„Wasserdoktor – Kräuterpfarrer – Trendsetter“: Neue „kreuz und quer“-Dokumentation über die Medizin des Sebastian Kneipp

Anlässlich Kneipps 200. Geburtstag am 18. Mai um 22.35 Uhr in ORF 2; danach: „kreuz und quer“-Dokudrama „Schwester Courage“

Wien (OTS) - Ein Pfarrer aus der Provinz wird in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts weltweit berühmt für eine Do-it-yourself-Gesundheitslehre, die sich auf Wasser, Kräuter und einen aktiven Lebensstil stützt. Das ist in aller Kürze die erstaunliche Geschichte von Sebastian Kneipp. Sie umfasst einen verschlungenen Lebensweg, der aus einem Allgäuer Dorf bis zum Papst nach Rom führt. Eine immens erfolgreiche Lehre, die heute noch Tausende in Vereinen organisierte Fans hat. Und Wissenschafter/innen und Mediziner/innen, die den nicht immer leicht zu belegenden Methoden des „Wasserdoktors“ hinterher forschen und die Aufnahme der sanften Heilweisen in den medizinischen Alltag befürworten. Zum 200. Geburtstag von Sebastian Kneipp (17. Mai) beleuchtet die neue „kreuz und quer“-Dokumentation „Wasserdoktor – Kräuterpfarrer – Trendsetter“ von Gunnar Mergner am Dienstag, dem 18. Mai 2021, um 22.35 Uhr in ORF 2 sein Leben, Werk und Vermächtnis mit frischem Blick und den Scheinwerfern der Moderne. Um 23.25 Uhr folgt das „kreuz und quer“-Dokudrama „Schwester Courage“ von Klaus T. Steindl.

„Wasserdoktor – Kräuterpfarrer – Trendsetter: Die Medizin des Sebastian Kneipp“ – ein Film von Gunnar Mergner

Welcher Mensch steckt hinter dem überlebensgroßen Image des Wunderarztes – und was trieb ihn an? Aus Kneipps Bestseller-Ratgebern wendet sich ein unwirscher, mit neuen Zeitströmungen hadernder Mann an seine Leser/innen. Ein Grantler, der auf den ersten Blick im Widerspruch zur Erzählung vom großen Menschenfreund zu stehen scheint. Der Dokumentarfilm – eine ORF/BR-Koproduktion – erklärt Sebastian Kneipps Weltsicht aus seinem persönlichen Werdegang und den Umwälzungen der Industrialisierung, die zu dieser Zeit auch seine Heimat Bayern erfassen. Einen besonderen Zugang ermöglichen dabei die historischen Foto-Schätze, die das Kneipp-Archiv in Bad Wörishofen für diesen Film zur Verfügung gestellt hat, und Motion-Design-Zeichnungen von Schlüsselmomenten in Kneipps Leben.

Im Winter 1849/50 ist der Traum Kneipps, Priester zu werden, in höchster Gefahr. Mit Mitte 20 ist er an Tuberkulose erkrankt. Wo Ärzte scheitern, heilen ihn die Wasser der Donau. Was ihn von der Schwelle des Todes zurückholte, will er später an andere Hilfsbedürftige weitergeben. Als Seelsorger des Dominikanerinnen-Klosters in Wörishofen übt Kneipp einen folgenreichen Nebenjob als Laien-Arzt aus. Gemeinsam mit dem Arzt und Kneipp-Experten Professor Bernhard Uehleke und Petra Nocker, der Kurdirektorin von Bad Wörishofen, beleuchtet die Dokumentation mit Fotos und historischem Footage den Aufstieg des Kneippschen Kurwesens. Und sie zeigt auf, in welchem Maße Kneipps Do-it-yourself-Gesundheitslehre auch Wurzeln in seinem starken Glauben hatte – und wie er in Person des jungen Fraters Jakobus vom Orden der Barmherzigen Brüder auch heute noch junge Menschen inspiriert.

