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EUROPA ETHNISIEREN. Hass und Gewalt in Post-Versailles Europa ETHNICISING EUROPE. Hate and Violence in Post-Versailles Europe

SIMON WIESENTHAL CONFERENCE 6.-8. Juli 2021

Wien (OTS) - Das Ende der mittel-, ost-, und südosteuropäischen Reiche und die dem Ersten Weltkrieg folgenden Friedensverträge führten nicht nur zu neuen Staatsgrenzen und der Formation neuer Nationalstaaten. Sie markierten auch eine neue Weltordnung auf nationaler Grundlage: Die Friedensmacher von Paris fokussierten auf Gebietszugehörigkeit und Staatsbürgerschaft, hielten aber an ihren Überseebesitzungen fest und verwehrten den dortigen Bevölkerungen dieselben Rechte. Die Auswirkungen dieser Verträge von Versailles sind bis heute in der Geschichtswissenschaft umstritten. Einige sehen nur deren Unfähigkeit, einen Versöhnungsakt einzuleiten, oder dass sie mit ihrer Verlagerung von Territorial- zu Bevölkerungspolitik(en) den Weg für erzwungenen Bevölkerungsaustausch, ethnische Säuberungen und Genozide öffneten. Andere wiederum sehen die Möglichkeiten und Chancen, die diese Abkommen eröffneten.

Einige der jüngsten historischen Darstellungen interpretieren den Ersten Weltkrieg als eine Serie von Konflikten, die bis Ende der 1920er-Jahre nicht zur Ruhe kamen. Unumstritten bleibt, dass danach die ‚Nation’ zur dominanten Staatsorganisationsform geriet. Aber dieser Übergang verlief weder reibungslos noch geschmeidig. Tatsächlich war er äußerst konfliktbeladen, und Nationalität als wichtigste Ausdrucksform von Loyalität blieb über Jahrzehnte umkämpft. Die Friedensverträge können als Versuch gewertet werden, eine den neuen national(staatlich)en Realitäten entsprechende neue Ordnung zu schaffen. Die konkrete Erfahrung dieser neuen Realitäten bedeutetet den Zwang, sich entscheiden zu müssen. Ob der Friede zu Konflikten führte oder nicht, der Glaube an die allumfassende Herrschaft von Ethnizität ging Hand in Hand mit der Kodifizierung von Mehrheiten und Minderheiten, Nation und Nationalitäten, letztlich Eingrenzung und Ausgrenzung. Es gab keine Grautöne. Früher diffuse Identitäten und Loyalitäten mussten nun eindeutig werden.

Und selbst noch nachdem die Friedensverträge bereits in Kraft getreten waren, blieben die neugeschaffenen Staaten zerbrechlich, ihre politische Stabilität wurde meist durch interne Kräfte zerstört, und die neuen Grenzen blieben ebenfalls höchst umstritten. Und schließlich reflektierten viele inmitten aller Unsicherheiten über die jüngste Katastrophe, versuchten einen Sinn in der Kriegserfahrung und der Zukunft zu finden.

Simon Wiesenthal Conference 2021 - EUROPA ETHNISIEREN. Hass und Gewalt in Post-Versailles Europa

Das Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI) veranstaltet vom Di., 6. Juli bis Do., 8. Juli 2021 eine Online-Konferenz, zugänglich unter: https://us02web.zoom.us/j/87583229488
Die Tagung wird am 6. Juli 2021 um 14.30 Uhr mit einer Grußbotschaft von Frau Alma Zadić, Bundesministerin für Justiz der Republik Österreich, eröffnet.
Grundsatzreferat: Chutes and Ladders: Racializing Habsburg Central Europe after 1918 von Frau Tara Zahra, Professorin für osteuropäische Geschichte an der University of Chicago.
Das Tagungsprogramm abrufbar unter:
https://vwi.ac.at/index.php/veranstaltungen/icalrepeat.detail/2021/07/06/355/-/swc-2021-europa-ethnisieren-hass-und-gewalt-in-post-versailles-europa-ethnicising-europe-hate-and-violence-in-post-versailles-europe
Die Vorträge werden teils in deutscher, teils in englischer Sprache gehalten.
Auf Anfrage (an: jana.starek@vwi.ac.at) können Abstracts sowie Kurzbiographien der Vortragenden zugesandt werden.

Datum: 06.07.2021, 14:30 - 20:00 Uhr

Ort: Wien, Österreich

Url: http://www.vwi.ac.at

Rückfragen & Kontakt:

Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI)
Dr. Jana Starek
+43-1-890 15 14-150
jana.starek@vwi.ac.at
www.vwi.ac.at

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