Spitalsärzte 2: Umfrage zeigt „klare Problemstellen“ auf

Psychische Belastung verstärkt durch Personalmangel, Ressourcenknappheit und Bürokratieaufwand – Gingold: „Wir brauchen einen Neustart“

Wien (OTS) - In der Umfrage ist ganz klar ersichtlich, welche Aspekte die meiste Überlastung herbeiführen würden, denn 82 Prozent nannten den hohen bürokratischen Aufwand, 78 Prozent den Personalmangel, 77 Prozent die psychische Belastung und 53 Prozent die Ressourcenknappheit als sehr oder eher belastend. „Es ist eindeutig, dass zusätzlich zu den Themen, die schon vor der Pandemie schuld an der Arbeitsmisere vieler Kolleginnen und Kolle-gen waren, jetzt auch noch mit enormer Wucht die psychische Belastung durch die Pandemie dazugekommen ist“, erklärt Gingold. ****

„Seit Jahren fordern wir seitens der Ärztekammer eine bürokratische Entlastung sowie eine verbesserte Infrastruktur in den Spitälern – wie lange wollen hier die Verantwortlichen noch tatenlos zusehen?“, fragt Gingold.

92 Prozent der Befragten stimmten zu, dass Patientinnen und Patienten ebenfalls unter überlasteten Ärztinnen und Ärzte leiden würden. Für 98 Prozent sei daher evident, dass man im Corona-Krisenmanagement die Ärzteschaft endlich stärker einbeziehen müsse. 89 Prozent sagten auch eindeutig, dass Ärztinnen und Ärzte für ihre Leistungen derzeit unterbezahlt seien.

„Wir haben eines der besten medizinischen Gesundheitssysteme der Welt. Aber alles hat seine Grenzen. Die weltweite Pandemie hat auch hier Spuren hinterlassen und das Gesundheitspersonal, das davor schon am Limit war, ist jetzt längst jenseits dieses Limits angelangt. Der Knopf für einen Neustart muss jetzt gedrückt werden“, fordert Gingold.

„Wichtige Erkenntnisse“ aus Pandemie

Die Ärzteschaft hat in der Umfrage auch „wichtige Erkenntnisse“ für dringende Maßnahmen geliefert, die nach Ansicht von Gingold raschest umgesetzt werden sollten: 98 Prozent gaben an, dass eine voraussehende Personalplanung hinsichtlich der Arbeitszeiten notwendig wäre, 97 Prozent fordern mehr geschultes Fachpersonal für die Intensivstationen und 80 Prozent wünschen sich mehr psychologische Betreuung, sowohl für die Ärzteschaft als auch für die anderen Berufsgruppen.

95 Prozent fordern grundsätzlich mehr Personal in allen Bereichen, 85 Prozent eine bessere IT-Infrastruktur. In Bezug auf die Pandemie benötigen die Spitäler aus Sicht von 80 Prozent der Befragten mehr Intensivbetten, für nicht-pandemische Zeiten sehen immer noch 72 Prozent den Bedarf an zusätzlichen Betten. Für 81 Prozent benötigt es zudem bessere Hygienemaßnahmen.

„Diese Umfrage sollte den Verantwortlichen endlich die Augen öffnen“, resümiert Gingold die Antworten seiner Kolleginnen und Kollegen. „Es ist ein Armutszeugnis für unser Gesundheitssystem, dass man es soweit überhaupt hat kommen lassen. Viele Probleme sind altbekannt, jetzt kassieren wir in Krisenzeiten die Rechnung dafür.“

Neustart und Investitionsoffensive gefordert

„Es braucht jetzt einen Neustart und eine Investitionsoffensive, um die Probleme in den Spitälern ein für alle Mal zu lösen“, fordert Gingold von den Arbeitgebern und politisch Verantwortlichen. Die Ärzteschaft habe die Probleme benannt, nun müsse umgehend Geld für das öffentliche Gesundheitswesen in die Hand genommen werden.

„Die Ärztekammer nimmt jedenfalls dieses Ergebnis sehr ernst und fordert Politik und Spitalsträger auf, die Ergebnisse dieser Studie zu nutzen und entsprechend gegenzusteuern“, meint Gingold und bietet die Expertise der Ärztekammer an, um gemeinsam diese Herausforderung zu meistern.

„Wenn wir nicht jetzt reagieren, werden wir im Herbst bei einer etwaigen weiteren großen Pandemie-Welle wieder massive Probleme in unseren Spitälern haben“, so Gingold abschließend. Das müsse um jeden Preis – „koste was es wolle“ – verhindert werden. (ast)

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