AK-Kalliauer: „Gewalt darf nicht als Berufsrisiko abgetan werden. Arbeitgeber müssen ihrer Fürsorgepflicht nachkommen“

  • Dass bei der Bevölkerung immer öfter die Nerven blank liegen, ist verständlich. Es ist aber nicht zu akzeptieren, dass Verunsicherung und Ärger an den Beschäftigten ausgelassen werden
    AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer
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  • Gewalt darf niemals einfach als Berufsrisiko verharmlost werden
    AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer
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  • Es darf nicht sein, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verbalen oder sogar tätlichen Angriffen ausgesetzt sind
    AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer
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Linz (OTS) -

Die oberösterreichischen Beschäftigten in Berufen mit Kundenkontakt – etwa im Handel, beim Friseur, im öffentlichen Verkehr, in den Kinderbetreuungseinrichtungen, in den Krankenhäusern oder in den Alten- und Pflegeheimen – leisten Großartiges und sind dabei gerade in der Corona-Zeit einer enormen psychischen Belastung ausgesetzt. So werden Beschäftigte immer wieder beschimpft und sogar bedroht, wenn Leistungen nicht mehr in vollem Ausmaß angeboten werden können oder wenn sie darauf hinweisen, dass Maskenpflicht besteht. „Dass bei der Bevölkerung immer öfter die Nerven blank liegen, ist verständlich. Es ist aber nicht zu akzeptieren, dass Verunsicherung und Ärger an den Beschäftigten ausgelassen werden“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Die Arbeiterkammer Oberösterreich beschäftigt sich bereits länger mit dem Thema Gewalt gegen Arbeitnehmer/-innen. Neben körperlicher und sexualisierter Gewalt wird auch verbale Gewalt als große Belastung empfunden. 16 Prozent der Beschäftigten waren laut Erhebung des Arbeitsklima Index Anfang des Jahres mit Beleidigungen oder Beschimpfungen am Arbeitsplatz konfrontiert (ein ausführlicher Forschungsbericht dazu erscheint im April 2021).

Die Vollversammlung der AK Oberösterreich hat daher eine Resolution gegen Gewalt am Arbeitsplatz beschlossen. „Gewalt darf niemals einfach als Berufsrisiko verharmlost werden“, so Kalliauer. So fordert der AK-Präsident auch die Arbeitgeber eindringlich auf, ihrer Fürsorgepflicht nachzukommen, falls es zu Gewalt am Arbeitsplatz kommt. Außerdem müsste es für Betriebsräte/-innen möglich sein, Betriebsvereinbarungen in Sachen wirkungsvolle Präventionsmaßnahmen zu erzwingen.

Die jüngst beschlossenen Besuchsverbote in Krankenhäusern sowie Alten- und Pflegeheimen sorgen für besonders viel Konfliktpotenzial. Kalliauer: „Es darf nicht sein, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verbalen oder sogar tätlichen Angriffen ausgesetzt sind.“ Dass Beschäftigte schon vor der Corona-Pandemie von Übergriffen durch Bewohner/-innen und durch deren Angehörige betroffen waren, zeigt eine Erhebung des Europäischen Zentrums für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung aus dem Jahr 2018: Insgesamt 35,6 Prozent der Beschäftigten in Alten- und Pflegeheimen sind mindestens einmal im Monat körperlicher Gewalt ausgesetzt. Beleidigungen und Beschimpfungen werden von mehr als einem Viertel (27,7 Prozent) der Beschäftigten mindestens einmal pro Woche erlebt. Hier hat die Arbeiterkammer Oberösterreich mit dem Gewalt-Check für Pflegekräfte ein konkretes Tool entwickelt, das Beschäftigten im Pflegebereich weiterhelfen kann – mehr als 2.500 Zugriffe auf https://pflegecheckgewalt.arbeiterkammer.at/ zeigen die Aktualität des Themas.

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Dr. Walter Sturm
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