresses
1992 Hans-Dietrich Genscher, 18 Jahre Außenminister
1991 Boris Jelzin, Präsident der Russischen Republik
1990 Vaclav Havel, Präsident der Tschechoslowakei
1989 Michail Gorbatschow, Präsident der UdSSR
1988 Keine Medaille vergeben
1987 Margaret Thatcher, Premierministerin von Großbritannien
1986 Corazon Aquino, Präsident der Philippinen
1985 Willy Brandt, Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland
1984 Raul Alfonsin, Präsident von Argentinien
1983 Raoul Wallenberg, schwedischer Diplomat
1982 Lech Walesa, polnischer Solidaritätsführer

Seit 1982 leistet die Internationale Vereinigung der Politikberater (IAPC) Pionierarbeit bei der Verleihung der Demokratie-Medaille, der ersten internationalen Auszeichnung dieser Art, an eine Organisation oder eine Einzelperson, die sich nach dem Urteil ihrer Mitglieder mutig für die Förderung, Unterstützung und Aufrechterhaltung des demokratischen Prozesses überall auf der Welt eingesetzt hat.

Die Demokratie-Medaille wurde zum ersten Mal 1982 auf der IAPC-Konferenz in Berlin an den polnischen Solidarnosc-Führer Lech Walesa verliehen. Zu den Preisträgern gehören seither so unterschiedliche Persönlichkeiten wie Präsident Bill Clinton oder die Führer der Regenschirmbewegung in Hongkong.

Die Kriterien für die Auswahl sind breit gefächert, um der jeweiligen Zeit am besten gerecht zu werden. Wir haben sowohl einzelne Politiker und führende Persönlichkeiten als auch politische Organisationen und politische Bewegungen ausgezeichnet. Das Ideal ist die Anerkennung und Würdigung derjenigen, die (zum Zeitpunkt der Nominierung) durch ihre Führungsqualitäten und ihr Engagement für demokratische Ideale einen Beitrag zur Welt der Kampagnen und Wahlen geleistet haben.

Die Medaille selbst besteht aus einer brünierten Darstellung der Akropolis, die als Relief auf der Vorderseite der großen Bronzemedaille eingraviert ist. Die Rückseite enthält den eingravierten Namen des Empfängers und das Jahr der Verleihung. Die Urkunde, die der Medaille beigefügt ist, enthält diese allgemein anerkannte Definition der Demokratie.

Rückfragen & Kontakt:

Österreichischer Journalist*innen Club (ÖJC)
Ing. Barbara Meister, MA
Generalsekretärin
+43 1 9828555
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