Eltern im zweiten Lockdown: Sechs von zehn stark belastet

Druck steigt - Frauen verschieben Arbeit auf Abend und Nacht. Massive Einkommensverluste, Kinder aus bildungsfernen Familien fallen zurück, schlechte Noten für Krisenmanagement

  • Nur ein Drittel hat überhaupt noch Ersparnisse, was gerade ärmere Familien in brenzlige Situationen bringt
    Barbara Blaha
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  • Unter den Müttern sind es mit fast zwei Dritteln deutlich mehr als unter den Vätern. Das zeigt, wie sehr Frauen nach wie vor die Hauptlast der Kinderbetreuung tragen
    Barbara Blaha
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  • Homeoffice und flexible Arbeitszeiten blieben allerdings nach wie vor hauptsächlich höheren Bildungsschichten vorbehalten
    Paul Ringler (SORA)
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  • Jede dritte befragte Frau arbeitete früh morgens oder abends, jede zehnte sogar in der Nacht, um trotz Kinderbetreuung Zeit für Erwerbsarbeit zu finden
    Barbara Blaha
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Wien (OTS) - Für Österreichs Familien ist die Belastung im zweiten Lockdown markant gestiegen. Das zeigt eine Untersuchung von SORA im Auftrag des Momentum Instituts. Während im ersten Lockdown im Frühjahr 46% der Familien angaben, stark belastet zu sein, sind es jetzt 58%. „Unter den Müttern sind es mit fast zwei Dritteln deutlich mehr als unter den Vätern. Das zeigt, wie sehr Frauen nach wie vor die Hauptlast der Kinderbetreuung tragen“, analysiert Barbara Blaha, Leiterin des Momentum Instituts.

Für die repräsentative Studie wurden von 19. - 27. November österreichweit 685 Eltern von Kindern unter 15 Jahren befragt und mit den Ergebnissen der ersten Umfrage aus dem April verglichen.

In der Arbeiterschicht stieg die Arbeitslosigkeit vom ersten zum zweiten Lockdown auf 14%. Rund die Hälfte der Familien beklagt Einkommensverluste, vor allem die Einkommensschwächsten. Fast sieben von zehn Haushalten mit unter 2.000 Euro Nettoeinkommen berichten von Einkommensverlusten, sechs von zehn mussten Ausgaben einschränken oder auf Ersparnisse zurückgreifen. „Nur ein Drittel hat überhaupt noch Ersparnisse, was gerade ärmere Familien in brenzlige Situationen bringt“, erklärt Blaha.

„Homeoffice und flexible Arbeitszeiten blieben allerdings nach wie vor hauptsächlich höheren Bildungsschichten vorbehalten“, sagt SORA-Experte Paul Ringler. ArbeiterInnen erfuhren hingegen deutlich weniger Unterstützungsbereitschaft bei der Kinderbetreuung durch ihre ArbeitgeberInnen.

Über 70% der Kinder wurden im zweiten Lockdown trotz offener Schulen zuhause betreut. Weil Frauen nach wie vor die Hauptverantwortung für die Kinderbetreuung tragen, verlagerten viele ihre wieder gestiegenen Arbeitszeiten noch stärker in Randzeiten. „Jede dritte befragte Frau arbeitete früh morgens oder abends, jede zehnte sogar in der Nacht, um trotz Kinderbetreuung Zeit für Erwerbsarbeit zu finden“, erläutert Blaha.

Unterricht zu Hause ist vor allem für Kinder aus bildungsfernen Familien ein Problem: Rund 40% der Eltern mit Pflichtschulabschluss oder Lehre geben an, ihre Kinder nicht optimal beim Lernen unterstützen zu können.

Insgesamt vergeben Österreichs Eltern schlechte Noten für die Vorbereitungen des Bildungssystems auf die zweite Welle: 60% sind der Meinung, die Bundesregierung habe die Schulen und Kindergärten nicht ausreichend Corona-fit gemacht.

Das Momentum Institut empfiehlt auf Basis der Befragung einen Maßnahmenmix auf Bundes- und Länderebene. Eine höhere Familienbeihilfe oder der Verzicht auf Elternbeiträge in Schulen, Kindergärten und Horten könnten gerade einkommensschwache Familien entlasten.

Präsentation der SORA-Befragung zum Download

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