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TIROLER TAGESZEITUNG, Analyse: "Auf Eintagsfliegen-Effekt zu hoffen, reicht nicht", Ausgabe vom 28. September 2021 von Karin Leitner.

Innsbruck (OTS) - Bis zuletzt haben die Blauen alles versucht, um Impfverweigerer und Gegner aller Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus zu sich zu ziehen. Klubchef Herbert Kickl belegte gar, dass er ungestochen ist, damit keine Antikörper in sich trägt. Eine Konkurrenz in Sachen unverantwortliches Verhalten hatten die Freiheitlichen vor der Wahl in Oberösterreich nämlich bekommen, mit der MFG. Erst im Februar gegründet, hat es die Truppe, die gegen Masken, Tests und Immunisierung ist, in das Landesparlament geschafft, mit 6,2 Prozent Zuspruch. Nicht nur zu Lasten der FPÖ, auch etliche einstige Wähler anderer Parteien haben für die MFG gestimmt. Ein Alarmzeichen. Dass ein Polit-Neuling derart punktet, war nicht abzusehen. Dass das Potenzial derer, die eine Corona-Infektion und deren Folgen kleinreden, groß ist, war aber lange bekannt. Die FPÖ hat dessentwegen auf das Thema gesetzt.
Ein „Wie ist das MFG-Ergebnis möglich?“ sollte vor allem von den Bundesregierungsparteien nun nicht kommen. Mit ihrem Corona-Management – vieles unverständlich, mit vielem zugewartet – haben sie es Widersachern leicht gemacht. PR-Budget wäre vorhanden gewesen für eine umfangreiche, rechtzeitige Impfkampagne – mit wissenschaftlich fundierter Aufklärung, die Ängste nimmt. Und so Verschwörern, Skeptikern und Querdenkern aller Provenienz den Nährboden für ihre abstrusen Behauptungen entzieht. Mit einem „Bitte gehen Sie impfen!“ ist es nicht getan.
Die MFGler haben nicht vor, sich auf Oberösterreich zu beschränken, auch in anderen Bundesländern wollen sie kandidieren, als Hüter von Grund- und Freiheitsrechten behübscht. Ja, zu den nächsten Wahlen ist es weit. Ja, so manch auf Anhieb erfolgreiche Partei war alsbald wieder unter ferner liefen. Sich bei der MFG-Liste darauf verlassen – wegen der Unerfahrenheit, Differenzen bei Agenden abseits von Corona, internem Machtkampf und Streiterei – sollten etablierte Politiker nicht. Hoffen und Warten wird zu wenig sein. Zu trotzen gilt es.

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