TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Viel Lärm um wenig Handfestes", Ausgabe vom 27. Mai 2021 von Gabriele Starck.

Innsbruck (OTS) - Ein grenzenloses Reisen wie vor der Corona-Pandemie wird es so schnell nicht geben. Auch im Schengen-Raum nicht. Denn der angepriesene Grüne Impfpass wird einen Fleckerlteppich an Bestimmungen in der EU nicht verhindern.

Grün ist die Farbe der Hoffnung. Wohl deshalb wurde dem geplanten Nachweis über den persönlichen Corona-Status von findigen Strategen der Name „Grüner Pass“ verpasst. Grün als Symbol der Erholung, als Startsignal für eine bessere nach der kargen Zeit des Lockdowns, das Zeichen für „Los geht’s!“.
Der Sinn und Zweck des „digitalen EU-Covid-Zertifikats“ – so wird der Nachweis, ob genesen, geimpft oder getestet, tatsächlich heißen – ist es, die Reisefreiheit innerhalb Europas wieder herzustellen. Endlich wieder ein verlängertes Wochenende für einen Städtetrip nach Paris nutzen, einen Badeurlaub in Spanien oder die Kulturreise nach Italien planen – ohne davor stundenlang die Corona-Bestimmungen des jeweiligen Landes recherchieren, lästige Ein- und Ausreise-Formulare ausfüllen oder gar in Quarantäne gehen zu müssen.
Schön wär’s. Doch allzu viel Zuversicht auf ein grenzenloses Reisen wie vor der Pandemie ist nicht angebracht. Das wird es schlicht nicht geben – auch nicht im Schengen-Raum. Zwar mag das Covid-Zertifikat Auskunft darüber geben, welches der drei Gs auf einen zutrifft, eine freie Einreise in ein anderes europäisches Land muss das aber nicht bedeuten. So bleibt es jedem Staat unbenommen, etwa trotz Impfung zusätzliche Restriktionen wie Quarantäne vorzuschreiben. Zwar nur, wenn „es die Infektionslage erfordert“, doch diese Einschränkung ist dehnbar. Auch gilt in Österreich schon als geimpft, wer den ersten Stich seit 22 Tagen hinter sich hat. In Deutschland ist dies erst am 15. Tag nach der Zweitimpfung der Fall – sofern es sich nicht um einen Einmal-Impfstoff handelt. Der Fleckerlteppich bleibt also. Klar ist noch nicht einmal, bis wann das digitale Zertifikat, also ein in der gesamten EU auslesbarer QR-Code, überhaupt in allen Staaten zur Verfügung steht. Geplanter Start ist Ende Juni, doch den EU-27 wird eine sechswöchige Übergangsfrist eingeräumt – der Sommer ist dann fast vorbei.
Das ist auch der Grund, warum gerade Tourismusländer so auf die schnelle Umsetzung des digitalen Corona-Passes drängen und ihn auch schon früher einführen. Das soll Urlaubern eine unkomplizierte Einreise und den Touristikern eine schnelle Überprüfung ermöglichen. ÖsterreicherInnen werden ab 4. Juni damit zumindest im Inland die wiedergewonnenen Freiheiten genießen dürfen.
Und für den Auslandsaufenthalt der Geimpften tut es derweil, und das noch dazu global, das inzwischen begehrteste Dokument der Europäer:
der Internationale Impfpass – ein analoges Büchlein in Gelb.

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