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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Samstag, 26. Juni 2021, von Alois Vahrner: "Wechselhaftes Corona-Zeugnis"

Innsbruck (OTS) - Das dachten die allermeisten wohl auch schon fälschlicherweise vor einem Jahr im Sommer, jetzt könnte die Corona-Krise aber hoffentlich bald tatsächlich überwunden sein. Die Noten für Österreichs Politik sind gemischt.

Rundum warnen Experten bereits wieder vor der deutlich ansteckenderen und offenbar auch gefährlicheren Delta-Virusvariante, trotzdem stehen die Zeichen derzeit tatsächlich auf Entspannung. Oder darauf, was uns die türkis-grüne Regierung während der langen Monate der harten Einschränkungen wiederholt als Karotte vor die Nase gehalten hat: das viel zitierte Licht am Ende des Tunnels bzw. die Rückkehr zur Normalität.
Dank des in den letzten Wochen tatsächlich großen Impf-Fortschritts scheint die Gefahr eines ähnlich massiven Rückfalls wie im letzten Herbst, als sich die zweite Covid-Welle noch deutlich größer aufbaute als die erste im Frühjahr 2020, wesentlich geringer zu sein. Denn laut den Experten wirkt die Impfung auch gut gegen die neu aufgetretenen Mutationen. Trotz der hohen Zahl an Geimpften und Genesenen mit Antikörpern ist es fraglich, ob es in Kürze schon zur erhofften „Herdenimmunität“ der Bevölkerung kommen wird. Laut dem deutschen Star-Virologen Christian Drosten werden sich Ungeschützte bis dahin auch weiterhin infizieren, quasi dann halt als selbst gewähltes Risiko. Neuerliche Lockdowns scheinen aber nirgendwo mehr durchsetzbar, weil die Bevölkerung (auch jene, die bisher vieles mitgetragen haben) da kaum noch mitmachen würde und ein erneutes Niederfahren der Wirtschaft wohl unfinanzierbar wäre.
Nach den durch die gesunkenen Infektionszahlen möglich gewordenen Öffnungen auf breiter Front kehrt tatsächlich überall mehr und mehr das so schmerzlich vermisste Leben zurück. Und auch die Wirtschaft erlebt ein starkes Comeback: Nach dem Einbruch um über sechs Prozent im Vorjahr sagen die Wirtschaftsforscher für heuer und kommendes Jahr ein kräftiges Plus von vier bzw. fünf Prozent voraus – und damit wird sich auch die Zahl der Arbeitslosen und Beschäftgten in Kurzarbeit spürbar verringern.
Österreichs Regierung, allen voran Bundeskanzler Kurz, war bei der Corona-Bekämpfung bei Selbstlob und Superlativen ja kaum verlegen. Tatsächlich hatte die Koalition nach Ausbruch der Pandemie entschlossen gehandelt und schwebte wohl auch deswegen im Umfragehoch. Dann kamen immer mehr inhaltliche Patzer, Widersprüchlichkeiten bei Regelungen und diverse Flops wie die bis heute wirkungslose Corona-Ampel hinzu. Bei der Corona-Bekämpfung waren wir in der besseren Hälfte, es gab aber auch Bessere. Die Corona-Hilfen waren im internationalen Vergleich sehr hoch, was einen Kollaps ganzer Branchen verhinderte und einen guten Wirtschafts-Neustart erleichtert. Die dafür auf Pump aufgewendeten zweistelligen Milliardenbeträge werden wir aber noch sehr lange zurückzahlen müssen.

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