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Sterbeverfügung grundsätzlich ein guter Weg

Präsident Sacher: Im Sterbeverfügungsgesetz fehlen Präventivmaßnahmen und ein Recht auf Hospiz- und Palliativversorgung

Wien (OTS) - Die Volkshilfe Österreich hat heute ihre Stellungnahme zum Sterbeverfügungsgesetz eingebracht, das von der Bundesregierung in eine sehr kurze Begutachtung geschickt wurde. Die Volkshilfe ist eine säkulare Organisation, die alleinige Selbstbestimmung über das eigene Leben ist eine wichtige Leitlinie des Handelns. Daraus ergibt sich auch, selbst darüber bestimmen zu können, wann das eigene Leben enden soll.

Volkshilfe Präsident Ewald Sacher stellt daher fest, „dass die Volkshilfe auf Basis ihrer Haltung die Aufhebung des § 78 des Strafgesetzbuches begrüßt hat. Auch wenn wir uns eine breitere gesellschaftliche Diskussion und eine stärkere Einbindung von säkularen Organisationen gewünscht hätten, anerkennen wir jetzt den Vorschlag der Bundesregierung als gute Grundlage, um die nötigen gesicherten rechtlichen Rahmenbedingung für Sterbewillige zu schaffen. Eine Sterbeverfügung und die Eintragung in ein Register, die verpflichtende Einbindung von Ärzt*innen mit Palliativausbildung und die vorgeschlagenen Fristen sehen wir als gangbaren Weg“. Für die Aufklärung von sterbewilligen Personen hat die Volkshilfe multiprofessionelle Beratungsstellen vorgeschlagen, deren Beratung ergebnisoffen und kostenlos sein sollen. Denn bei der von der Regierung vorgesehenen Beratung durch Ärzt*innen und Notar*innen fehlt der ganzheitliche Blick durch Sozialarbeiter*innen“.

Aus der jahrzehntelangen Erfahrung in der Betreuung von kranken, hochbetagten, behinderten und sterbenden Menschen wissen die Mitarbeiter*innen der Volkshilfe aber auch, dass sich bei einer ausreichend guten Versorgung sowie einer angemessenen Beratung und Schmerztherapie die Frage nach einer Selbsttötung in der Regel nicht stellt. Daher hat die Volkshilfe in ihrer Stellungnahme „auch eine Reihe von begleitenden Präventivmaßnahmen eingefordert. Das bedeutet, finanzielle Mittel für Beratungsstellen für Suizidprävention, die Krisenintervention auszubauen, aber auch die mobilen und stationären Pflege- Beratungs- und Betreuungsleistungen flächendeckend sicher zu stellen. Denn aus unserer Sicht ist der Schutz des Lebens eine wichtige staatliche Aufgabe“, stellt der Direktor der Volkshilfe Österreich Erich Fenninger fest.

Der auch von der Volkshilfe sehr oft geforderte Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung wird von der Volkshilfe begrüßt. „Hier würden wir uns aber einen Rechtsanspruch der Betroffenen wünschen, denn budgetär zugesagte Mittel können leider auch sehr schnell wieder eingespart werden“, so Fenninger.

Abschließend warnt Präsident Sacher davor, die Folgen von brüchigen Erwerbsbiografien, prekären Beschäftigungsverhältnissen und Langzeitarbeitslosigkeit in diesem Kontext zu unterschätzen. Die Folge davon wird eine steigende Altersarmut sein, davon betroffen vorrangig Frauen. Ein Suizid sollte aber nicht der letzte Ausweg sein, den verzweifelte Menschen sehen, um aus finanziell bedrückenden Lebenssituationen zu fliehen.

Es bedarf einer politischen und gesamtgesellschaftlichen Anstrengung, um auch den wachsenden Pflege- und Betreuungsbedarf in einer qualitätsvollen und menschengerechten Art und Weise zu bewältigen. Damit muss unbedingt verhindert werden, dass sich der Suizid zur sozial erwünschten Norm entwickelt. Die Lebensqualität von alten, chronisch kranken und behinderten Menschen trägt entscheidend dazu bei, sich für oder gegen einen Suizid zu entscheiden. Daher muss bei den zukünftigen gesetzlichen Regelungen immer die Gewährleistung einer guten Lebensqualität leitend sein.

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Leiter Kommunikation Volkshilfe Österreich
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