FSG/ÖGK-Huss: Psychosoziale Herausforderungen brauchen umfassende Umsetzungsstrategie

Beratungsgremium im Ministerium ist ein erster Schritt, konkrete Maßnahmen müssen folgen Beratungsgremium im Ministerium ist ein erster Schritt, konkrete Maßnahmen müssen folgen

Wien (OTS) - Die Studien der Uni Krems zeigen immer eindrücklicher die psychosozialen Auswirkungen und Schäden, die aus der belastenden Corona-Situation resultieren. Das Gesundheitsministerium reagiert jetzt darauf mit einem Arbeitskreis, aber das ist zu wenig.++++

ÖGK-ArbeitnehmerInnen-Obmann Andreas Huss: „Es ist begrüßenswert, wenn im Gesundheitsministerium ein Beratungsgremium speziell für die negativen psychosozialen Auswirkungen der Corona-Zeit eingerichtet wird. Dieses Gremium braucht aber einen klaren Auftrag, um Verbesserungen der psychosozialen Versorgung in Österreich anzustoßen.“

Dabei liegen viele konkrete Verbesserungsmaßnahmen auf dem Tisch, die bereits oftmals besprochen und für wichtig und richtig erachtet wurden. Schon beim im September vergangenen Jahres einberufenen runden Tisch des Gesundheitsministers gab es eine breite Palette an Vorschlägen dazu.

Huss: „Jetzt geht es darum, in die Umsetzung zu kommen. Dafür braucht es eine Umsetzungsstrategie des Ministeriums, sind doch die Zustimmung des Regierungspartners und vor allem des Finanzministers für die Sicherstellung der Finanzierung notwendig. Denn ohne die notwendige Finanzierung wird es schwierig, die dringend notwendigen Maßnahmen umzusetzen.“
Die ersten drei Maßnahmen, die der Bund alleine erledigen kann, sind die Aufnahme von psychologischen Leistungen ins ASVG, die Erneuerung des Psychotherapie-Gesetzes und das Bekenntnis zu einer staatlichen Ausbildung der PsychotherapeutInnen. Mit einer öffentlichen Ausbildungsschiene wäre Schluss mit der sozialen Selektion bei den PsychotherapeutInnen, die es aufgrund der sehr hohen Ausbildungskosten derzeit gibt. Aber auch für die muttersprachliche psychotherapeutische Versorgung der Bevölkerung mit Migrations- oder Fluchthintergrund wäre das ein wichtiges Signal.

Wenn sich das Beratungsgremium richtigerweise vorrangig um die Probleme bei den Kindern und Jugendlichen kümmert, sollten die Empfehlungen in Richtung Länder und Zielsteuerung sein, die Frühen Hilfen für junge Familien in prekären Situationen flächendeckend und bedarfsorientiert auszubauen. Dieses Konzept ist schon seit einigen Jahren sehr erfolgreich in Umsetzung, aber noch immer nicht in allen Bezirken verfügbar.
Gerade bei den besonders betroffenen Jugendlichen ist neben einer therapeutischen Versorgung auch sehr viel Sozialarbeit in Schulen und Peergruppen nötig. Auch für die flächendeckende Ausrollung von multidisziplinären psychosozialen Versorgungszentren für Kinder und Jugendliche gibt es genügend erfolgreiche regionale Best-Practice-Beispiele. Neben der Erweiterung dieses Konzeptes auch für die Erwachsenen ist es angezeigt, die integrierte psychosoziale Versorgung zwischen Spitälern und niedergelassenem Bereich endlich zu etablieren. Hier gibt es noch äußerst viele Synergie-Effekte zu heben.

Die ÖGK kommt beim beschlossenen Ausbau des Psychotherapieangebotes auf Kassenkosten um jährlich 20.000 Behandlungsplätze jetzt schon in die Umsetzung und startet mit dem Aufbau von Clearingstellen für einen raschen Zugang zur/m passenden Psychotherapeuten/in. Auch der Ausbau des Angebotes von Kinder- und JugendpsychiaterInnen wird angestrebt.
Darüber hinaus wäre es hoch an der Zeit, die arbeitsbedingten Erkrankungen und damit auch arbeitsbedingte psychische Erkrankungen in die Liste der Berufskrankheiten der AUVA aufzunehmen.

Huss: „An die Regierung: Investieren wir gemeinsam in die Gesundheit Österreichs – Jetzt! Die ÖGK geht ihren Teil der Arbeit schon an, machen Sie das auch.“

Rückfragen & Kontakt:

ÖGK-ArbeitnehmerInnen-Obmann Andreas Huss
Tel. 0664/614 55 34, andreas.huss@oegk.at

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