Interne Revision: Großer Handlungsbedarf bei IT-Sicherheit, Gender-Pay-Gap, politischer Einflussnahme und Korruptionsvermeidung

Studie zu Interner Revision in österreichischen Unternehmen und Institutionen

Wien (OTS) - Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Industrie fordern mehr Kompetenzen und bessere Rahmenbedingungen für die Interne Revision in Unternehmen und Institutionen. Das geht aus einer erstmals bundesweit durchgeführten Studie des österreichischen Instituts für Interne Revision hervor. Drei Viertel der Befragten befürworten in diesem "Revisions-Report" sogar die verpflichtende Einführung einer Internen Revision, vor allem in größeren Unternehmen. Deutlichen Handlungsbedarf sehen sowohl Manager als auch Revisions-Experten bei IT-Sicherheit, beim Gender-Pay-Gap sowie bei der Zurückdrängung und Vermeidung von politischer Einflussnahme und Korruption.

Abteilungen und Experten für Interne Revision sind für die unabhängige und objektive Prüfung und Beratung in Unternehmen, Institutionen und Organisationen zuständig. Sie helfen, Risiken frühzeitig zu erkennen und leisten einen zentralen Beitrag dazu, dass Unternehmen ihre wirtschaftlichen Ziele erreichen, dauerhaft erfolgreich und effizienter sind. Fakt ist aber: Solange alles gut läuft, wird dieser Berufsgruppe wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Thomas Schwalb, Geschäftsführer des Instituts für Interne Revision: „Obwohl Transparenz, Korruptionsbekämpfung und die Einhaltung von Corporate-Governance-Regeln zu den Top-Themen in Österreichs Medien, Wirtschaft und Politik gehören, wird die Interne Revision meist erst dann gehört, wenn etwas schiefgegangen ist. Dagegen müssen wir vorgehen – nicht nur im Interesse unserer Berufsgruppe, sondern auch im Interesse von Unternehmen und Institutionen.“

Das Institut, das sich seit 60 Jahren für die Interessen, Förderung und Entwicklung dieser Berufsgruppe in Österreich einsetzt, hat daher nun erstmals eine umfassende Befragung durchgeführt: Wie steht es um die Interne Revision in Österreichs Unternehmen und Institutionen? Und: Wo gibt es Probleme und Handlungsbedarf? 326 Entscheidungsträger und Revisionsexperten aus ganz Österreich wurden im Rahmen der Studie befragt, um mithilfe ihrer Expertise Verbesserungs-Vorschläge zu entwickeln. Die Ergebnisse liegen nun im 1. Österreichischen Revisions-Report vor.

Problemfelder: IT-Sicherheit, Gender-Pay-Gap, politischer Einfluss & Korruption
Im EU-Vergleich schätzen die Befragten heimische Unternehmen sowohl hinsichtlich Qualitätsbewusstsein, Steuermoral als auch Gesetzestreue als korrekter ein als andere Länder. Ein schlechtes Zeugnis stellen sie jedoch der herrschenden Fehlerkultur aus: 61 Prozent sind der Ansicht, dass das „Eingestehen von etwaigen Fehlern“ bei uns „etwas schlechter“ oder „viel schlechter“ funktioniert. Den größten Handlungsbedarf in Unternehmen und Institutionen sehen fast zwei Drittel (65 %) bei der IT-Sicherheit, 58 Prozent beim Gender-Pay-Gap und beachtliche 57 Prozent geben „politische Einflussnahme“ an. Das Thema Korruptionsbekämpfung wird von 43 Prozent als verbesserungswürdig eingestuft – ein enormer Wert für eine entwickelte Demokratie.

Kostenoptimierung & Krisenprävention: Interne Revision gewinnt an Bedeutung
Angesichts der aktuell für viele Unternehmen herausfordernden Situation sowie diverser Skandale werden die Tätigkeiten und Kompetenzen der Internen Revision immer wichtiger. Aber sehen das die befragten Manager auch so? Durchaus: Mehr als die Hälfte (58 %) ist der Meinung, dass die Berufsgruppe an Bedeutung gewinnen wird. Besonders hoch sind die Erwartungen diesbezüglich in Gewerbe, Industrie, Bauwesen und Handel.

