• 24.09.2021, 22:00:02
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TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Unverständliches Zögern", von Mario Zenhäusern

Ausgabe vom Samstag, 25. September 2021

Utl.: Ausgabe vom Samstag, 25. September 2021 =

Innsbruck (OTS) - An der Einführung der 3-G-Regel am Arbeitsplatz
führt kein Weg vorbei. Und wer das Coronavirus endgültig besie­gen
will, für den darf auch eine Impfpflicht kein Tabu sein. Trotzdem
scheut sich die Regierung vor einer Entscheidung.

Die Diskussion rund um Impfpflicht, egal ob für bestimmte
Berufsgruppen oder für die gesamte impfbare Bevölkerung, wird immer
heftiger geführt. Jene um die Einführung der 3-G-Regel (geimpft,
genesen oder getestet) am Arbeitsplatz auch. Die Bevölkerung ist
gespalten, beide Lager stehen sich je länger, desto unversöhnlicher
gegenüber. Der Großteil spricht sich klar für die verpflichtende
Corona-Impfung aus. Für sie ist das der einzig gangbare Weg aus der
Krise, auch die lückenlose Einführung sowie Kontrolle der 3-G-Regel
betrachten die Mehrheit der Bevölkerung und mittlerweile auch
zahlreiche Politiker als unabdingbar. Der weitaus kleinere Teil der
Bevölkerung stemmt sich jedoch vehement gegen jede Form der
Bevormundung.
Verstärkt wird der Schlagabtausch zwischen Befürwortern und Gegnern
durch die unübersichtliche rechtliche Situation in Österreich.
Während zum Beispiel Italien längst restriktive Maßnahmen wie eben
die 3-G-Regel am Arbeitsplatz verordnet hat und ungeimpftes
Gesundheitspersonal ohne Bezüge suspendiert, schiebt die
Bundesregierung die Entscheidung wie eine heiße Kartoffel vor sich
her oder spielt den Ball den Unternehmern zu. Beides ist indiskutabel
und führt in letzter Konsequenz lediglich zu einem Wildwuchs an
unterschiedlichen Regelungen. Wien zum Beispiel fährt einen rigideren
Kurs als andere Bundesländer. Das stresst und verunsichert die
Menschen zusätzlich zur Sorge um die Gesundheit.
Die zögerliche Haltung der Verantwortlichen in der Bundesregierung
ist unbefriedigend, weil sie die Spaltung in der Gesellschaft
verstärkt. Und sie ist auch schwer zu argumentieren: Wen wollen die
Politiker denn schützen, wenn sie zum Beispiel Spitälern empfehlen,
nur geimpftes Personal einzustellen, aber gleichzeitig vor der
Schaffung einer gesetzlichen Grundlage dafür zurückschrecken? Die
Ungeimpften?
Es ist höchst an der Zeit, dass die Regierung endlich mit einer
bundesweit einheitlichen, nachvollziehbaren und vor allem
praktikablen Regelung für Klarheit sorgt. Das idealtypische Beispiel
dafür, wie so etwas nicht funktioniert, ist die Maskenpflicht für
Ungeimpfte im Handel, die allerorten auf Unverständnis stieß.
Wenn die Regierung die Corona-Pandemie tatsächlich beenden (und
nicht nur davon reden) will, darf die Impfpflicht kein Tabu sein. An
der 3-G-Regel am Arbeitsplatz führt auf lange Sicht ohnedies kein Weg
vorbei. Die Sozialpartner haben bereits Zustimmung signalisiert. Das
Zögern der Regierung wird immer unverständlicher.

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