Zum Inhalt springen

Die Lüge vom „guten Nazi“: „dokFilm“-Premiere „Speer Goes to Hollywood“ am 14. November in ORF 2

Preisgekrönte neue Doku von Vanessa Lapa über Albert Speers Versuch, sich mit einem nie realisierten Film reinzuwaschen

Wien (OTS) - Albert Speer zählte zu Hitlers engsten Vertrauten und sollte ab 1937 als Generalbauinspektor Berlin zur Welthauptstadt „Germania“ umgestalten. Als Reichsminister für Bewaffnung und Munition war er ab 1942 verantwortlich für zwölf Millionen Zwangsarbeiter. Die vorsichtigsten Schätzungen gehen davon aus, dass mindestens ein Drittel von ihnen zu Tode kam. Dennoch genießt er bis heute den Ruf des „guten Nazis“. Ein Mythos, den Speer sorgsam selbst entwarf und kultivierte – und der nur allzu gerne von einer weltweiten Öffentlichkeit aufgenommen wurde. Der neue israelisch-österreichisch-deutsche Dokumentarfilm „Speer Goes to Hollywood“ – eine Koproduktion der ORF-TV-Kultur, zu sehen am Sonntag, dem 14. November 2021, im „dokFilm“ um 23.05 Uhr in ORF 2 – geht der Frage nach, wie Hitlers Stararchitekt die Lüge vom „guten Nazi“ schaffen konnte. Die Doku schildert Speers Versuch, sich 1971 mit einer letztendlich nie realisierten Hollywood-Verfilmung seiner „Erinnerungen“ reinzuwaschen. Nach dem preisgekrönten, ungewöhnlichen Psychogramm „Der Anständige“ über Heinrich Himmler im Jahr 2014 ist dies die zweite Zusammenarbeit des ORF mit Filmemacherin Vanessa Lapa. Als Koproduzent zeichnet, wie schon beim „Anständigen“, die Wiener Felix Breisach Medienwerkstatt für den Film mitverantwortlich. Die ORF-Koproduktion erhielt im Oktober den Israelischen „Ophir Award 2021“ als bester Dokumentarfilm.

Mehr zum Inhalt:

Beim Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher des Zweiten Weltkriegs war Albert Speer einer der prominentesten Angeklagten – und entging als einer der wenigen der Todesstrafe. Er wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt, die er im Kriegsgefängnis Spandau verbrachte. Nach seiner Entlassung veröffentlichte er 1969 seine Memoiren unter dem Titel „Erinnerungen“, die sofort zum Bestseller avancierten:
Innerhalb von zwei Jahren verkaufte sich das Buch über eine Million Mal und wurde in 14 Sprachen übersetzt. Das war der Beginn von Speers Versuch, sich zu rehabilitieren. Paramount Pictures plante diesen Welt-Bestseller zu verfilmen, und Speer wirkte selbst am Drehbuch mit. Monatelange Gespräche, die von Drehbuchautor Andrew Birkin aufgezeichnet wurden, zeigen Speers skrupellosen Versuch, seine Vergangenheit mit der geplanten Produktion reinzuwaschen. Der Film kam nie zustande, übrig blieben die bis dato unveröffentlichten Audio-Aufzeichnungen – 40 Stunden im Original.

Diese Aufzeichnungen bilden die Ton-Ebene des Dokumentarfilms „Speer Goes to Hollywood“ und werden durch einzigartige Archivaufnahmen auf der Bildebene ergänzt. Regisseurin Vanessa Lapa kämpfte sich dabei durch einen breiten Sumpf von Lügen, die seit langer Zeit die Wahrheit über Hitlers „Leibarchitekten“ verdecken. Schicht für Schicht werden seine Taten enthüllt und seine Behauptungen widerlegt, sodass das ganze Ausmaß seines grausamen Wirkens zum Vorschein kommt. Offen bleibt die Frage, wie ein Mensch, der für so viele Gräueltaten verantwortlich zeichnete, durch Intelligenz und Charme die öffentliche Meinung dazu brachte, ihm seine perfiden, meisterhaft gestrickten Fake News zu glauben.

Rückfragen & Kontakt:

http://presse.ORF.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRF0010