So wird der Internen Revision sowohl bei Kostenoptimierung als auch bei Krisenprävention große Bedeutung zugesprochen. Eindrucksvolle 83 Prozent aller Befragten meinen, dass eine erfolgreiche Interne Revision Unternehmen hilft, im laufenden Betrieb Geld zu sparen – ein Faktor, der in wirtschaftlich turbulenten Zeiten besonders wichtig ist. Zudem sind sich 13 Prozent sicher, dass verstärkte Aktivitäten und verbesserte Möglichkeiten der Internen Revision reale Krisenfälle verhindert hätten, zwei Drittel (67 %) halten das zumindest für möglich.

Lina Xu-Fenz, Vorstandsmitglied des Instituts für Interne Revision und Head of Internal Audit bei der Helvetia Versicherung: „Wir merken, dass die Bedeutung der Internen Revision und der Anspruch an sie stetig zunehmen – nicht zuletzt aufgrund der steigenden rechtlichen Anforderungen und einer veränderten Corporate Governance. Dass Entscheidungsträger das ebenso wahrnehmen, ist für uns Bestätigung und Auftrag zugleich.“

75 Prozent befürworten verpflichtende Interne Revision
In Österreich sind Banken, Kreditinstitute, Wertpapierhändler sowie Versicherungen und Pensionskassen zur Einrichtung einer Internen Revision gesetzlich verpflichtet. Für die meisten privaten Unternehmen basiert dies auf Freiwilligkeit. Der 1. Österreichische Revision-Report zeigt jedoch hohe Bereitschaft auf, dies zu ändern: Insgesamt drei Viertel sind der Ansicht, dass eine Interne Revision – je nach Größe – vorgeschrieben werden soll. 35 Prozent meinen, das müsse für große Firmen ab 500 Mitarbeitern gelten, 25 Prozent sagen ab 100 Mitarbeitern. Immerhin ein Zehntel findet, dass es bereits ab 50 Mitarbeitern eine Abteilung für Interne Revision geben sollte, 4 Prozent sogar ab 30 Mitarbeitern.
Laut Studie kommt die Einrichtung einer inneren Kontrollinstanz den Unternehmen deutlich zugute: 76 Prozent aller Befragten geben an, dass sie Unternehmen mit einer eigenen Abteilung für Interne Revision im Geschäftsalltag mehr vertrauen als jenen, die keine haben.

Öffentlicher Bereich: Mehr Transparenz gefordert
Uneinigkeit herrscht darüber, wie mit Berichten der Internen Revision in öffentlichen Einrichtungen sowie in Institutionen und Unternehmen mit Beteiligungen der öffentlichen Hand umgegangen werden soll. Die größte Zustimmung (38 %) gibt es für die Variante, dass diese zwar grundsätzlich vertraulich bzw. intern behandelt werden sollen, aber bei groben Missständen veröffentlicht werden müssen. 24 Prozent sind dafür, dass die Berichte generell allgemein und transparent veröffentlicht werden. Ein Fünftel (20 %) will das genaue Gegenteil – die Berichte der Internen Revision sollen nur intern in den jeweiligen Einrichtungen und Unternehmen behandelt werden. Und 18 Prozent sind der Meinung, sie sollten vertraulich den staatlichen Aufsichtsbehörden und zuständigen Behörden übermittelt werden.

Mehr Unabhängigkeit und direkte Schnittstelle zu Aufsichtsgremien gefordert
Aufgabe der Internen Revision ist die unabhängige und objektive Prüfung von Prozessen und Geschäftsabläufen. In der Praxis stößt diese Unabhängigkeit allerdings häufig an Grenzen – zum Beispiel bei der Auswahl der Prüfungsobjekte oder beim Zugriff auf Daten und Fachabteilungen. Sollte die Interne Revision daher mit mehr Rechten ausgestattet werden, um ihre Aufgaben optimal erfüllen zu können? Während 75 Prozent aller Befragungsteilnehmer zustimmen, sind in der Gruppe der befragten Eigentümer nur 45 Prozent dafür.

