• 30.04.2021, 13:41:30
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  • OTS0154

„kulturMontag“ am 3. Mai über Chor in Corona-Zeiten, Zukunft des Schauspielnachwuchses und Autorin Renate Welsh im Porträt

Maria Happel live im Studio – danach: Doku „Erich Fried – Dichter im Porzellanladen“ zum 100. Geburtstag des Lyrikers

Utl.: Maria Happel live im Studio – danach: Doku „Erich Fried –
Dichter im Porzellanladen“ zum 100. Geburtstag des Lyrikers =

Wien (OTS) - Der von Clarissa Stadler präsentierte „kulturMontag“ am
3. Mai 2021 um 22.30 Uhr in ORF 2 befasst sich mit dem Chorwesen in
Corona-Zeiten und seiner gesellschaftlichen wie politischen
Bedeutung. Weiters thematisiert die Sendung die Zukunft des vom
pandemiebedingten Kulturstillstand massiv betroffenen
Schauspielnachwuchses – dazu ist die Leiterin des renommierten
Max-Reinhardt-Seminars, Schauspielerin und Regisseurin Maria Happel,
live zu Gast im Studio. Außerdem steht ein Porträt der
Schriftstellerin und Präsidentin der IG Autorinnen Autoren, Renate
Welsh, auf dem Programm. Anschließend an das Kulturmagazin zeigt ORF
2 die Premiere des TV-Porträts „Erich Fried – Dichter im
Porzellanladen“ (23.15 Uhr) zum 100. Geburtstag des österreichischen
Lyrikers (6. Mai).

Sing a Song – Chor und Corona

Die Chorlandschaft in Österreich ist geprägt von Vielfalt, Tradition
und Innovation. Seit Beginn der Corona-Pandemie sind jedoch rund
3.500 Chöre mit mehr als 100.000 Sängerinnen und Sängern mehr oder
weniger auf stumm geschaltet. Wie wichtig das gemeinsame Singen für
den Menschen jedoch ist, wurde spätestens seit Beginn der Krise klar.
Ob aus Fenstern oder Balkonen, „in echt“ oder virtuell, im Musizieren
haben sich unterschiedlichste Menschen verbunden und der Pandemie ein
musikalisches Gesicht gegeben. Das Verhältnis von Individuum und
Kollektiv manifestiert sich im Chor, sind sich Fachleute einig. Musik
vereint, gemeinsames Singen macht Freude, aber auch Mut. Gerade in
schwierigen Zeiten ist und bleibt Musik ein Seelentröster. „Im Chor
zeigt sich das Politische – auf der Bühne ebenso wie in unserem
täglichen Leben“, ist Literaturwissenschafterin Antonia Egel, selbst
Choristin, überzeugt. Wie viel Wir können wir sein, ohne uns selbst
komplett zu verlieren, und wie viel Ich muss ich bleiben, um mich in
das Wir einfügen zu können und handlungsfähig zu bleiben? Diese
Fragen werden im Chor schon seit der Antike verhandelt. Für
Aristoteles war er ein Modell für den Staat. Kann der Chor, auf
heutige Demokratien umgelegt, auch als Modell für eine offene und
pluralistische Gesellschaft gesehen werden? Ein
„kulturMontag“-Streifzug durch Österreichs Chorlandschaft.

Sein oder nicht sein – Die Zukunft der Next-Theater-Generation

Von der schon mehr als ein Jahr andauernden Corona-Krise ist auch der
hiesige Theaternachwuchs massiv betroffen. Denn
Schauspielabsolventinnen und -absolventen können im
Pandemie-Stillstand schwer Fuß fassen. An den Theatern herrscht noch
Sendepause, wann es richtig weitergehen kann, ist ungewiss. Die
Zukunft scheint düster: Das Theaterpersonal werde ausdünnen,
prophezeit wird, dass bis zu einem Fünftel aller Theaterschaffenden
sich künftig andere Jobs suchen werden müssen. Und selbst die größten
Idealistinnen und Idealisten bekennen, dass der Theaterbetrieb die
gewohnte Produktivität nicht halten wird können. Was bedeutet das
alles für den Nachwuchs, wenn Perspektiven einfach im Corona-Nebel
verschwinden? Werden die Absolventinnen und Absolventen in den
Pandemie-Jahren also untergehen? Schließlich gab es kein
Intendantenvorspiel, das bedeutet keine Engagements in naher Zukunft.
Und wie soll eine Schauspielausbildung in Zeiten, da Liebesszenen mit
zusammengesteckten Köpfen und schweißtreibende Faustkämpfe auf den
Theaterbühnen des Landes als Virenschleudern in Verruf geraten sind,
funktionieren? „Die Prognose ist deprimierend, wenn sich nicht
schlagartig etwas ändert“, sagt Maria Happel, Burgschauspielerin und
Leiterin des renommierten Max-Reinhardt-Seminars in Wien. Der
„kulturMontag“ begibt sich auf Lokalaugenschein, Maria Happel ist
live zu Gast im Studio.

