SOS-Kinderdorf: Familien sind an ihren Grenzen

Zum Tag der Familie (15.5.) fordert SOS-Kinderdorf eine Betreuungskarenz zur Ferienbetreuung

  • Corona hat Instabilität, Unberechenbarkeit und Unsicherheit in das Leben von Kindern gebracht. Gemeinsame Zeit mit den Eltern ist deshalb extrem wichtig. Wir wünschen uns dazu ein deutliches Zeichen der Politik
    Christian Moser, Geschäftsführer SOS-Kinderdorf
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  • Das System Familie ist erschöpft. Kinder und ihre Eltern brauchen dringend Unterstützung.
    Christian Moser, Geschäftsführer SOS-Kinderdorf
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Wien (OTS) - „Für berufstätige Eltern schulpflichtiger Kinder ist es jedes Jahr aufs Neue ein Kraftakt, die Betreuung ihrer Kinder für die 14 Wochen Schulferien zu organisieren. Corona hat diese Herausforderung nochmal verschärft. Häufig musste der Jahresurlaub für das Homeschooling schon deutlich angeknabbert werden. Nun stehen die Sommerferien vor der Tür und die Frage einer guten Betreuung drängt. Denn wir sind in Österreich meilenweit davon entfernt, flächendeckend erschwingliche Betreuung zu ermöglichen. Die Eltern werden mit dem Ferien-Dilemma völlig alleine gelassen. Das ist nicht in Ordnung und gehört dringend bearbeitet“, so Christian Moser, Geschäftsführer von SOS-Kinderdorf.

Mit Betreuungskarenz gut durch die Ferien


SOS-Kinderdorf schlägt deshalb die Einführung einer Betreuungskarenz für Eltern schulpflichtiger Kinder vor. Diese soll mit Zustimmung des Arbeitgebers bis zu vier Wochen im Jahr beansprucht werden können. „Viele Arbeitgeber*innen bemühen sich um passende Arbeitszeitmodelle, mit denen sich Beruf und Familie gut vereinbaren lassen. Doch vierwöchige bezahlte Sonderurlaube gehen sich in der Regel bei allem guten Willen betriebswirtschaftlich nicht aus. Unbezahlte Urlaube können sich wiederum die Familien nicht leisten“, erklärt Moser.

Er möchte, dass diese Lücke von der öffentlichen Hand abgefedert wird. „Eltern sollen bis zu vier Wochen jährlich Karenzgeld analog dem Pflegekarenzgeld beziehen können, wenn sie sich der Betreuung ihrer schulpflichtigen Kinder widmen müssen. Dem Arbeitgeber entstehen also keine unmittelbaren Lohnkosten. Er soll aber ein Zustimmungsrecht haben, damit das Modell in der Praxis funktioniert“, so Moser.

„Die Sonderbetreuungszeit für Phasen der Schulschließungen war ein guter erster Schritt in dieser Logik. Doch das Thema ist damit nicht erledigt. Auch unabhängig von Corona fehlt es in den Schulferien an Betreuungsmöglichkeiten. Es ist ein langjähriges Ziel der österreichischen Politik, die Frauenerwerbstätigkeit zu steigern. Alle Expert*innen sind sich einig, dass das mit dem Angebot an Kinderbetreuung unmittelbar zusammenhängt. Doch Kinderbetreuung findet nicht nur am Nachmittag nach der Schule statt, sondern muss eben auch in den Ferien angeboten werden“, erläutert Moser.

Familienzeit gibt Stabilität

Eine durchgehende externe Ferienbetreuung ist für ihn kein erstrebenswertes Ziel. „Kinder wünschen sich Zeit mit den Eltern, Zeit mit der Familie. Das gibt ihnen Sicherheit und Halt. Corona hat Instabilität, Unberechenbarkeit und Unsicherheit in das Leben von Kindern gebracht. Gemeinsame Zeit mit den Eltern ist deshalb extrem wichtig. Wir wünschen uns dazu ein deutliches Zeichen der Politik“, so Moser.

Familien sind und waren durch Corona enorm belastet. Ohne den überwältigenden Einsatz hunderttausender Eltern wäre das Distance-Learning nicht umzusetzen gewesen. Kinder haben in den letzten Monaten massiv unter Einsamkeit und dem fehlenden professionellen Unterricht in der Schule gelitten. Alle aktuellen Studien zum Thema belegen, wie enorm diese Belastungen für Kinder und ihre Eltern waren. „Das System Familie ist erschöpft. Kinder und ihre Eltern brauchen dringend Unterstützung. Die Möglichkeit zu vier mehr Wochen gemeinsamer Zeit wäre das Mindeste, das Familien jetzt zur Verfügung gestellt werden sollte“, so Moser abschließend.

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SOS-Kinderdorf
Christine Weilhartner
+43 676 88144 123
christine.weilhartner@sos-kinderdorf.at

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