TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Freitag, 2. April 2021, von Alex Gruber: "Vor der EURO drängt die Zeit"

Innsbruck (OTS) - Nach dem 0:4 gegen Dänemark und nur vier Punkten aus den ersten drei WM-Qualifikationsspielen steht Österreichs Fußball-Nationalteam zu Recht am Prüfstand. Drei Monate vor der EURO gilt es einige „Baustellen“ zu beseitigen.

Warum ist das ÖFB-Team gegen Dänemark nach einer in der ersten Halbzeit zumindest taktisch disziplinierten Leistung nach der Pause beim 0:4 so auseinandergebrochen? Warum hat sich der Dreifach-Start in die WM-Qualifikation – zuvor 2:2 in Schottland und 3:1-Pflichtsieg gegen die Färöer – derart holprig gestaltet, dass Platz eins in Gruppe F und der direkte Weg zur umstrittenen Winter-WM in Katar 2022 fast schon unmöglich ist?
Gut zwei Monate vor dem Start der EM-Endrunde im Juni 2021 steht im ÖFB-Lager in jedem Fall viel Kopfzerbrechen an, das sich Teamchef Franco Foda mit seinem Stab gerne erspart hätte. Die taktische Ausrichtung mit vielen Spielern, die aus Pressing-Systemen der Red-Bull-Schiene kommen und im teils zögerlichen ÖFB-Team oft auf verlorenem Posten stehen, muss ebenso einer Prüfung unterzogen werden wie die nach wie vor latente Torhüterfrage (Wackelkandidat Alexander Schlager) und richtige Positionierung von David Alaba, der in der rot-weiß-roten Auswahl oft sein möchte (Spielmacher), was er eben nicht ist. Vielleicht wäre hier endlich ein Machtwort des Teamchefs gefordert, um auch den kollektiven Geist in der Kabine zu stärken. Denn neben der sportlichen Klasse haben die Dänen der ÖFB-Truppe auch mit ihrem Teamspirit systematisch den Stecker gezogen.
Die Ära von Franco Foda – letztlich souveräne EM-Qualifikation, Aufstieg in den A-Pool der Nations League sowie Testspiel­erfolge über Deutschland oder Uruguay – ist in Summe über die letzten drei Jahre zu erfolgreich, um jetzt eine Teamchef-Diskussion zu entfachen. Die Frage, warum er aus einer vermutlich in dieser Form noch nicht da gewesenen breiten Auswahl an Legionären am Beginn der WM-Quali kein starkes Kollektiv formen konnte, ist dennoch zu stellen. Die Ausfälle tragender, erfahrener Säulen (Hinteregger, Baumgartlinger, Arnautovic) spielten speziell gegen die cleveren Dänen zwar eine Rolle, sind aber nur ein Teil jener Wahrheit, die sich zwischen Spielanlage und kollektivem Zusammenhalt bewegt.
Es gilt bis zum nächsten Teamcamp Ende Mai keine Zeit zu verlieren, bedarf einer schonungslosen Aufarbeitung mit fachlichen Analysen wie kritischem Dialog mit den Protagonisten, die Österreich bei der EM-Endrunde vertreten werden. In der Mittelklasse der europäischen Fußballgemeinschaft und ohne Superstars kann sich das ÖFB-Team keine Halbherzigkeiten leisten.

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