Caritas zu „Programm Kinderchancen“

Parr begrüßt den Start der Umsetzung der EU-Kindergarantie, appelliert angesichts hoher Armutsbetroffenheit bei Kindern jedoch für rasches Handeln & Klärung der Finanzierungsfrage

Wien (OTS) - Das auf Basis der EU-Kindergarantie nun startende „Programm Kinderchancen“ sei ein positiver erster Schritt in Richtung Bekämpfung von Kinderarmut, sagt Anna Parr, Generalsekretärin der Caritas Österreich: „Es ist zu begrüßen, dass sich die Verantwortlichen damit zum Problem bekennen, dass wir auch in einem vergleichsweise reichen Land wie Österreich mit Kinderarmut konfrontiert sind. Immerhin ist jede*r vierte von armuts- und ausgrenzungsgefährdeten Menschen in Österreich ein Kind; 291.000 Kinder und Jugendliche sind betroffen. Dass in den angesprochenen Bereichen Maßnahmen umgesetzt werden sollen, ist somit positiv. Doch es kommt jetzt vor allem auch auf rasches Handeln an.“

Caritas fordert Maßnahmen bei den Sozial- und Versicherungsleistungen, in der Bildung und Gesundheit

Angesichts dessen, dass sich Armut auf alle Lebensbereiche der Kinder auswirkt, appelliert die Caritas für einen breiten Ansatz, der neben monetären Leistungen auch Sachleistungskomponenten beinhaltet, so Parr: „Kinderarmut kann man nur bekämpfen, indem man an mehreren Schrauben gleichzeitig dreht. Erstens, an der finanziellen: Es muss sichergestellt sein, dass Familien auch in Notsituationen ausreichend Geld zum Leben haben. Es braucht also unbedingt eine armutsfeste Ausgestaltung der Sozialhilfe. Außerdem ist es dringend notwendig, den Familienbonus auch für Familien mit kleinen Einkommen zugänglich zu machen – denn in der derzeitigen Form ist der Familienbonus kein geeignetes Instrument in der Bekämpfung von Kinderarmut.“

Zweitens brauche es einen starken Fokus auf Bildung, so Parr: „Wir wissen, dass Kinder, die keine ausreichende Bildung erhalten, auch im Alter von Armut betroffen sind. Bildung ist also eine ganz wichtige Armutsprävention und Bildung fängt bereits im Kindergarten an“. Parr appelliert in diesem Zusammenhang für einen Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz und einen weiteren zügigen Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen. Außerdem fordert die Caritas seit vielen Jahren ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr. Um die Zukunftschancen von Kindern und Jugendlichen langfristig zu verbessern, spricht sich die Generalsekretärin zudem für eine flächendeckende Ausrollung des Chancen-Index für Schulen sowie für kostenlose Lernangebote aus: „Es braucht mehr Mittel auch für den Ausbau von qualitativ hochwertigen, außerschulischen und kostenlosen Lernbetreuungsangeboten. In den Caritas Lerncafés sehen wir, welche lebensverändernden Chancen kostenlose Nachhilfe und Begleitung darüber hinaus bergen. 96% der Kinder konnten durch die Unterstützung des Lerncafés das Schuljahr positiv abschließen. Jedoch warten rund 1000 Kinder auf einen Platz in einem Lerncafé.“

Zum dritten wäre es notwendig, in die Gesundheit der Kinder zu investieren: „Wir wissen, dass armutsbetroffene Kinder öfter krank sind und sich vergleichsweiße schlechter entwickeln. Das müssen wir mit konkreten Maßnahmen verhindern - angefangen bei gesundem Essen und der Möglichkeit, gratis an Freizeit- und Sportangeboten teilnehmen zu können bis zu einer ausreichenden Anzahl an Psychotherapieplätzen auf Krankenschein.“

Finanzierung ist Voraussetzung für Erfolg der Kindergarantie

Für den Erfolg der Umsetzung der Kindergarantie sei jedenfalls die Finanzierungsfrage und die Einbindung der Stakeholder bei der Erarbeitung des Nationalen Aktionsplanes, der mit März 2022 vorliegen soll, entscheidend, so Parr: „Ernüchternd ist, dass noch kein eigenes Budget für die Umsetzung definiert wurde. Es ist zwar zu begrüßen, dass hier mehrere Ministerien zusammenarbeiten, aber es bedeutet auch, dass jede Maßnahme auch vom jeweiligen Ressort finanziert werden muss. Zu befürchten ist, dass es für weitreichende, flächendeckende Maßnahmen im Kampf gegen Kinderarmut am Ende an den Ressourcen scheitern könnte.“

Abschließend bietet Generalsekretärin Parr die Expertise der Caritas in der Umsetzung der Maßnahmen an: „Als Caritas arbeiten wir seit Jahren mit strukturell benachteiligten Kindern und Jugendlichen u.a. in den Familienberatungsstellen, der mobilen Familienberatung und den Lerncafés. Wir kennen die Herausforderungen der Betroffenen und wissen um die Hürden – auch in der Hilfe. Gerne stellen wir den beteiligten Verantwortlichen unsere Expertise zur Verfügung“.

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