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Senioren, Risikogruppen und Kinder: Jetzt gegen Pneumokokken impfen lassen!

Langzeitschäden auch bei Kindern möglich

  • Bei Kindern ist das Immunsystem zwar nicht geschwächt, aber eben noch nicht geübt genug, um Pneumokokken-Infektionen immer abwehren zu können
    MR Dr. Rudolf Schmitzberger, Kinderarzt und Leiter des Impfreferats der Österreichischen Ärztekammer
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  • Personen mit Diabetes sind zum Beispiel anfälliger für Infektionen und müssen im Ernstfall nicht nur gegen die Pneumokokken-Infektion kämpfen, sondern auch gegen eine dadurch ausgelöste Verschlechterung ihres Diabetes
    MR Dr. Rudolf Schmitzberger, Kinderarzt und Leiter des Impfreferats der Österreichischen Ärztekammer
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Wien (OTS) - Beim Stichwort „Impfung“ denken die meisten Menschen derzeit an COVID-19. Dabei gerät leicht in Vergessenheit, dass es noch andere Impfungen gibt, die für viele Menschen in Österreich dringend empfohlen werden, gerade im Herbst und Winter. Eine davon ist die Impfung gegen Pneumokokken. Im Unterschied zu SARS-CoV2 handelt es sich bei den Pneumokokken um Bakterien, die ebenfalls schwere Erkrankungen wie Lungenentzündungen, Gehirnhautentzündungen und Blutvergiftungen hervorrufen können. Bei Kindern sind sie häufig für die äußerst schmerzhafte Mittelohrentzündung verantwortlich. In seltenen Fällen können Pneumokokken auch zu schweren Langzeitschäden führen. Bei chronisch Kranken sind sie auch immer wieder für eine Verschlechterung der Grunderkrankung verantwortlich. Damit es gar nicht erst soweit kommt, stehen schon seit Jahren effektive und gut verträgliche Impfstoffe für Erwachsene und Kinder zur Verfügung.

Gefahr durch geschwächtes Immunsystem

Pneumokokken besiedeln den Nasen-Rachen-Raum von 10 bis 15 Prozent der Erwachsenen und von bis zu 60 Prozent der Kinder, führen aber nicht immer zu Krankheitssymptomen. Sie werden durch Tröpfcheninfektion übertragen, also durch Sprechen, Husten oder Niesen.[1] Infizieren kann man sich sowohl bei erkrankten Personen als auch bei Gesunden, die die Keime in sich tragen.

Gefährlich kann eine Pneumokokken-Erkrankung vor allem für Säuglinge, Kleinkinder, chronisch Kranke und Personen über 60 Jahren werden. Vor allem dann, wenn das Immunsystem geschwächt ist, was unter anderem nach durchgemachten Viruserkrankungen (zum Beispiel Influenza oder COVID-19) oder bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder COPD* der Fall ist.[2] „Bei Kindern ist das Immunsystem zwar nicht geschwächt, aber eben noch nicht geübt genug, um Pneumokokken-Infektionen immer abwehren zu können“, erläutert MR Dr. Rudolf Schmitzberger, Kinderarzt und Leiter des Impfreferats der Österreichischen Ärztekammer.

Weltweit sterben pro Jahr etwa eine Million Kinder an den Folgen einer Pneumokokken-Lungenentzündung.2

Schwere Krankheitsfolgen für Jung und Alt möglich

Die häufigste durch Pneumokokken ausgelöste Krankheit ist die Pneumokokken-Lungenentzündung. „Davon gibt es pro Jahr in Österreich vermutlich mehrere 100.000 Fälle“, berichtet Schmitzberger. „Mindestens ein Drittel muss stationär aufgenommen werden.“ Klassische Symptome sind hohes Fieber, schweres Krankheitsgefühl, Husten und Atemnot. Auch der Herzbeutel kann betroffen sein oder Erreger können in normalerweise sterile Körperregionen eindringen und dort schwerste Erkrankungen wie Blutvergiftung oder Gehirnhautentzündung auslösen. Manchmal schreitet die Infektion so schnell voran, dass die potenziell helfenden Antibiotika nicht mehr rechtzeitig ihre Wirkung erzielen und der* die Patient*in trotz Behandlung stirbt.2

Bei Kindern sind akute Mittelohrentzündungen oft mit Pneumokokken assoziiert. „Leider können diese auch schwerwiegende Komplikationen verursachen“, so Schmitzberger. Sogenannte invasive Pneumokokken-Erkrankungen mit Blutvergiftung und Gehirnhautentzündung hätten mögliche Langzeitschäden wie Taubheit, Gehirnschäden oder Lähmungen zur Folge, die auch in Österreich bei mehr als einem Viertel der Kinder nach Pneumokokken-Hirnhautentzündungen auftreten würden.[3] „Viele dieser Fälle lassen sich durch eine frühe und konsequente Impfung ab dem dritten Lebensmonat verhindern. Deshalb ist sie auch im kostenfreien Kinderimpfprogramm vorgesehen. Zusätzlich lassen sich dadurch auch Erkrankungen von älteren Personen vermeiden, weil diese durch geimpfte Kinder nur noch schwerangesteckt werden können“, so Schmitzberger. Sein Leitsatz: Große schützen Kleine, Kleine schützen Große.

Impfung für Menschen mit Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder COPD wichtig

Die Pneumokokken-Impfung kann außerdem Menschen mit chronischen Erkrankungen viel Leid ersparen. „Personen mit Diabetes sind zum Beispiel anfälliger für Infektionen und müssen im Ernstfall nicht nur gegen die Pneumokokken-Infektion kämpfen, sondern auch gegen eine dadurch ausgelöste Verschlechterung ihres Diabetes“, warnt der Impfreferent. „Leider sind gerade in dieser Gruppe immer noch viel zu wenige Menschen gegen Pneumokokken geimpft.“ Ähnliches trifft auf Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu. Auch sie haben ein erhöhtes Risiko für Infektionskrankheiten. „Nicht alle wissen das“, fürchtet Schmitzberger. Menschen mit Herzproblemen müssen beispielsweise fast doppelt so häufig wegen einer Lungenentzündung ins Spital wie Personen, die keine Herzprobleme haben.[4] Ein höheres Infektionsrisiko beziehungsweise eine Gefahr für eine Verschlechterung der Grunderkrankung besteht auch bei weiteren chronischen Erkrankungen wie COPD. Deshalb wird Betroffenen von chronischen Erkrankungen die Pneumokokken-Impfung im österreichischen Impfplan unabhängig vom Alter empfohlen. Für Gesunde gibt es eine Impfempfehlung ab dem 60. Lebensjahr.

Die Pneumokokken-Impfung kann übrigens problemlos gleichzeitig mit der COVID-19-Impfung durchgeführt werden.

*Chronisch obstruktive Lungenerkrankung

[1] Pneumokokken-Jahresbericht 2020

[2] https://www.ots.at/redirect/sozialministerium32 , zuletzt abgerufen am 6.10.2021

[3] Österreichischer Impfplan 2021

[4]Mor A, Thomsen RW, Ulrichsen SP, et al., Chronic heart failure and risk of hospitalization with pneumonia: a population-based study. Eur J Intern Med 2013;24:349–53.

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