22. Journalistinnenkongress: Neues Spiel – neue Regeln (5)

Wien (OTS) - Auch wenn die Welt vielerorts stillzustehen scheint – der 22. Journalistinnenkongress fand in diesem besonderen Jahr virtuell statt. Unter dem Motto „Neues Spiel - Neue Regeln“ standen beim diesjährigen Journalistinnenkongress vier Workshops mit unterschiedlichen Schwerpunkten im Mittelpunkt des Nachmittagsprogramms. Es wurde erzählt, diskutiert und appelliert.

Der schöne (?) Schein - Ist Erfolg von der äußeren Hülle, der Verpackung abhängig. Wie Vorurteilen begegnen, parieren, bekämpfen

Aussehen = Kompetenz? Definitiv nicht! In einer spannenden Diskussion teilten Eser Akbaba (Journalistin), Damita Pressl (Journalistin) und Kristine Schmidt (Trainerin für Digital-Journalismus) ihre Erfahrungen, Vorstellungen und Appelle in Bezug auf das Aussehen als (möglichen) Erfolgsfaktor mit. Dass das Äußere wichtig für den Erfolg ist, lässt sich nicht zur Gänze abstreiten, feststehen dürfte aber, dass das Aussehen niemals über den fachlichen und personellen Kompetenzen stehen darf. „Frau darf nicht als Objekt gesehen werden“, so Eser Akbaba. Damita Pressl ergänzt „Baut euren Selbstwert nicht auf eurem Aussehen auf, denn es ist vergänglich. Ja, Aussehen ist ein Faktor, der hilft, man darf sich allerdings nicht darauf reduzieren lassen.“ Kristine Schmidt rät dazu, ein Interview mit sich selbst zu führen und einen Prozess zu durchlaufen, sich zu fragen: Was kann ich alles? Und wie kann ich das nach außen präsentieren, um auf mich aufmerksam zu machen?

Wissenschaftsjournalismus - Männer erklären uns einmal mehr die Welt. Wie kann (Fach-)frau besser Gehör finden

„Journalist*innen leisten viel Informationsarbeit, die nicht direkt beim Publikum ankommt, während Social Media ihre News via feeds schnell und effizient verbreiten“, erklären Silja Kempinger (OÖ Medienfrauen, Medienkomptenz) und Aga Trnka-Kwiecinski (Uni Wien) im Workshop „Digitale Selbstverteidigung für Journalistinnen - Raus aus der Opferrolle“. In dieser Verteidigungsposition befinden sich Journalist*innen aktuell, daher muss Journalismus zielgruppengerecht aufbereitet werden. Laut Silja Kempinger ist „cross mediales Denken im digitalen Wandel besonders wichtig“. Da sich der Journalismus stetig verändert und verzweigt „müssen Frauen in diesem Prozess solidarisch einander beistehen, auch wenn sie inhaltlich nicht einer Meinung sind, um sichtbarer zu werden und den Opfer-Narrativen zu entkommen“, ergänzt Aga Trnka-Kwiecinski.

Digitale Selbstverteidigung für Journalistinnen - Raus aus der Opferrolle

Frauen verstehen auch etwas von der Welt. Obwohl Frauen im österreichischen Wissenschaftsjournalismus die Mehrheit bilden, sind es häufig Männer, die uns – auch während der Corona-Krise – als Experten die Welt erklären. Wie kann Fachfrau Gehör finden? Im gleichnamigen Workshop wurde versucht, darauf eine Antwort zu finden. Journalist*innen sollten etwa ein Archiv mit weiblichen Expertinnen anlegen, um darauf zurückgreifen zu können. „Wir müssen für uns selber entscheiden: wir möchten mehr Frauen zu Wort kommen lassen“, sagt Edith Heitkämper vom NDR Gesundheitsmagazin „Visite“. Expertinnen können ihre Kompetenz etwa mit einem Twitter-Account sichtbarer machen. Laura Nenzi von der TU-Wien weist aus Erfahrung darauf hin, dass Frauen in der Wissenschaft häufig erst dann zu einem Thema Stellung beziehen, wenn es komplett in ihrer Domäne liegt. Das sind oft die interessantesten Gespräche, findet Eva Stanzl von der Wiener Zeitung: „Es ist es wert, Frauen zu finden.“ Selbst aktiv Wissenschaftlerinnen und Expertinnen zu suchen liegt deshalb in der Verantwortung aller Journalist*innen, denn: „Es ist kein Gesetz, dass uns Männer die Welt erklären“, sagt Heitkämper.

Journalistische Arbeitsbedingungen - was nun? Technische Zukunftsmöglichkeiten, neue Berufsbilder und innovative Formen des Journalismus - wie kann frau selbstständig etwas Neues bauen

Der Weg in die Selbstständigkeit ist nicht leicht. Tipps für eine neue berufliche Laufbahn eröffneten Medienfrauen im letzten Workshop des Journalistinnenkongresses. „Ein Geschäftsmodell erarbeiten, eine passende Zielgruppe finden, sich wirtschaftliches Wissen aneignen“, das sind laut Lydia Ninz, Geschäftsführerin von Ajour, die wichtigsten Punkte, die Selbstständigkeit erfolgreich machen. Ajour ist eine Anlaufstelle für arbeitssuchende Journalist*innen und Ninz berät sie dabei, wie sie richtig agieren können, um in ihrem neuen Geschäftsfeld Erfolg zu haben. Im vierten Workshop des Journalistinnenkongress 2020 ging es also um Arbeitsbedingungen und Selbstständigkeit. Lena Marie Glaser von der Beratungsagentur Basically Innovative bringt dazu ein, dass es auf dem Weg zum beruflichen Durchbruch das wichtigste ist, dass man an sich selbst glaubt. Zudem müsse man „sich selbst zur Expertin eines Themas machen“. Schritt für Schritt könne man sich so mit anderen Menschen und Unternehmen vernetzen.

YoungStars: Iris Günsberg, Tania Napravnik, Viktoria Nedwed, Kristina Soyka

Weitere Diskussionsmöglichkeiten bieten die „Living-News-Talks“ im Anschluss an den 22. Journalistinnenkongress. Termine für die Role Models im Gepräch: 18. und 25. November sowie 2. Dezember 2020 jeweils ab 18 Uhr.

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