Zum Inhalt springen

Pestizide im Schlafzimmer: Studie zeigt Kontamination von Innenräumen durch Pestizid-Abdrift

Europäische Bürgerinitiative will pestizid-intensiver Landwirtschaft ein Ende setzen

Wien (OTS) - Brüssel/Wien, am 21. September 2021 - Die von der Europäischen Bürgerinitiative (EBI) „Bienen und Bauern retten“ initiierte europaweite Studie Pestizide im Schlafzimmer – Stichprobenuntersuchung von Haustaub aus 21 EU-Staaten zeigt, dass Innenräume von Wohnungen, die an landwirtschaftlich genutzte Gebiete angrenzen, mit einer Vielzahl von Pestiziden belastet sind. Die Untersuchung erfolgte anhand von Hausstaubproben aus den Schlafzimmern von 21 Haushalten in 21 EU-Staaten.

Alle gezogenen Stichproben waren mit Pestiziden belastet. Der Durchschnittswert lag bei 8 und der Maximalwert bei 23 Pestizidwirkstoffen je Probe. Jede vierte Probe enthielt Pestizide, die bei der Europäischen Chemikalienagentur EChA als möglicherweise krebserregend eingestuft sind. In 80 Prozent der Schlafzimmerproben waren Wirkstoffe nachweisbar, die im Verdacht stehen, die menschliche Fortpflanzung zu schädigen.

Die beiden Studienautoren und Initiatoren der EBI „Bienen und Bauern retten“, Dr. Martin Dermine (PAN Europe Environment Policy Officer) und Dr. Helmut Burtscher-Schaden (GLOBAL 2000-Umweltchemiker) kommentieren die Studienergebnisse wie folgt:

Martin Dermine: „Dass Menschen in ihren Wohnräumen Cocktails von Pestiziden ausgesetzt sind, ist inakzeptabel. Die chemie-intensive Landwirtschaft, die dafür verantwortlich ist, darf in der EU nicht mehr subventioniert werden! Stattdessen sollten diese Gelder in die Förderung und Weiterentwicklung von agrarökologischen Praktiken als Alternativen zum Pestizideinsatz fließen, wie es die EU-Kommission bereits im Europäischen Green Deal skizziert hat."

Helmut Burtscher-Schaden: „Das Problem Pestizid-Abdrift darf nicht länger ignoriert werden. Wir hoffen, dass der Nachweis von möglicherweise krebserregenden und fortpflanzungsschädlichen Pestiziden in den Schlafzimmern der ländlichen Bevölkerung ein Weckruf für Zulassungsbehörden in der EU ist. Denn epidemiologische Studien zeigen gerade bei Anrainern landwirtschaftlich genutzter Gebiete ein erhöhtes Risiko für Fortpflanzungsschäden und Krebs.“

Pestiziden mit „negativen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit“ sollten gemäß EU-Pestizidverordnung die Marktzulassung entzogen werden. Das gilt selbstverständlich auch für Gesundheitsbeeinträchtigung infolge von Pestizid-Abdrift. Um problematische Pestizidwirkstoffe zu identifizieren, müssen Zulassungsbehörden allerdings entsprechende Hinweise auch verfolgen und Ursachenforschung betreiben. Bisher ist das leider nur sehr ungenügend der Fall, wie Fallbeispiele aus Deutschland und Österreich belegen.

"Bienen und Bauern retten" ist eine nur noch 10 Tage laufende europäische Bürgerinitiative, die sich für eine biodiversitäts- und klimafreundliche Landwirtschaft einsetzt und einen schrittweisen Ausstieg aus der Verwendung von chemischen Pestiziden fordert. Das Bündnis aus über 200 Organisationen hat nur noch bis zum 30. September Zeit, die benötigte 1 Million Unterschriften zu sammeln. Bislang wurden rund 800.000 Unterschriften gesammelt.

Hier geht’s zu EBI Bienen und Bauern retten: www.global2000.at/bauern-und-bienen-retten

Hier geht‘s zur Studie „Pestizide im Schlafzimmer“

Rückfragen & Kontakt:

Viktoria Auer, GLOBAL 2000 Pressesprecherin, +43 699 14 2000 82, viktoria.auer@global2000.at
Dr. Helmut Burtscher-Schaden, GLOBAL 2000 Umweltchemiker, +43 699 14 2000 34, helmut.burtscher@global2000.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | GLL0001