TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel vom 22 .Januar 2021 von Alois Vahrner „Beim Impfen sind alle gefordert"

Innsbruck (OTS) - Der Kampf gegen die Corona-Pandemie ist nur mit großflächigem Impfen zu gewinnen. Noch ist der fehlende Impfstoff die Schwachstelle, dann braucht es ein Mitziehen der Bevölkerung. Genau da sind Politik und Sozialpartner gefragt.

Seit über zehn Monaten steht auch Europa im Würgegriff von Corona. Österreich erlebt gerade den dritten harten Lockdown – von dem man nicht weiß, wann und mit welchen Lockerungen er tatsächlich enden wird. Wie man sieht, wirken die Einschnitte weit weniger als noch im Frühjahr 2020. Und das hat nur wenig mit der offenbar ansteckenderen britischen Virus-Mutation zu tun, sondern mit der schwindenden Bereitschaft vieler, bei den Maßnahmen mitzumachen.
Österreich hat bereits jenseits der 30 Milliarden Euro auf Pump in diverse Hilfs- und Abfederungs-Programme gesteckt. Trotzdem ist die Zahl der Arbeitslosen auf 533.000 geschnellt (dazu sind auch noch 440.00 in Kurzarbeit), Experten warnen zudem vor einer Pleitewelle. Das Niederfahren von Wirtschaft und Gesellschaft war leider alternativlos. Und man braucht kein allzu großer Prophet zu sein: Der von vielen so empfundene Albtraum würde wohl auf Jahre nicht nur so weitergehen, sondern sich sogar weiter verschärfen – obwohl klar ist, dass es weder finanzier- noch zumutbar wäre, sich noch weiter in einer Serie von einem Lockdown zum nächsten zu hanteln, zumal jede Woche Lockdown Milliarden vernichtet.
Glücklicherweise hat die Wissenschaft mit der sensationell raschen Entwicklung von Impfstoffen den einzigen gangbaren Ausweg geschafft. Sie sind momentan wirklich die einzige Medizin gegen die Krise.
Es ist und bleibt ein Wettlauf gegen die Zeit. Ende Dezember gab es die ersten Impfungen, aber bis auf Weiteres ist zu wenig Impfstoff da, um wenigstens rasch alle Risikogruppen zu impfen. Für die Regierung heißt das: Information statt Inszenierung, stärker aufs Tempo drücken, Verstöße rigoros abdrehen und unter Hochdruck professionelle Impfpläne umsetzen.
Auch die EU will, dass bis Sommer möglichst 70 Prozent der Bevölkerung geimpft sein sollen. Um dies angesichts der zwar schwindenden, aber immer noch beträchtlichen Impf-Skepsis vieler zu schaffen, sind hierzulande viele gefordert. Das gilt auch für die Sozialpartner, Veranstalter aller Art und die Reisebranche. Wehklagen über ständige Lockdowns und höhere Arbeitslosigkeit sind zu wenig. Obwohl sich die Politik über eine Impf-Pflicht nicht drübertraut, kann auch so viel bewirkt werden. Es geht um Vorteile für jene, die sich testen oder vor allem impfen lassen und so zur Sicherheit (auch in Betrieben) beitragen. Was spricht gegen ein Länderspiel, Konzert, ein volles Theater oder einen Ferienflieger mit lauter Getesteten oder, noch besser, Geimpften? Denn die triste Alternative, nämlich den Stillstand, erleben wir alle seit Monaten leider zuhauf.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung
0512 5354 5101
chefredaktion@tt.com

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001