TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Mittwoch, 25. November 2020, von Gabriele Starck: "Der Albtraum wird enden"

Innsbruck (OTS) - Freunde treffen, Party feiern, die Oper besuchen und Fußball spielen. All das könnte in einem halben Jahr wieder zur Selbstverständlichkeit werden. Vorausgesetzt, es lassen sich bis dahin viele, sehr viele Menschen impfen.

Die beste Nachricht 2020: Das Jahr endet bald. Denn diese Botschaft ist mittlerweile mit der berechtigten Hoffnung verknüpft, dass schon zum Start ins neue Jahr der Albtraum der vergangenen Monate zu verblassen beginnt. Sofern der Mensch mitspielt.
Der erste Schritt ist getan. Binnen wenigen Monaten ist es gelungen, Impfstoffe für ein Virus zu entwickeln, das vor einem Jahr noch nicht einmal bekannt war. Das seither weltweit Hunderttausende umgebracht und Gesellschaft, Bildung und Wirtschaft ausgebremst hat. SARS-CoV-2 war zugleich aber auch Motivationsschub für den Forscher-und Entwicklergeist im Menschen, einen Weg zu finden, den Erreger aufzuhalten, ihm die Chance zu nehmen, sich zu vermehren. Das Ziel dürfte erreicht sein. Die Daten jener drei Impfstoffe, die kurz vor der Zulassung stehen, sind vielversprechend und keineswegs nur PR der Pharmakonzerne. Die Wirkung und Zuverlässigkeit werden nicht weniger streng geprüft als bei Impfstoffen bisher. Auch die Zahl an notwendigen Kandidaten für die klinischen Testphasen unterscheidet sich nicht von herkömmlichen Verfahren. Während einer Pandemie sind Zehntausende Phase-III-Kandidaten, die einem Infektionsrisiko ausgesetzt sind, allerdings sehr viel schneller aufzutreiben als sonst.
Auch der zweite Schritt ist bereits vollbracht. Österreich wird im Laufe des nächsten Jahres ausreichend Impfdosen für alle erhalten, und das zu vernünftigen Konditionen. Zu verdanken hat das Österreich, wie 26 andere Staaten auch, der Mitgliedschaft in der EU. Die Gemeinschaft ist eine äußerst mächtige Verhandlungspartnerin in der Welt, auf sie will kein Pharmakonsortium verzichten. Und so konnte sich die EU bei sechs aussichtsreichen Kandidaten Kontingente sichern, letzten Meldungen zufolge nämlich auch für das Vakzin von Moderna, das als zweites zugelassen werden dürfte.
Nun aber folgt der dritte und entscheidende Schritt: Kein noch so wirkungsvoller Impfstoff, keine noch so ausgeklügelte Logistik hat eine Chance, wenn der Mensch nicht mitspielt.
Nur wer sich impfen lässt, hilft dabei, den Albtraum, in dem sich derzeit vor allem Europa und Amerika befinden, enden zu lassen. Nur wer sich impfen lässt, trägt dazu bei, das Leben vieler Menschen zu retten, jener, die im Alter ihr Leben noch genießen wollen und sollen. Denn wer sich impfen lässt, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch alle anderen. Und das sollte als Mensch Grund genug sein.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung
0512 5354 5101
chefredaktion@tt.com

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001