• 15.12.2020, 09:00:01
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  • OTS0034

Gramsci-Preis der AK Wien für „Fremd in der Heimat und der Ferne“

Historikerin Sparschuh vergleicht italienische Arbeitsmigration nach Turin und München

Utl.: Historikerin Sparschuh vergleicht italienische
Arbeitsmigration nach Turin und München =

Wien (OTS) - Der mit 5.000 Euro dotierte „Antonio Gramsci Preis für
kritische Forschung in der Migrationsgesellschaft“ der AK Wien in
Kooperation mit der Universität Bielefeld geht in diesem Jahr an die
Historikerin Olga Sparschuh. Sie untersucht in ihrer Arbeit u.a. die
Schlagkraft von ArbeitnehmerInnen verschiedener Herkunft in der
Auseinandersetzung mit den ArbeitgeberInnen.

Zusammenhalt ist die wichtigste Voraussetzung für ArbeitnehmerInnen
um in der Auseinandersetzung mit den wirtschaftlich stärkeren
ArbeitgeberInnen ihre Interessen durchsetzen zu können. Diesen
Zusammenhalt herzustellen ist daher eine der Grundaufgaben von
Gewerkschaften und Arbeiterkammer und stellt aufgrund der zunehmenden
grenzüberschreitenden Beweglichkeit der Arbeitskräfte eine große
Herausforderung dar. Olga Sparschuh untersucht diese Schwierigkeiten
anhand des Beispiels italienischer Arbeitsmigration aus dem
Mezzogiorno, dem Süden Italiens zwischen 1953 bis 1973 in deren
wichtigste Zielstädte Turin und München.

Arbeitsrechtlich in beiden Fällen gleichgestellt, in Turin auch mit
denselben staatsbürgerlichen Rechten ausgestattet, konzentrierten
sich die Gewerkschaften in beiden Fällen eher auf den ansässigen
Facharbeiterkern. „Während der Arbeiterproteste in Turin 1969 und im
Italienerstreik bei BMW in München 1972 griffen die Zugewanderten
daher zu alternativen Protestformen, zu denen beiderorts der
Schulterschluss mit radikalen politischen Gruppen gehörte“, so
Sparschuh.

Sparschuhs Arbeit stellt aber auch einen wichtigen Beitrag zur
Theorie und Methodendiskussion der Migrationsforschung dar. Der
Bildungswissenschaftler Paul Mecheril von der Universität Bielefeld
sagt als Juryvorsitzender des Gramsci-Preises: „Die beeindruckende
Untersuchung ist von hoher literarischer Qualität und wird die
historische Migrationsforschung bereichern.“ Denn die gängige Praxis,
die grenzüberschreitende Zuwanderung gesondert von der
Binnenwanderung von wirtschaftlich schwachen ländlichen Regionen in
die Städte zu untersuchen, wird durch Sparschuhs Forschungsergebnisse
radikal in Frage stellt.

Lena Karasz hat als AK Expertin für EU-Wettbewerbsrecht tagtäglich
mit der Lebensrealität des freien Arbeitsmarkts in der EU zu tun. Sie
hat den Anstoß zum Gramsci-Preis gegeben und sagt über Sparschuhs
Arbeit: „Sie konzentriert sich auf das Dasein der ArbeitnehmerInnen
als Arbeitskräfte, die von der ansässigen ArbeitnehmerInnenschaft
verschiedene, sozioökonomische Voraussetzungen haben. Sie zeichnet so
nicht ethnische, sondern ökonomische Aspekte als ausschlaggebend.“

Die Arbeiterkammer Wien verleiht den Antonio-Gramsci-Preis, um der
Spaltung der ArbeitnehmerInnen nach Herkunft, Geschlecht oder anderen
Merkmalen entgegenzuwirken. Denn eine Spaltung der ArbeitnehmerInnen
behindert den gesetzlichen Auftrag der AK, die Interessen aller
ArbeitnehmerInnen zu vertreten.

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