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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 9. September 2021. Von MICHAEL SPRENGER. "Neue Maßnahmen, neue Sprachregelung".

Innsbruck (OTS) - Von einem Ende der Pandemie will keiner mehr reden. Von neuen Wellen schon. Wie erwartet und vorangekündigt kommen neue Maßnahmen. Trotzdem hat die Regierung – zumindest in Ansätzen – gelernt aus der Vergangenheit.

Maßnahmen. Dieses Wort begleitet unseren Alltag seit März 2020. Nach den Lockdowns und den wiederholten Verkündigungen des „Lichts am Ende des Tunnels“ wollten wir so gerne an die rasche Rückkehr unseres früheren Lebens glauben. Doch zurückgekehrt sind wieder bloß Maßnahmen, die, von Kanzler Sebastian Kurz vorab angekündigt, jetzt von der Bundesregierung unter Einbindung der Länder verkündet worden sind. Das Virus bleibt uns erhalten und damit auch die Gefahr neuer Zumutungen – für Schulen, Spitäler, Wirtschaft – also für uns alle. Trotz alledem – wir können zwar das Wort Corona nicht mehr hören, versuchen aber, damit zu leben, und somit mit besagten Maßnahmen. Angesichts der vierten Welle, die uns gerade heimsucht, sind wir nicht nur im Umgang mit der Pandemie in gewisser Weise erprobt, um nicht abgestumpft zu sagen und resigniert zu meinen.
Es ist ja tatsächlich so, dass die am gestrigen Mittwoch angekündigten Schritte der Regierung zur Eindämmung der Pandemie im Verhältnis zur jüngeren Vergangenheit vergleichsweise moderat ausgefallen sind.
Die jetzt gesetzten Schritte zielen vor allem auf die Nichtgeimpften ab. Dies ist zumindest aus der Sicht der Geimpften erklärbar. Denn die Daten sprechen bislang eine klare Sprache. Der Impfstoff wirkt. Und warum soll dann der Alltag der Geimpften weiter eingeschränkt werden?
Die Regierung hat zudem aus ihren Fehlern der Vergangenheit gelernt. Endlich will man sich vom gebannten Starren auf die Neuinfektionen verabschieden. Als neue Maßeinheit gilt die Anzahl an Hospitalisierten, und hier vor allem die Covid-Patienten auf den Intensivstationen. Und anders als bei der Ankündigung früherer Schritte ist es der Regierung dieses Mal gelungen, klar nachvollziehbare Kriterien zu verlautbaren. Vorbei die Zeit der Unklarheiten, Verwirrungen und der Willkür. Jetzt wurden einmal im Vorhinein mit einem „Stufenplan“ klare Vorgaben fixiert. So ist klar, welche Schritte gesetzt werden, wenn eine bestimmte Grenze bei der Auslastung der Intensivstationen erreicht wird. So wollen wir rasch der Bundesregierung unterstellen, dass dieser „Stufenplan“ ein verbindlicher ist und bleibt.
Wovon sich die Regierung, vor allem Kanzler Kurz, noch nicht verabschieden konnte, ist ihr Versuch, sich selbst immerzu ob ihrer Maßnahmen zu loben und den Versuch, die Pandemie zu bekämpfen, immerzu als Wettbewerb im Vergleich mit anderen Ländern darzustellen. Die Bekämpfung der Pandemie ist ein Auftrag, kein Spiel.

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