Energiewende: Bundesländer müssen noch auf Klimaneutralitätskurs einschwenken

Effizienzvorhaben, Emissionsreduktion und Ausbau der erneuerbaren Energien müssen von den Bundesländern aktiv vorangetrieben werden

Wien (OTS) - Der Dachverband Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ) und die Österreichische Energieagentur präsentieren den ersten Teil der Studie „Klima- und Energiestrategien der Bundesländer“. Auf Ebene der Bundesländer zeichnet sich bei Betrachtung der historischen Entwicklungen der untersuchten Faktoren Stromaufbringung, Energieeffizienz und Treibhausgasemissionen ein sehr deutlicher Aufholbedarf ab.

„Bis 2030 sollen durch das EAG zusätzlich 27 TWh erneuerbarer Strom in Österreich produziert werden. Bis 2040 will Österreich klimaneutral sein. Zur Erreichung der Klimaschutz-Ziele des Bundes sind auch die Bundesländer in der Pflicht, dringend Maßnahmen zu setzen, um die Energiewende zu schaffen!“, betont Christoph Wagner, Präsident des EEÖ den unaufschiebbaren Handlungsbedarf und setzt fort: „Bisher ist zu wenig passiert und es geht deutlich zu langsam voran! Nachdem mit dem Erneuerbaren Ausbaugesetz die bundesweite Grundlage für 100 Prozent Strom aus Erneuerbaren gerade in die Zielgerade einbiegt, müssen nun auch die Bundesländer rasch in die Gänge kommen. Die Detailanalyse zeigt ganz klar: an den Potenzialen scheitert es nicht!“

„Die Österreichische Energieagentur hat in der Studie die Bereiche Stromaufbringung, Energieeffizienz und Treibhausgasemissionen untersucht. Aus den Ergebnissen ergibt sich ein eindeutiges Bild: Die Potenziale für den Ausbau erneuerbarer Energie sind vorhanden und das 27 TWh-Ziel der Bundesregierung ist mit den richtigen Rahmenbedingungen definitiv machbar“, erklärt Günter Pauritsch, Leiter des Centers Energiewirtschaft, Infrastruktur & Energiepartnerschaften bei der der Österreichischen Energieagentur und Studienautor.

Die Betrachtung der Entwicklung der Bundesländer zeichnet ein ernüchterndes Bild und zeigt auf, dass sich die Dynamik deutlich verändern muss.

Energieverbrauch

Seit 1990 ist der End-Energieverbrauch (EEV) in Österreich um +48 % sehr stark angestiegen. Der negative Spitzenreiter des Verbrauchszuwachses ist Niederösterreich sowohl was den Verbrauchszuwachs anbelangt (+61 %) aber auch hinsichtlich des Energieverbrauches pro Person. Hier sind Kärnten und die Steiermark etwa gleich auf (42 – 44 MWh pro Person). Niederösterreich hat auch mit 70 TWh den höchsten EEV (23 %) aller Bundesländer. Am wenigsten angestiegen ist dieser in Vorarlberg (+34 %). Den geringsten Energieverbrauch pro Person hat mit 20 MWh Wien. Die letzten 15 Jahre in den Fokus genommen, konnte allein in Wien und Salzburg eine Trendumkehr erreicht werden. Der Anteil fossiler Energie beträgt immer noch 67 %!

Anteil erneuerbarer Energie am Energieverbrauch

Der Anteil erneuerbarer Energie am Energieverbrauch ist in Österreich von 2005 bis 2018 von 24 % auf 33 % gestiegen. Obwohl Niederösterreich und Oberösterreich in absoluten Zahlen die größten Mengen an erneuerbarer Energie produzieren, liegen beide beim prozentuellen Anteil nur im österreichischen Mittelfeld. Am höchsten ist der Erneuerbaren Anteil mit 55 % in Kärnten, gefolgt von Burgenland und Salzburg (je 48 %). Am geringsten ist er in Wien (9 %).

Stromproduktion aus erneuerbarer Energie

Die Wasserkraft hat in allen Bundesländern, außer Wien und Burgenland, den größten Anteil an der Stromaufbringung (zwischen 33 % Steiermark und 98 % Tirol). Nur im Burgenland wird der Großteil des Stroms durch Windkraftanlagen produziert (113 %) – in Niederösterreich zu 26 %. Wien bringt den Strom hauptsächlich durch fossile Energieträger bzw. Importe (86 %) auf. Strom aus fester Biomasse wird vor allem in Kärnten und im Burgenland produziert (13 %). Die Stromerzeugung aus Photovoltaik macht im Burgenland, in der Steiermark und in Vorarlberg 3 % der Stromaufbringung aus.