Bei der Frage, ob es eine direkte Schnittstelle zu Aufsichtsgremien in Unternehmen (z. B. zum Aufsichtsrat) geben sollte, zeigt sich ein ähnliches Bild. Für gewöhnlich sind Interne Revisoren direkt der Geschäftsführung bzw. dem Vorstand unterstellt. Von allen Befragten sind 70 Prozent dafür, dass diese auch direkt an den Aufsichtsrat berichten sollten – bei den Eigentümern sind es nur 33 Prozent.

„Der Tatsache, dass Unternehmer und Top-Manager die Aufsichtsgremien offenbar nicht direkt informieren wollen, muss nachgegangen werden. Besonders bei Großunternehmen sollte es Standard werden, dass die Interne Revision auch direkt an den Aufsichtsrat berichtet. Hier könnte auch ein Grund dafür liegen, warum Missstände wiederholt zu spät ans Licht gekommen sind“, ortet Gottfried Berger, Vorstandsvorsitzender des Instituts für Interne Revision, Diskussionsbedarf.

Interne Revisoren fordern besseren Kündigungsschutz
Im Zuge einer objektiven Prüfung müssen Interne Revisorinnen und Revisoren auch etwaige Missstände aufdecken. Als potenzielle Überbringer schlechter Nachrichten riskieren sie dabei unter Umständen ihren Job. Sollen sie daher – ähnlich wie Betriebsräte – einen Kündigungsschutz erhalten, um ihre Arbeit kritisch und unabhängig durchführen zu können? Dieser Wunsch vieler Revisionsexperten wird vom Top-Management überwiegend zurückgewiesen. 42 Prozent der Eigentümer lehnen einen Kündigungsschutz eher, 29 Prozent strikt ab. Noch deutlicher fällt die Bewertung der Geschäftsführer aus: Hier sind 23 Prozent eher und 40 Prozent absolut dagegen.

„Wir orten bei vielen Entscheidungsträgern ein fundamentales Missverständnis über die Ziele der Internen Revision. Revisoren sind keine Bedrohung für die Unternehmensführung und -eigentümer, sondern deren wichtigste Verbündete. Wir erzielen Verbesserungen und Effizienzsteigerungen, erkennen Risiken frühzeitig und verhindern sie dadurch“, betont Gottfried Berger.

Konkrete Maßnahmen notwendig – Wirtschaft und Politik gefordert
„Die Studie zeigt Handlungsbedarf für Wirtschaft und Politik, aber auch für uns als Institut für Interne Revision auf“, so Berger abschließend. Das Institut für Interne Revision fordert auf Basis der Ergebnisse folgende Maßnahmen:

  1. Verpflichtende Interne Revision ab 250 Mitarbeitern oder einem Jahresumsatz von 50 Millionen Euro einführen
  2. Direkten Zugang und Berichtswege zu Aufsichtsgremien in Unternehmen (z. B. Aufsichtsrat) für Interne Revisoren schaffen, die Missstände aufdecken
  3. Klare Regelungen und gesetzliche Verankerung für die Interne Revision realisieren
  4. Erweiterten Kündigungsschutz ermöglichen, um willkürliche Kündigungen nach kritischen Berichten durch die Interne Revision zu verhindern
  5. Verbesserungen und Projekte fördern und rasch umsetzen (Aus- und Fortbildung forcieren, verpflichtende Einbindung von Experten der Internen Revision bei der Weiterentwicklung des Corporate Governance Kodex etc.)
  6. Personelle Ressourcen der Internen Revision stärken – mindestens ein Vollzeit-Revisor pro 500 Mitarbeiter

Über das Institut für Interne Revision – IIA Austria

Das Institut für Interne Revision (www.internerevision.at) zielt auf die Förderung und Entwicklung der Internen Revision in Österreich ab. Die Tätigkeiten des Instituts mit Sitz in Wien sind nicht auf Gewinn ausgerichtet, sondern gemeinnützig und unpolitisch. Zu seinen Hauptaufgaben zählen der nationale und internationale Erfahrungsaustausch, die Information über Interne Revision, die Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis, sowie die Erarbeitung und laufende Adaptierung von Grundsätzen und Methoden. Ein wesentliches Ziel ist auch die Weiterbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Internen Revision im Rahmen der Akademie für Interne Revision. Das Institut zählt derzeit rund 2.000 Mitglieder aus allen Sparten der österreichischen Wirtschaft.

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