Vamperl, Johanna und andere Geschichten – Die Fabulierkunst der
Renate Welsh

Sie hat schon als Kind zu schreiben begonnen, um sich durchzusetzen,
wie sie sagt. Dennoch ist Kinderbuchautorin Renate Welsh
jahrzehntelang im Schatten von Christine Nöstlinger gestanden. Zu
Unrecht, sind sich Fans und Kritiker/innen einig. Seit 1969 versorgt
die heute 83-jährige Autorin junge Leser/innen mit Büchern, die sie
auf Toleranz einschwören und ihnen zeigen, dass es eine Welt
außerhalb des Horizonts gibt, den wir gerade überblicken. Mit der
Figur des Vamperl hat sie einen bei Kindern überaus beliebten
Protagonisten erfunden, der erwachsenen Grantlern das Gift aus der
Galle saugt. Ihre Kindheit hat Welsh als unglücklich bezeichnet:
Durch den frühen Tod der geliebten Mutter und des Großvaters hatte
sie an diffusen Schuldgefühlen gelitten; die Schrecken des Zweiten
Weltkriegs, der endete, als sie acht Jahre alt war, sitzen ebenfalls
tief. Diese Erlebnisse treiben sie zum Schreiben an, das sie
immunisiert. Mehr als 70 Bücher hat Welsh publiziert, nicht nur
Kinder- und Jugendbücher, sondern auch Literatur für Erwachsene.
Jetzt ist der Präsidentin der IG Autorinnen Autoren mit „Die alte
Johanna“ eine grandiose Fortsetzung ihres Jugendbuchklassikers
„Johanna“ gelungen, in der sie das Leben einer bemerkenswert starken
und mutigen Frau resümiert. Der „kulturMontag“ bringt ein Porträt.

Dokumentation „Erich Fried – Dichter im Porzellanladen“

Er galt als Störenfried und Frauenheld, Liebeslyriker und politischer
Aktivist: Der engagierte Humanist und humorvolle Sprachkünstler Erich
Fried wurde am 6. Mai 1921 in Wien geboren und war mit 17 Jahren im
Jahr 1938 zur Flucht vor den Nationalsozialisten gezwungen. Er
emigrierte nach London, wo er nie heimisch werden sollte, bis zuletzt
aber im „Dauerexil“ lebte. Seine Karriere als Dichter machte er in
Deutschland. Eines seiner bekanntesten Werke ist das Gedicht „Was es
ist“, das als exemplarisches Modell moderner Liebeslyrik gilt. Aber
Fried steht noch für viel mehr – in der Nachkriegszeit war er ein
Hauptvertreter der politischen Lyrik im deutschen Sprachraum und
musste seine Äußerungen sogar vor Gericht verteidigen. Zum 100.
Geburtstag gestaltete Regisseurin Danielle Proskar einen Film über
den streitbaren Dichter, der in seiner ganzen Ambivalenz
unvergesslich bleiben wird.

„Nach dem deutschen Einmarsch in Wien 1938, der mich aus einem
österreichischen Oberschüler in einen verfolgten Juden verwandelte,
und nach der Ermordung meines unpolitischen Vaters durch
Gestapo-Beamte, nahm ich mir vor, wenn ich lebend entkäme, zu tun,
was mein Vater in den letzten Jahren seines Lebens vergeblich tun
wollte: Schriftsteller zu werden. Ich wollte gegen Faschismus,
Rassismus und die Austreibung unschuldiger Menschen schreiben.“ (Aus
Erich Frieds Exiltagebuch). Dieses Versprechen hat Erich Fried voll
erfüllt. Trotz oder gerade wegen seines Schicksals. Fried sorgte für
brechend volle Auditorien und bescherte seinem kongenialen Verleger
Klaus Wagenbach Auflagen, von denen andere Dichter nur träumen
können.
Ob Vietnam, Nicaragua oder Südafrika, ob es um die inhumanen Folgen
eines human gemeinten Sozialismus geht, Stalinismus, militanten
Zionismus oder Massenvernichtungswaffen: Fried war kein Eisen zu
heiß, um es nicht lyrisch aufzugreifen. Er verurteilte den
Terrorismus scharf, wandte sich aber zugleich gegen die Methoden der
Terrorismusbekämpfung, forderte für die Gefangenen der
Baader-Meinhof-Gruppe humane Haftbedingungen und einen fairen
Prozess. Er wurde bezichtigt, RAF-Sympathisant zu sein. Seine
tabulose Kritik trug ihm Empörung ein, Prozesse und eine wachsende
Anhängerschaft. 1987, ein Jahr vor seinem Tod, als ihm der
Büchner-Preis verliehen wurde, provozierte er mit der Bemerkung, dass
Büchner heute Mitglied der RAF geworden wäre. Zum Schluss irritierte
er noch Freund und Feind, als er Verständnis für den verurteilten
Neonazi Michael Kühnen zeigte und ihn im Gefängnis besuchte. Erich
Frieds Verhältnis zu Österreich blieb bis zu seinem Tod ambivalent.
Anhand von etwa 20 Gedichten erzählt Regisseurin Danielle Proskar vom
Schicksal des engagierten Humanisten und humorvollen Sprachkünstlers
Erich Fried sowie von der – teilweise aus den Fugen geratenen – Zeit,
die er beschreibt. Menschen, die mit Fried eng verbunden waren, geben
Einblick in kleine private und berufliche Episoden und damit in das
facettenreiche Wesen ihres Freundes.

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