BIO AUSTRIA Höfe nehmen besondere Verantwortung für Biodiversität wahr

Biodiversitätsziele in Verbands-Richtlinien aufgenommen – Maßnahmenkatalog mit BirdLife für das „Noch-Mehr“ an Biodiversität erarbeitet

Wien (OTS) - BIO AUSTRIA geht einen wichtigen weiteren Schritt in Bezug auf die Förderung und Erhaltung von Biodiversität: Um die Biodiversität und Artenvielfalt auf den Höfen zusätzlich zu fördern, werden Biodiversitätsziele in die Verbands-Richtlinien aufgenommen. "Biohöfe bringen aufgrund der systemischen Leistungen der biologischen Wirtschaftsmethode nachweislich wesentlichen ökologischen Nutzen in vielfacher Hinsicht, so auch im Bereich der Biodiversität. BIO AUSTRIA Höfe nehmen durch einen zusätzlichen Schritt eine besondere Verantwortung für Biodiversität wahr. Sie nehmen damit auch eine Vorbildfunktion ein und setzen ein Zeichen: die Dringlichkeit der Biodiversitätskrise erfordert das Handeln Aller", betont BIO AUSTRIA Obfrau Gertraud Grabmann.

In den letzten Jahrzehnten ist weltweit ein massiver Rückgang der Biodiversität zu verzeichnen, wie zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen belegen. So ist etwa nach Langzeit-Studien von BirdLife Österreich seit 1998 ein Rückgang von 40 Prozent im Bereich der Feld- und Wiesenvögel zu verzeichnen. Auch bei Insekten ist die Situation Besorgnis erregend: 2017 hat die sogenannte „Krefeld“-Studie einen dramatischen Rückgang von 76 Prozent der Fluginsekten-Biomasse in Deutschland zwischen 1989 und 2016 festgestellt. Laut Global 2000 gelten in Österreich mehr als die Hälfte der Tagfalter als bedroht.

Rückgang hat viele Ursachen, Lösungspotenziale in allen Bereichen heben

Die Konsequenzen, die aus dem zunehmenden Artenschwund und einem dadurch bedingten weiteren Zusammenbruch ganzer Ökosysteme folgen, sind in ihrer Tragweite kaum vorstellbar. Die Gründe für den Rückgang der Biodiversität sind unterschiedlich – von der Verbauung von natürlichen Lebensräumen über Schadstoff-Emissionen, hohem Düngemittel- und Pestizideinsatz bis hin zur Klimaerwärmung. In allen Bereichen, in welchen Gründe für den Rückgang liegen, besteht auch Potenzial, diesem entgegen zu wirken, so auch in der Landwirtschaft.

Studien belegen: Biolandwirtschaft wirkt positiv auf Flora und Fauna

Die Bio-Landwirtschaft bietet durch ihre Wirtschaftsweise systemisch eine sehr gute Grundlage für Biodiversitätsschutz. Zahlreiche Studien belegen, dass die Bio-Landwirtschaft sich positiv auf Flora und Fauna auswirkt. So sind auf biologisch bewirtschafteten Flächen im Durchschnitt etwa 30 Prozent mehr Arten und 50 Prozent mehr Individuen zu finden.* Durch den Wegfall chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel, durch den Einsatz vielfältiger Fruchtfolgen und durch gezielte Humuswirtschaft sorgt die biologische Landwirtschaft dafür, dass merklich mehr biologische Vielfalt und Artenreichtum am Bio-Betrieb beheimatet ist. Das renommierte staatliche deutsche Thünen-Institut etwa belegte den Vorteil von Bio-Landwirtschaft für die Artenvielfalt im Rahmen einer umfassenden Metastudie.** So lagen im Mittel die Artenzahlen der Ackerflora bei Öko-Bewirtschaftung um 95 Prozent, bei den Feldvögeln um 35 Prozent höher.

Doch trotz aller belegter Vorteile steht gleichzeitig außer Frage, dass das Spektrum an Möglichkeiten, dem fortschreitenden Artenverlust entgegen zu wirken, auch in der Bio-Landwirtschaft noch nicht ausgeschöpft ist. Um dieses Potenzial zu heben, haben sich BIO AUSTRIA Betriebe dem „Noch-Mehr“ an Biodiversität verschrieben.

Projekt mit BirdLife für das „Noch-Mehr“ an Biodiversität auf BIO AUSTRIA-Höfen

Mit der jüngst erfolgten Verankerung der Richtlinie „Biodiversität fördern“ in den BIO AUSTRIA Produktionsrichtlinien ist der Startschuss für die Umsetzung eines Projektes gefallen, das von BIO AUSTRIA gemeinsam mit Birdlife Österreich erarbeitet wurde. Im Mittelpunkt des Projekts steht ein Katalog an biodiversitätsfördernden bzw. -erhaltenden Maßnahmen für alle landwirtschaftlichen Nutzungsbereiche, in welchem der konkrete Nutzen und die Wirksamkeit für Vögel, Falter, Amphibien & Co. dargestellt wird. Zu den Maßnahmen zählen beispielsweise der Verzicht auf Mähaufbereiter im Grünland, eine späte Stoppelbearbeitung im Ackerland oder auch die Erhaltung von Trockenmauern und das Aufstellen von Nisthilfen.

Der Fokus des Projekts ist auf jene Arten gerichtet, die ihren Verbreitungsschwerpunkt in landwirtschaftlich genutzten Lebensräumen haben oder diese als Nahrungs- oder Teillebensräume benötigen.

Online-Tool hilft bei Erhebung und Maßnahmen-Auswahl

Gleichzeitig wird mittels eines Online-„Biodiversitätsrechners“ den Mitgliedsbetrieben die Möglichkeit geboten, den Status quo auf ihrem Hof zu erfassen. Dabei werden die grundlegenden systemischen Mehrleistungen der Bio-Landwirtschaft, welche sich auch im Bereich der Bio-Diversität positiv auswirken, auch in der Bewertung berücksichtigt. Die Biobäuerinnen und Biobauern können aus dem entwickelten Katalog aus praxistauglichen Maßnahmen jene herausgreifen, die für ihre individuelle Situation am geeignetsten sind. Die einzelnen Maßnahmen werden in einem Punktesystem separat bewertet.

"Damit werden einerseits die vielfältigen Biodiversitäts-Maßnahmen, die BIO AUSTRIA Betriebe ohnehin schon leisten, erfasst und damit auch sichtbar gemacht – und andererseits Möglichkeiten zur weiteren Verbesserung auf den Betrieben etabliert. Die BIO AUSTRIA Betriebe nehmen damit eine Pionierrolle in Sachen Biodiversitäts-Erhalt und –Förderung ein“, zeigt sich Gertraud Grabmann abschließend stolz.

Über BIO AUSTRIA:
BIO AUSTRIA ist das Netzwerk der österreichischen Biobäuerinnen und Biobauern. Als größter Bio-Verband in Europa repräsentiert BIO AUSTRIA die österreichische Bio-Landwirtschaft und vertritt die Interessen der Biobäuerinnen und Biobauern - mit 13.500 Mitgliedern und mehr als 430 Partnerunternehmen in der Wirtschaft. Nähere Informationen unter www.bio-austria.at

*Bengtsson, J., Ahnström, J., Weibull, A.C., 2005. The effects of organic agriculture on biodiversity and abundance: a meta-analysis. Journal of Applied Ecology 42: 261-269.

** Sanders J, Heß J (Hrsg), 2019. Leistungen des ökologischen Landbaus für Umwelt und Gesellschaft. 2. überarbeitete und ergänzte Auflage. Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 398 p, Thünen Report 65

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