TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Freitag, 27. November 2020, von Manfred Mitterwachauer: "Transit-Echo aus der Abstellkammer"

Innsbruck (OTS) - Lkw-Transit: War da was? Dass Tirol mit Jahreswechsel den Weg der Fahrverbots-Verschärfungen weitergeht, ist nur konsequent. Trotz Corona-Pandemie. Davon auch nur einen Millimeter abzuweichen, wäre eine Kapitulation ersten Ranges.

Für den obersten Seilbahner im Land und VP-Wirtschaftsbündler Franz Hörl ist die Welt eine einfache: Liebe oder Hiebe. Und so schreckt Hörl auch nicht davor zurück, die Tiroler Transitpolitik – zeitlich befristet – der Rettung der Wintersaison preiszugeben. Auch die Wirtschaftskammer warnt davor, dass die neuen Lkw-Fahrverbote Deutschland und Italien Amok laufen lassen werden. Das mag sein. Doch wie so vieles in der Bekämpfung der Corona-Pandemie ist auch der Anti-Transit-Kampf alternativlos.
Natürlich ist der Zeitpunkt für die mit 1. Jänner geplante Verschärfung von Euroklassen- und Nachtfahrverbot für Lkw im Transitverkehr auf der Brennerroute durch Tirol nicht optimal – mitten in einer nicht enden wollenden Gesundheits- und Wirtschaftskrise. Eine, in welcher anhaltende Reisewarnungen und Aufrufe aus Italien, Frankreich und Deutschland, den Skitourismus in den Alpenregionen auszusetzen, insbesondere Tirol die wirtschaftliche Pulsader abzuschnüren drohen.
Doch auch wenn die Transitproblematik seit März durch Corona von der tagesaktuellen Agenda ins politische Abstellkammerl verdrängt worden ist, so ist sie nach wie vor existent. Und ungelöst. Tirol muss sich nach wie vor mit einem selbstgebastelten Konzept, bestehend aus Lkw-Fahrverboten, Blockabfertigungen und europäischen Bittgängen nach Brüssel über Wasser halten, um der Transitlawine zumindest kleine Bremsklötze in den Weg zu werfen. Jetzt Corona-bedingt faule Kompromisse einzugehen, wäre eine Kapitulation ersten Ranges.
Die Verschärfung des Nachtfahrverbots wurde nicht über Nacht in den Hinterzimmern des Landhauses ersonnen, sondern liegt seit 2018 für alle Akteure offen und klar am Tisch. Über Jahre in Folge hat Tirol Rekordwerte im Lkw-Transit über den Brenner verzeichnet – 2019 waren es fast 2,5 Mio. Fahrten. Der Corona-Lockdown vom Frühjahr hat dem Schwerverkehr nur eine kleine Delle zugefügt. Eine, die zum Jahreswechsel kaum noch zu erkennen sein dürfte. Tirols Handlungsbedarf ist ungebrochen. Natürlich, die Luftsituation wurde besser. Aber erstens ist das nur eine punktuelle Aufnahme, zweitens auch den bereits erfolgten Verbots-Maßnahmen geschuldet und drittens:
Der Lärm bleibt.
Corona ist die eine, der Klimawandel die andere große Krise. Deutschland will, dass der Tiroler Tourismus dem Virus Tribut zollt. Dann werden unsere lieben Nachbarn sicher kein Problem damit haben, ihre Automobilindustrie dem Klimaschutz zu opfern.

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