Dem Jubilar Kneipp steht kein sonderlich feierliches Ehrenjahr bevor. Die Kurhäuser in Österreich, im Allgäu und anderswo sind wegen der Corona-Pandemie seit Monaten geschlossen. Trotzdem waren Kneippianer/innen sowie Kurpatientinnen und -patienten bereit, vor der Kamera zu erzählen, wie ihnen eine über ein Jahrhundert alte Lehre eines medizinischen Laien geholfen hat. Alle eint der Wille, dem inzwischen eingerissenen Image entgegenzutreten, Kneipp sei „kalt und alt“, eine etwas aus der Zeit gefallene Volksquälerei. Engagierte Offizielle wie der Georg Jillich, Präsident des Österreichischen Kneippbundes, versuchen auch über das Internet eine neue Generation für Kneipps Anleitungen zum gesunden Leben zu begeistern.

Aber: Wie genau wirkt eigentlich Kneipp? Der dritte Erzählfaden des Dokumentarfilms ist die Suche nach wissenschaftlichen Belegen für die so breit angelegten Ratschläge Kneipps. Denn der Nachweis der Kneippschen Lehre ist immer noch ein Fleckerlteppich vereinzelter Kleinstudien. Zur Boomphase des Kneipp-Kurwesens wurde eine wissenschaftliche Begleitung nur bedingt durchgeführt. In der Versuchsküche des Zentrums für Ernährungsmedizin und Prävention in München kocht Leiterin Monika Bischoff fürs Fernsehen ein Menü à la Kneipp. Es ist kein Augenschmaus, entspricht aber den modernen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Auch Kneipps Einsatz von Pflanzen entspricht organspezifisch in seinen Wirkungen den Anwendungssammlungen, die Professor Uehleke in den 1990er Jahren für das deutsche Bundesgesundheitsministerium zusammentrug.

Bei Professor Jost Langhorst in der Klinik für integrative Medizin in Bamberg schließlich laufen die versprengten Forschungsbemühungen zusammen. Hier werden im Herzen einer Maximalversorger-Klinik Therapiekonzepte basierend auf Kneipp nach modernen Standards untersucht. Kneippsche Verfahren könnten die Schlüsselzutat sein, um gerade Patientinnen und Patienten mit chronischen Erkrankungen wie Rheuma oder Reizdarmsyndrom zu helfen. Denn 70 Prozent aller chronischen Erkrankungen sind lebensstilbasiert. Seinen Mitmenschen genau in dieser Hinsicht mehr Gesundheitsbewusstsein beizubringen, das war das große Anliegen von Sebastian Kneipp. Ein Anliegen, das seine Aktualität auch heute, im Jubiläumsjahr, noch lange nicht verloren hat.

„Schwester Courage“ – ein Film von Klaus T. Steindl

„Schwester Courage“ – eine Koproduktion von ORF, Metafilm und BMBWF, gefördert von Fernsehfonds Austria und CINE ART – beleuchtet das Schicksal einer „tragischen Heldin“: Anna Bertha Königsegg, Visitatorin der Barmherzigen Schwestern in Salzburg, kämpfte gegen die systematische Tötung von Menschen mit Behinderungen in der sogenannten „Aktion T4“ der Nationalsozialisten – „T4“ stand für die Organisationszentrale mit der Berliner Adresse Tiergartenstraße 4. Ihr Gewissen ließ Anna Bertha Königsegg handeln, als andere wegschauten: Trotz der Gefahr, verhaftet und in ein Konzentrationslager überstellt zu werden, setzte sich die Ordensfrau für Menschen ein, die im „Dritten Reich“ vernichtet werden sollten. In der „Aktion T4“ ermordeten die Nationalsozialisten ab 1940 systematisch Menschen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen. Als die Schergen der Salzburger Gauleitung die Heime ihres Ordens räumen und die Schützlinge ermorden wollten, stellte sich Königsegg entschlossen dagegen – dennoch konnten nur wenige gerettet werden.

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