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70. Städtetag, AK4: Post-Corona-Management in Österreichs Städten

Arbeitskreis 4 mit Magistratsdirektor Haidvogl (Graz), Nesslinger (BMDW), Achleitner (Stadtvermessung Graz), Kreihsler, Juen (ECOnet/IHS), Bürgermeister Abl (Trofaiach)

Wien/St. Pölten (OTS) - Beim 70. Städtetag in St. Pölten wurden in Arbeitskreis 4 die Auswirkungen der vergangenen 20 Monate Pandemie auf die Arbeit der Städte und Gemeinden in der Verwaltung selbst beleuchtet.

Denn für die Verwaltung ging es zunächst einmal um eine Aufrechterhaltung des laufenden Betriebs – trotz Homeoffice, Lockdowns und der besonderen Herausforderungen insbesondere für die Gesundheits- und Sicherheitsbehörden.

Doch in zweiter Linie wurde augenscheinlich, dass die Covid-Pandemie auch „interessante Fenster für Innovationen“ öffnete und Städte und Gemeinden Innovationen erproben konnten, die jetzt möglicherweise „echte Reformen“ für den Regelbetrieb werden könnten. Was also hat sich bewährt? Was nehmen Städte- und Gemeindeverwaltungen für die Zukunft mit? Was hat funktioniert und was nicht?

Diesen Fragen stellten sich unter dem Vorsitz von Martin Haidvogl, Magistratsdirektor der Stadt Graz, in einer ersten Runde Georg Friedrich Nesslinger vom Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort, Elke Achleitner und Bernhard Inninger von der Stadtvermessung Graz und Stefan Kreihsler, Leiter der Data Science (Upstream – Next Level Mobility GmbH). In dieser ersten Runde ging es um die Frage der Datennutzung und Daten-Auswertung in den Städten.

Fazit: ein umfassendes digitales Datenmanagement ist wichtig. Denn Städte generieren Daten, erfassen Daten und sehen es grundsätzlich als ihre Aufgabe, mehr Daten für die Allgemeinheit nutzbar zu machen. Die Daten, die im öffentlichen Sektor erzeugt werden, sollten dem Gemeinwohl dienen.

In seinem Vortrag zur aktuellen Gesetzgebung im Bereich des Projektes „Once-Only“ sowie zu weiteren Aktivitäten des BMDW im kommunalen Bereich erläuterte Georg Friedrich Nesslinger vom Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort, dass Daten durch Bürger*innen und Unternehmen nur einmal an staatliche Institutionen übermittelt werden müssen. Der Austausch zwischen den Behörden soll vereinfacht, vereinheitlicht und intensiviert werden.

Mobilfunk-Daten als Grundlage für Stadtplanung und Mobilität

In ihrem Vortrag „Auswertung von Mobilfunkdaten – Best Practice aus dem Magistrat Graz“ stellten Elke Achleitner und Bernhard Inninger von der Grazer Stadtvermessung verschiedene Analysen über Mobilfunkdaten vor. Als Beispiel nannten sie die Analyse von Passant*innen-Frequenzen in der Grazer Innenstadt: Dadurch lässt sich darstellen, wie viele Personen sich in der Innenstadt aufhalten, auf welchen Plätzen sie sich wie lange aufhalten, wie sie sich zwischen unterschiedlichen Standorten bewegen etc. Auch nach Alter und sozio-ökonomischen Merkmalen kann man unterscheiden. Diese anonymisierten Analysen über die Bewegungsmuster der Bürger*innen haben auch während der Corona-Krise spannende Ergebnisse geliefert, wie z.B. vermehrte Aufenthalte in Parks in Zeiten der Lockdowns.

Die Analyse von Mobilfunkdaten liefert auch wertvolle Informationen für den Tourismus: Wie verteilen sich Menschen bei den Sehenswürdigkeiten, wo halten sie sich wie lange auf etc. Auch wichtige Sicherheitsaspekte für Großveranstaltungen lassen sich herauslesen. Aber auch die weitere Verwendung der Daten und die Analyse des Mobilitätsverhaltens von Bewohner*innen einer Stadt für das Stadtplanungsamt/die Stadtplanung, aber auch für die Planung des städtischen und des Stadtgrenzen-überschreitenden Verkehrs. Die gewonnenen Erkenntnisse dienen also auch dazu, Städte zu verstehen, zu bauen, Verkehr zu planen und Standorte wirtschaftlich zu nutzen.

In einer zweiten Runde wurden dann gesellschaftliche Entwicklungen und Neuausrichtungen als Einflussfaktoren für Städte und Gemeinden diskutiert.

Isabella Juen (ECOnet/Institut für Höhere Studien), die an einem internationalen Forschungsprojekt zur Entwicklung des ländlichen Raumes arbeitet, griff zwei Aspekte heraus, bei denen sie Chancen für kleine Städte sieht: Home-Office und Co-Working-Spaces. „Die Entwicklung zur Arbeit von Zuhause aus startete bereits vor Covid, die Pandemie wirkte stark beschleunigend“, so Juen.
Während der Krise seien insgesamt 1,5 Mio. Arbeitnehmer*innen in Österreich im Home-Office, ein Drittel davon war zuvor noch nie im Home-Office tätig gewesen. Durch diese Entwicklung könnten Menschen auch am Land wohnhaft sein ohne täglich weite Wege zu ihrem Arbeitsplatz in einer Metropole zurücklegen zu müssen; es könnten am Land auch Orte der Vernetzung geschaffen werden, so Juen.

Bürgermeister Albl (Trofaiach) merkte an, dass die angesprochenen Co-Working-Spaces in kleineren Städten bisher nicht besonders gut funktionierten, jedoch müsse man als Kommunalpolitiker auch den Mut aufbringen, derartige Entwicklungen anzustoßen. Er nannte die Themen Pflege, Elementarpädagogik, Mobilität, Digitalisierung und Innenstadtentwicklung als Zukunftsthemen für die kommunale Ebene. Eine der wichtigsten Herausforderungen sei jedoch die Gewinnung von qualifiziertem Personal, so Albl: „Die Ermöglichung von Home-Office und Flexibilität ist eine Chance für die Öffentliche Hand“, schloss er.

Fotos zum Download unter: www.markuswache.com/archiv/staedtetag2021 (Fotocredit: Markus Wache/markuswache.com)

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(Forts.) sas

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