Anstrengendes Arbeiten mit Kindern im Krankenhaus: AK fordert rasche Verbesserungen für Spitalspersonal

  • Eine Strategiegruppe mit Verantwortlichen und Experten/-innen muss endlich Lösungen ausarbeiten, um die aktuellen und künftigen Herausforderungen meistern zu können
    AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer
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  • Es ist ein großer Unterschied, ob ein Baby mit Fieberschüben und hochnervöser Mutter auf der Station ist oder ein Jugendlicher, der nach einem kleinen operativen Eingriff schnellstmöglich wieder nach Hause möchte und in der Zwischenzeit beim Handyspielen nicht gestört werden will
    Barbara Pucher, DGKPin, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende des Krankenhauses St. Josef in Braunau
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  • Bisher wurde keine einzige der jahrelangen Forderungen der AK Oberösterreich umgesetzt. Bis zur Einrichtung der Strategiegruppe bleiben diese daher aufrecht
    AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer
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Linz (OTS) - Ein Kind im Krankenhaus ist eine große Herausforderung – sowohl für Eltern als auch das Spitalspersonal. Die Beschäftigten in den Krankenhäusern erbringen täglich Spitzenleistungen, damit junge Patienten/-innen und deren Angehörige den Spitalsaufenthalt möglichst gut bewältigen. Während der Covid-19-Pandemie haben die Belastungen für die Pflegekräfte allerdings weiter deutlich zugenommen. Daher sind für sämtliche Berufsgruppen in den Kinderabteilungen verbindliche Personalberechnungsmodelle und mehr hochqualifiziertes Personal dringend nötig. „Eine Strategiegruppe mit Verantwortlichen und Experten/-innen muss endlich Lösungen ausarbeiten, um die aktuellen und künftigen Herausforderungen meistern zu können“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Die Arbeit in der Kinder- und Jugendpflege hat sich in den letzten Jahren stark verändert – durch den medizinischen Fortschritt, aber auch durch die leistungsorientierte Krankenhausfinanzierung, die sich an Fallpauschalen und nicht am tatsächlichen Bedarf der Patienten/-innen orientiert. Die Verweildauer im Krankenhaus sinkt weiter. Die Pflegekräfte müssen in immer kürzerer Zeit Kinder und Eltern anleiten, damit die jungen Patienten/-innen nach der Entlassung schnellstmöglich ein (wieder) eigenständiges Leben führen können. Einerseits sind viele Eltern mit dieser aktiven Verantwortung überfordert, andererseits zeigen sich viele interessiert, suchen im Internet nach idealen Therapie- und Pflegeformen und meinen bestens über die für sie optimale Pflegeform Bescheid zu wissen. Treffen Fachkräfte andere Entscheidungen, kommt es zu Missverständnissen und Konflikten bis hin zu aggressivem Verhalten. Das erhöht nicht nur die psychische Belastung, sondern macht auch mehr Zeit für Aufklärung und Beratung nötig.

Die Corona-Pandemie und ihre Folgen haben die Situation noch einmal deutlich verschärft. Dabei stammen die offiziellen Berechnungsmethoden – wie die Pflegepersonal-Regelung für bettenführende Kinder-Stationen – noch aus den 1990er-Jahren. Offizielle Angaben, wie viele qualifizierte Pflegekräfte pro Patient/-in mit unterschiedlichem Pflegebedarf im Dienst einzuteilen sind, gibt es derzeit für Kinderstationen nicht. „Es ist ein großer Unterschied, ob ein Baby mit Fieberschüben und hochnervöser Mutter auf der Station ist oder ein Jugendlicher, der nach einem kleinen operativen Eingriff schnellstmöglich wieder nach Hause möchte und in der Zwischenzeit beim Handyspielen nicht gestört werden will“, schildert die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende des Krankenhauses St. Josef in Braunau, DGKPin, Barbara Pucher, den Alltag im Spital. Die Dienstpostenberechnung alleine an der Bettenanzahl je Station auszurichten, sei daher ein unrealistischer Zugang.

Belastung in Pflegeberufen steigt stetig, Lösungen liegen am Tisch

Die Belastungen in den Pflegeberufen sind laut aktuellem AK-Arbeitsklima Index deutlich höher als in anderen Berufen. Damit die oberösterreichischen Krankenhäuser auch in Zukunft ihren Versorgungsauftrag insbesondere im Bereich der Kinder- und Jugendlichenpflege wahrnehmen können und die Gesundheitsberufe attraktiv bleiben, braucht es eine Strategiegruppe, die schnell Lösungen erarbeitet. „Bisher wurde keine einzige der jahrelangen Forderungen der AK Oberösterreich umgesetzt. Bis zur Einrichtung der Strategiegruppe bleiben diese daher aufrecht“, so AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

In der Corona-Krise hat sich bisher gezeigt, dass nicht ein Bettenmangel, sondern das Fehlen von hochqualifiziertem Personal das Hauptproblem ist. Es braucht daher rasch eine Personalaufstockung um 20 Prozent, verteilt über alle Berufsgruppen (rund 2.500 Vollzeitäquivalente). Die tatsächlichen Ausfallszeiten müssen laufend erhoben und in den Personalberechnungen ebenso berücksichtigt werden, wie die besonderen Bedürfnisse der Beschäftigten in der Dienstpostenberechnung. Zudem sollten Zuschläge für die Einarbeitung junger Kollegen/-innen eingeführt und entsprechend Zeit für Schulungen eingeplant werden. Das Besetzen der Nacht- und Wochenenddienste muss verbindlich geregelt werden und darf nicht zulasten des Tagesdienstes gehen.

Die Personalberechnung für Kinder- und Jugendlichenpflege entsprechen schon lange nicht mehr den tatsächlichen Anforderungen. Eine Neubewertung der Aufgaben ist daher nötig. Die Kinder-/Jugend-Psychiatrie und ambulante Angebote bis zur Psychotherapie „auf Krankenschein“ müssen ebenso ausgebaut werden, wie die administrative Unterstützung durch Abteilungshilfen oder Stationssekretariate. Weiters nötig: Eine Ausbildungsinitiative und ein verstärkter Fokus auf Dienstpostenpläne und Arbeitsbedingungen anderer Berufsgruppen im Krankenhaus (Küche, Reinigung, Verwaltung, Wäscherei, Haustechnik).

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