Arbeiterkammer fordert besseren Zugang zur OÖ Wohnbeihilfe Studie: Rund ein Drittel stellt trotz Anspruch keinen Antrag

  • Rund ein Drittel der anspruchsberechtigten oberösterreichischen Haushalte beantragt die Wohnbeihilfe nicht
    Studienautor Mag. Michael Fuchs, Europäisches Zentrum für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung
    1/3
  • Die Wohnbeihilfe ist ein gutes Mittel, um das Wohnen für Menschen mit wenig Einkommen leistbarer zu machen. Das Land OÖ sollte diese wichtige Sozialleistung modernisieren und Zugangshürden beseitigen
    AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer
    2/3
  • Bei der Wohnbeihilfe spart das Land Oberösterreich trotz der steigenden Wohnkosten zu Lasten der Betroffenen. Während im Jahr 2010 noch rund 85 Millionen Euro dafür verwendet wurden, sank die Auszahlungssumme auf nur mehr 52 Millionen Euro im Jahr 2020
    AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer
    3/3

Linz (OTS) - Aufgrund steigender Wohnkosten hat die Arbeiterkammer OÖ beim Europäischen Zentrum für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung eine Studie zur oberösterreichischen Wohnbeihilfe in Auftrag gegeben. „Rund ein Drittel der anspruchsberechtigten oberösterreichischen Haushalte beantragt die Wohnbeihilfe nicht“, sagt Studienautor Mag. Michael Fuchs. „Die Wohnbeihilfe ist ein gutes Mittel, um das Wohnen für Menschen mit wenig Einkommen leistbarer zu machen. Das Land OÖ sollte diese wichtige Sozialleistung modernisieren und Zugangshürden beseitigen“, fordert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Ein Blick auf Oberösterreichs Nettomieten (Bruttomieten abzüglich der Betriebskosten) zeigt, dass diese seit 2010 durchschnittlich um fast 30 Prozent angestiegen sind. „Bei der Wohnbeihilfe spart das Land Oberösterreich trotz der steigenden Wohnkosten zu Lasten der Betroffenen. Während im Jahr 2010 noch rund 85 Millionen Euro dafür verwendet wurden, sank die Auszahlungssumme auf nur mehr 52 Millionen Euro im Jahr 2020“, kritisiert der AK-Präsident. Auch sank die Zahl der Wohnbeihilfe-Beziehenden von rund 37.000 auf nur mehr rund 24.600. Das ist ein Rückgang um mehr als ein Drittel.

Laut Studie hätten im Jahr 2018 rund 40.000 Haushalte in Oberösterreich Anspruch auf Wohnbeihilfe gehabt. Tatsächlich beanspruchten sie jedoch nur 28.000 Haushalte, 30 Prozent bzw. 12.000 potentielle Bezieher/-innen jedoch nicht. Die rechtlichen Neuerungen bis 2021 haben im Zusammenspiel mit gestiegenen Einkommen und Mieten zur Folge, dass der Kreis der möglichen anspruchsberechtigten Haushalte um rund 5.000 auf 35.000 Haushalte gesunken ist. Mit Stand 2020 beziehen lediglich rund 25.000 Haushalte Wohnbeihilfe. Die für 2020/2021 geschätzte „Nicht-Inanspruchnahme“ ist mit 29 Prozent ähnlich hoch.

Häufigste Hürden für den Bezug der Wohnbeihilfe

Die häufigsten Hürden sind Informationsdefizite, der Antragsprozess, administrative Kosten (Bereitstellen von Dokumenten, Wartezeiten etc.), Sprachbarrieren sowie soziale und psychologische Kosten inklusive etwaiger Stigmatisierungseffekte. Auch eine Gegenüberstellung der mit der Antragstellung verbundenen finanziellen, sozialen oder psychischen Kosten mit dem in Aussicht stehenden Nutzen kann Betroffene von einer Antragstellung abhalten. Hinzu kommen rechtliche Hürden, die den Kreis der Anspruchsberechtigten von vornherein begrenzen, z.B. wird der Zugang für Nicht-EWR-Bürger/-innen auch durch den verlangten Nachweis von Deutschkenntnissen erschwert.

Die AK OÖ fordert:

Verbesserung des Zugangs zur Wohnbeihilfe durch mehr und leicht verständliche Information auch auf regionaler Ebene, z.B. durch mehrsprachige Broschüren.

  • Einen Rechtsanspruch auf eine bedarfsgerechte Unterstützung für Haushalte mit einem Einkommen unter der Armutsgefährdungsschwelle (1.286 Euro bei Einpersonenhaushalt, netto, 12 x /Jahr).

  • Eine zeitgemäße Modernisierung der Wohnbeihilfen-Berechnung durch Anhebung des maximal anrechenbaren Wohnaufwands von 3,7 auf 5 Euro pro m2, Entfall oder Anhebung des mit 300 Euro pro Monat begrenzten Wohnbeihilfen-Deckels; Mieter/-innen mit Kosten über 7 Euro pro m2 dürfen nicht mehr ausgeschlossen werden.

  • Die Vereinfachung der komplizierten Systematik zur Berechnung der Wohnbeihilfe.

  • Eine sozialere Handhabung beim Zugang für bestimmte Gruppen: Unterhaltsleistungen und Waisenrenten sollen nicht mehr als anrechenbares Einkommen gewertet werden, um den Zugang für Alleinerziehende zu verbessern. Schikanöse Zugangshürden für Menschen aus Nicht-EWR-Ländern sollen beseitigt werden.

  • Keine Anrechnung der Wohnbeihilfe im Bereich der Sozialhilfe in Oberösterreich.

Die Presseunterlage sowie die Studie finden Sie hier.



Rückfragen & Kontakt:

Arbeiterkammer Oberösterreich, Kommunikation
Mag. Rainer Brunhofer
+43 (0)50/6906-2185
rainer.brunhofer@akooe.at
ooe.arbeiterkammer.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AKO0001