WWF warnt: Illegaler Schuppentier-Handel boomt

859.000 Pangoline zwischen 2000 und 2019 getötet – Drastische Bestandsrückgänge bis 2040 befürchtet – WWF fordert schärferes Vorgehen gegen Wilderei und illegalen Handel

Der globale illegale Handel mit Wildtieren bedroht unzählige Arten – darunter auch Schuppentiere. Alle acht Arten gelten derzeit als bedroht. Drei davon stehen laut der Internationalen Roten Liste unmittelbar vor dem Aussterben. Wenn wir jetzt nicht entschieden gegen Wilderei und illegalen Handel vorgehen, werden die Bestände weiter einbrechen.
Georg Scattolin, Artenschutzexperte des WWF Österreich

Wien (OTS) - Anlässlich des Weltschuppentiertags am Samstag (20.02.) warnt die Naturschutzorganisation WWF (World Wide Fund for Nature) vor dem boomenden Handel mit Schuppentieren. Sie gelten als die am häufigsten illegal gehandelten Säugetiere der Welt. Zwar ist der internationale Handel mit den sogenannten Pangolinen verboten, doch die Nachfrage ist ungebrochen. Allein zwischen Januar und Juli 2019 deckten Strafverfolgungsbehörden weltweit Schmuggelversuche mit rund 195.000 Tieren auf. Dementsprechend hoch ist die Wilderei. Der globale illegale Handel mit Wildtieren bedroht unzählige Arten – darunter auch Schuppentiere. Alle acht Arten gelten derzeit als bedroht. Drei davon stehen laut der Internationalen Roten Liste unmittelbar vor dem Aussterben. Wenn wir jetzt nicht entschieden gegen Wilderei und illegalen Handel vorgehen, werden die Bestände weiter einbrechen. Für manche Arten ist mit einem Rückgang von mehr als 80 Prozent bis 2040 zu rechnen“, warnt Georg Scattolin, Artenschutzexperte des WWF Österreich.

Zwischen 2000 und 2019 wurden weltweit Schmuggelwaren entdeckt, für die geschätzte 895.000 Pangoline sterben mussten. „Wir müssen davon ausgehen, dass die tatsächliche Zahl der Fälle wesentlich höher ist. Denn nur ein Bruchteil wird überhaupt aufgedeckt“, erklärt Scattolin. Die Schmuggelware wird seit einigen Jahren vermehrt aus Afrika nach Asien verfrachtet. Meist handelt es sich dabei um getrocknete Schuppen. Sie werden in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) vor allem als vermeintliches Heilmittel gegen Blutstauungen, Schwellungen und Schmerzen durch Arthritis eingesetzt. Auch das Fleisch der Pangoline wird in Afrika und Asien verzehrt und gilt in einigen Ländern als Delikatesse und Luxusgut.

Seit Anfang 2017 werden alle Schuppentierarten in der höchsten Schutzkategorie des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) geführt. Ihr internationaler Handel ist damit verboten. Doch solange die Nachfrage besteht, floriert das Schmuggelgeschäft. Nur wenig optimistisch stimmt auch ein Schritt Chinas im letzten Jahr: „Zwar wurden Pangolin-Schuppen aus dem Haupttext des Arzneibuchs für TCM entfernt. Bereits zugelassene Medikamente, die diese enthalten, werden in den Anhängen des Buches aber weiterhin geführt und sind somit immer noch erlaubt. In der aktuellen Ausgabe sind acht solcher Arzneien gelistet“, sagt WWF-Experte Scattolin. Schuppen aus alten Beständen dürfen demnach weiterhin in Arzneimitteln verwendet werden. Das berge die Gefahr, dass frisch gewilderte Schuppen unbemerkt unter die Restbestände geschmuggelt werden. Für ihre medizinische Wirksamkeit gibt es keine Belege. „Pangolin-Schuppen bestehen aus Keratin, genau wie menschliche Fingernägel“, erklärt Georg Scattolin.

Hintergrund: Schuppentier

Insgesamt gibt es acht verschiedene Pangolin-Arten, je vier in Asien und Afrika. Sie sind allesamt bedroht, über ihre genauen Bestände ist aber wenig bekannt. Denn die scheuen und häufig nachtaktiven Insektenfresser leben meist zurückgezogen in Wäldern, Buschland und Savannen Afrikas und Asiens. Sie ernähren sich von Ameisen und Termiten. Die meisten Arten sind etwa so groß wie Hauskatzen, einige afrikanische Arten können aber ein Gewicht von 20 bis 30 Kilogramm erreichen.

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Mag. Florian Kozák, Pressesprecher WWF Österreich, florian.kozak@wwf.at, +43 676 83 488 276

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