Nettostromimport

Viele Jahrzehnte hat Österreich mehr Strom exportiert als importiert, seit 2000 ist Österreich ein Nettostromimporteur. 2018 lag der Nettostromimport bei 12 %. Das Burgenland ist das einzige Bundesland, das seinen Nettostromimport Saldo deutlich verbessern konnte. Es hat mit 0,7 TWh (37 % des Stromverbrauchs) auch relativ den größten Anteil an Stromexporten. Wien, Steiermark, Oberösterreich und Vorarlberg verbrauchen mehr Strom als sie erzeugen. Oberösterreich wurde vom Stromexporteur zum Bundesland mit der drittgrößten Importmenge. Nur Wien und die Steiermark müssen noch mehr Strom importieren.

Treibhausgasemissionen

Österreich steht im internationalen Vergleich bei den Treibhausgasemissionen schlecht da. Während in anderen Ländern in den letzten 30 Jahren der Treibhausgasausstoß abgenommen hat, ist er in Österreich sogar um 5 % gestiegen. Am stärksten gestiegen ist er in Burgenland (19 %), knapp vor dem Tirol (18 %). Nur in Niederösterreich sind sie um 1 % gesunken. In absoluten Zahlen sind die Treibhausgasemissionen in Ober- und Niederösterreich mit Abstand am höchsten. Die Haupt-Emissionsverursacher (2017) sind: Industrie (32 %), Verkehr (29 %) und Energie (13 %).

Reduktionsziel bei Nicht-Emissions-Handel

2005 wurden alle Treibhausgasemissionen, die nicht vom Emissionshandel betroffen sind, zusammengefasst. Für sie hat die Europäische Kommission Reduktionsziele für die einzelnen Mitgliedstaaten festgelegt. Österreich muss bis 2030 seine Emissionen um -36 % reduzieren. Seit 2005 konnten sie insgesamt um 9 % (2017) gesenkt werden. Am stärksten konnte die Emission in Kärnten (-14 %) und in der Steiermark (-13 %) gesenkt werden. Mit -2% verzeichnete Oberösterreich die wenigsten Fortschritte. Die bisher erreichten Treibhausgasreduktionen machen deutlich, dass die Anstrengungen zur Zielerreichung, um ein Vielfaches zu erhöhen sind. Darüber hinaus ist mit einer deutlichen Erhöhung des Reduktionsziels im nächsten Jahr zu rechnen. Der bedeutendste Sektor beim Nicht-Emissions-Handel ist der Verkehr (45 %).

Martina Prechtl-Grundnig, Geschäftsführerin des EEÖ, drängt daher: „Wird das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz optimal umgesetzt, ermöglicht es Investitionen von 30 Mrd. Euro in die heimische Wirtschaft und schafft etwa 100.000 Arbeitsplätze. Der Weg zur Klimaneutralität (inkl. Wärme- und Verkehrswende) erhöhen diese positiven Effekte für den heimischen Wirtschafts- und Arbeitsmarkt noch deutlich. Doch die besten rechtlichen Grundlagen auf Bundesebene bringen nichts, wenn nicht auf Bundesländerebene die Blockaden beseitigt werden. Denn dort werden die Projekte realisiert, dort sind sie verortet und erhalten die Genehmigungen zur Umsetzung. Schlussendlich entscheiden die Bundesländer, ob die Energiewende gelingt oder nicht.“

Klimaschutz und Energiewende brauchen die Zusammenarbeit auf allen Ebenen. Das bedeutet auch, dass die Bundesländer die vorhandenen Potentiale so mobilisieren müssen, dass das gesamtösterreichische Ziel erreicht wird. Aufgrund der unterschiedlichen Gegebenheiten in den Bundesländern wird der Schwerpunkt jeweils anders gesetzt werden. Je nach vorhandenen Möglichkeiten werden einzelne Bundesländer stärker gefragt sein, um über den Eigenbedarf hinaus zu den Bundeszielen beizutragen als andere.

„Es braucht nun die Verschränkung von Bund und Länder, keine Soloperformance! Und außerdem braucht es mehr Dynamik. Denn nur mit entschlossenem, raschem und vereintem Handeln werden wir in Österreich der Klimakrise begegnen können und die Energieversorgung langfristig absichern “, betont Prechtl-Grundnig.

„Mittlerweile müssten alle in Österreich erkannt haben, dass noch viel notwendig ist, um den Klimawandel zu stoppen. Durch den Ausbau erneuerbarer Energie können wir das schaffen, wenn alle Bundesländer ihre Hausaufgaben machen und den Weg für die Energiewende aktiv mitgestalten“, schließt Wagner.

Studie zum Download

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