Influenza-Impfung: Kinder nicht vergessen!

Eine hohe Durchimpfungsrate bei Kindern schützt auch die ältere Bevölkerung

  • 60 Prozent aller Spitalsaufnahmen aufgrund von Influenza finden entweder bei Säuglingen, Kleinkindern oder Menschen ab 60 Jahre statt. Eltern sollten die Gefährlichkeit dieses Virus bei Kindern daher nicht unterschätzen.
    Dr. Daniela Kasparek, Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde in Wien
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  • enn wir die Kinder impfen, schützen wir auch die ohnehin schon aufgrund von Covid-19 sehr gefährdete Gruppe der Seniorinnen und Senioren
    Dr. Rudolf Schmitzberger, Leiter des Impfreferats der Österreichischen Ärztekammer und Kinderarzt in Wien
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  • Nach anfänglichen Engpässen sind nun genügend Impfstoffe vorhanden
    Dr. Rudolf Schmitzberger, Leiter des Impfreferats der Österreichischen Ärztekammer und Kinderarzt in Wien
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Wien (OTS) - Nach bisheriger Datenlage scheint Covid-19 bei Kindern meist nicht zu schweren Krankheitsverläufen zu führen. Bei der trotz aller Vorsichtsmaßnahmen auch in diesem Winter wieder zu erwartenden Influenza-Welle ist das anders. Kinder können schwer an Influenza erkranken und sind auch die Hauptüberträger des Virus auf andere Bevölkerungsgruppen. Die österreichische Influenza-Strategie zielt daher darauf ab, neben Risikogruppen vor allem auch Kinder zu immunisieren. Und zwar nicht nur, um sie selbst zu schützen, sondern auch, um die Weitergabe des Virus an vulnerable Bevölkerungsgruppen zu verhindern. Deswegen wurde die Influenza-Impfung heuer erstmals ins das kostenfreie Kinderimpfprogramm aufgenommen. KinderärztInnen rufen nun dazu auf, diese Impfungen auch wahrzunehmen, insbesondere dann, wenn Kinder in Gemeinschaftseinrichtungen betreut werden.

Kinder unter sechs Jahre besonders gefährdet

„Für Babys und kleine Kinder, die noch nicht in die Volksschule gehen, kann eine Influenza-Erkrankung sehr gefährlich sein. Sie müssen daher besonders geschützt sein“, erläutert Dr. Daniela Kasparek, Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde in Wien und ergänzt: „60 Prozent aller Spitalsaufnahmen aufgrund von Influenza finden entweder bei Säuglingen, Kleinkindern oder Menschen ab 60 Jahre statt. Eltern sollten die Gefährlichkeit dieses Virus bei Kindern daher nicht unterschätzen.“ Kinder, die aufgrund von Influenza im Spital behandelt werden müssen, leiden meist unter Symptomen wie Fieberkrämpfen, Atemnot, Austrocknung oder Durchfall und Erbrechen. „Hinterher ist das Immunsystem noch wochenlang geschwächt“, erklärt Kasparek. Auch wenn Todesfälle aufgrund von Influenza selten sind, kommen sie doch immer wieder vor. 2017/18 gab es in Österreich neun Todesfälle bei Kindern aufgrund von Influenza, 2018/19 waren es fünf. In einem Teil der Fälle hatte die Influenza zuvor zu einer rasch voranschreitenden schweren Lungenentzündung geführt.[1]

Kinder als Infektionsverbreiter

Kinder übertragen das Virus oft im eigenen Haushalt weiter. Betroffen davon sind meist die eigene Familie sowie BetreuerInnen.[2] „Gerade für betreuende Großeltern oder Familienmitglieder mit Vorerkrankungen kann dies sehr gefährlich sein“, betont Dr. Rudolf Schmitzberger, Leiter des Impfreferats der Österreichischen Ärztekammer und Kinderarzt in Wien. „Es ist daher auch aus diesem Grund wichtig, die Kinder zu impfen, damit sie das Virus nicht aus dem Kindergarten oder der Schule mit nach Hause bringen können“, so der Kinderarzt weiter. Epidemiologische Modellrechnungen haben ergeben, dass die Impfung von Kindern sehr gut dazu beiträgt, die Ausbreitung der Influenza zu verringern oder sogar zu verhindern.1 Allein schon durch die Kinderimpfung kann ein guter Gemeinschaftsschutz erreicht werden, wie eine kanadische Studie zeigt. Eine 80 %-ige Durchimpfungsrate bei Kindern führte in diesem Fall zu einer 61 %-igen Reduktion von Influenza-Erkrankungen in der nicht geimpften Erwachsenenbevölkerung.[3]

Junge schützen Ältere

Außerdem zeigen Modellrechnungen, dass schon eine 20 %-ige Durchimpfungsrate von Schulkindern zu einem besseren Gemeinschaftsschutz für über 60-jährige Menschen hinsichtlich schwerem Verlauf und Tod führt als eine Impfung von 90 Prozent der älteren Bevölkerung.1 „Wenn wir die Kinder impfen, schützen wir auch die ohnehin schon aufgrund von Covid-19 sehr gefährdete Gruppe der Seniorinnen und Senioren“, betont Schmitzberger noch einmal die Sinnhaftigkeit der Influenza-Impfung bei Kindern. „Es gibt keinen Grund, seine Kinder heuer nicht impfen zu lassen, wir haben ausgezeichnete Impfstoffe zur Verfügung“, pflichtet auch Kasparek bei. „In den Ordinationen werden alle Covid-19-Schutzmaßnahmen eingehalten und es ist in unser aller Interesse, dass zu Covid-19 nicht auch noch Influenza dazu kommt.“

Kinder-Impfung ist kostenfrei

Die Influenza-Impfung wurde dieses Jahr erstmals ins kostenfreie Kinderimpfprogramm aufgenommen, für unter 15-Jährige ist die Impfung somit kostenfrei. Insgesamt wurden dafür 350.000 Impfstoffdosen von der öffentlichen Hand eingekauft, die nun auch sukzessive zur Verfügung stehen. „Nach anfänglichen Engpässen sind nun genügend Impfstoffe vorhanden“, betont Schmitzberger. Ein Großteil der Kinder-Impfstoffe wird als Nasenspray verabreicht, das heißt, dass sogar die Angst vor Spritzen diesmal eine geringere Rolle spielen sollte.

Laut österreichischem Impfplan wird die Influenza-Impfung allen Kindern ab dem sechsten Lebensmonat empfohlen, ganz besonders jenen, die soziale Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen besuchen. Laut Empfehlung des Nationalen Impfgremiums müssen Kinder, wenn sie zum ersten Mal gegen Influenza geimpft werden, bis zum vollendeten Lebensjahr zwei Teilimpfungen erhalten.


[1] BMSGPK, Empfehlung Influenza Impfung ("Grippeimpfung") Saison 2020/2021, Stand 2.11.2020

[2] Tsang, T.K., Lau L.L.H., Cauchemez, S. and Cowling, B.J. (2016) Household Transmission of Influenza Virus. Trends Microbiol. 24(2): 123–133

[3] Loeb M., Russell M. L., Moss L., Fonseca K., Fox J., Earn D. J., Walter, S. D. (2010). Effect of influenza vaccination of children on infection rates in Hutterite communities. A randomized trial. Jama, 303(10), 943

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