ORF-2-Premiere für bewegende Coming-of-Age-Geschichte „Der Trafikant“

Mit u. a. Johannes Krisch, Simon Morzé und Bruno Ganz am 27. Dezember

Wien (OTS) - Regisseur Nikolaus Leytner führt ins Österreich um 1937/1938 und erzählt am Sonntag, dem 27. Dezember 2020, um 20.15 Uhr in ORF 2 in „Der Trafikant“ eine bewegende Coming-of-Age-Geschichte:
Simon Morzé brilliert darin als 17-jähriger Provinzbursche, der bei einem – von Johannes Krisch gespielten – Trafikanten in Wien in die Lehre geht und dort nicht nur den gealterten Sigmund Freud (dargestellt von Schauspiellegende Bruno Ganz), sondern auch die erste Liebe (Emma Drogunova) kennenlernt. Mit mehr als 60.000 Besucherinnen und Besuchern rangiert die vom ORF im Rahmen des Film/Fernseh-Abkommens kofinanzierte Produktion „Der Trafikant“ unter den Top 10 der Charts des österreichischen Kinofilms 2018 und wurde mehrfach gewürdigt. Das Drehbuch – nach dem gleichnamigen Roman von Robert Seethaler – stammt von Nikolaus Leytner und Klaus Richter.

Statement von Drehbuchautor und Regisseur Nikolaus Leytner: „Ein außergewöhnlicher, ein wunderbarer Filmstoff“

„Auf Robert Seethalers Roman bin ich durch eine Rezension aufmerksam geworden, die mich neugierig gemacht hat. Ich habe das Buch unmittelbar nach seinem Erscheinen und im Zug gelesen. Seite für Seite mit wachsender Begeisterung. Und ich dachte: Das ist ein außergewöhnlicher, ein wunderbarer Filmstoff. ,Der Trafikant‘ ist eine etwas andere Coming-of-Age-Geschichte: Franz Huchel, ein ebenso neugieriger wie behütet aufgewachsener 17-Jähriger vom Lande, kommt 1937 in die politisch brodelnde Großstadt Wien und wird (viel zu schnell) erwachsen – er lernt die Liebe kennen und reift zum Mann, der sich selbst und jenen, denen er nahesteht, auch in schwierigen Zeiten treu bleibt; Zeiten, die seine Entwicklung beeinflussen und auf tragische Art und Weise beschleunigen.

Es ist auch die Geschichte einer ersten (und unglücklichen) Liebe. Verlangen und Verwirrtheit beherrschen die Begegnungen zwischen Franz und der um ein paar Jahre älteren und sexuell ungleich erfahreneren Anezka – eine Liebe, die vor dem Hintergrund einer auf den Abgrund zusteuernden Welt noch mehr leidenschaftliche Überschwänglichkeit bekommt – und zugleich eine große Traurigkeit.

Vor allem aber ist der ,Der Trafikant‘ die Geschichte einer ebenso ungleichen wie berührenden Männerfreundschaft – nämlich der zwischen dem jungen und unerfahrenen Franz und dem greisen, fast am Ende seines Weges angelangten Weltbürgers Sigmund Freud. Allein diese Idee – und wie Robert Seethaler sie umsetzt – hebt die Geschichte über viele andere, die sich mit dieser Zeit beschäftigen, hinaus. Diese Freundschaft ist wohl die wichtigste Beziehungsachse in dem Film, weil an ihr alle anderen Beziehungen von Franz – die zu Anezka, zu Otto Trsnjek oder auch die zu seiner Mutter – gemessen, reflektiert und entwickelt werden. Und sie wird auch im Film so erzählt, wie es Seethaler in seinem Roman gelungen ist: mit Empathie für die Figuren, nahe an ihren Sehnsüchten und Schwächen, ihren Träumen und Ängsten, und mit jener schönen Gelassenheit, mit der sich der alte Freud eingestehen muss, wie wenig er selbst das Wesen der Liebe enträtseln hatte können.

Das alles spielt vor dem Hintergrund einer schwierigen, äußerst dramatischen Zeit. Mir war es von Anfang an wichtig, die hinreichend bekannten Elemente dieser Zeit im Film so sparsam wie möglich einzusetzen, sie weitestgehend im Augenwinkel des Publikums zu belassen. Und sie nur dann ins Blickfeld zu rücken, wenn sie direkt in das Leben unserer Hauptfiguren eingreifen. Denn das, was da unaufhaltsam erstarkt, motiviert (wenn auch nicht augenscheinlich) jede einzelne Figur. Und je banaler zum Beispiel die SS-Männer in ihrer bösen Armseligkeit wirken, die Trsnjeks Trafik und sein Leben zerstören, umso beängstigender. Die Zuschauerin, der Zuschauer kennen die historischen Zusammenhänge und ergänzen sie im Kopf.“

Mehr zum Inhalt

Österreich, in den späten 1930er Jahren: Der 17-jährige Franz Huchel (Simon Morzé) kommt aus dem Salzkammergut nach Wien, um bei dem Trafikanten Otto Trsnjek (Johannes Krisch) in die Lehre zu gehen. In dem Tabakgeschäft des Kriegsinvaliden lernt er die bürgerlichen Kreise kennen, die sich sogar die berühmten Importzigarren aus Kuba leisten können, die Franz in liebevoller Handarbeit frischhalten muss.

Unter den Stammkunden ist der hochangesehene Psychologe Sigmund Freud (Bruno Ganz), zu dem der junge Mann schon bald Vertrauen fasst. An ihn wendet sich Franz, als er sich unglücklich in die böhmische Varietétänzerin Anezka (Emma Drogunova) verliebt. Dass die Liebe selbst dem berühmten Psychoanalytiker unlösbare Rätsel aufgibt, hilft dem unerfahrenen Franz leider nicht weiter. Als Österreich im Jahr 1938 für den „Anschluss“ an das nationalsozialistische Deutsche Reich stimmt, beginnen schwere Zeiten für Franz und seinen Meister, der politisch aufrecht bleibt und weiterhin jüdische Kunden bedient.

Erst verwüsten antisemitische Schläger den Laden, dann wird Otto aus fadenscheinigen Gründen verhaftet. Nun muss Franz auf sich allein gestellt das Geschäft führen und für Trsnjek kämpfen. Rat sucht er bei dem 82-jährigen Freud, der jedoch selbst in Gefahr ist.

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