22. Journalistinnenkongress: Corona – Nie wieder das alte Spiel (3)

Wien (OTS) - In allen Lebensbereichen hat die COVID-19-Pandemie Einzug gefunden, ihre Auswirkungen betreffen auch den 22. Journalistinnenkongress, der erstmalig als virtuelle Veranstaltung ausgetragen wird. Bei den vielen negativen und einschneidenden Konsequenzen zeigt sich im Hinblick auf den Journalismus sehr deutlich: Medienfrauen müssen weiterhin stärker sichtbar sein. Dazu müssen sie sich untereinander besser vernetzen, um „die männlichen Machtzirkel“ aufzulösen und Gleichstellung der Geschlechter durchzusetzen.

Der Einfluss von Corona auf die Lebensbedingungen der Medienfrauen

Dass die „alten“ Spielregeln durch die Corona-Krise einen erneuten Aufschwung erleben, erläutert Kristin Allwinger von der Meinungsforschung Akonsult. Ihren Analysen zufolge sehen 46 Prozent der befragten Frauen eine Verstärkung der hierarchischen Strukturen im Arbeitsalltag. Das trifft vor allem auf Zoom-Meetings zu. Es wird vermehrt diktiert statt diskutiert. 47 Prozent der Medienfrauen sagen, dass sich die männlichen Machtzirkel ausweiten. Viele Frauen machen sich Sorgen um ihren Beruf. Zehn Prozent haben ihren Job verloren. Negative Auswirkungen auf privater Ebene sehen die befragten Frauen durch die Mehrfachbelastungen, aber auch durch finanzielle Engpässe. Aus der Umfrage geht letztendlich hervor, dass viele positive Errungenschaften hinsichtlich der Gleichstellung von Männern und Frauen durch Krisen schnell ins Wanken geraten. Es braucht neue Strategien für Frauen.

„Neues Spiel, neue Regeln“ - wie hat Corona den Journalismus verändert

Wie diese neuen Spielregeln bzw. neuen Strategien, um Frauen zu stärken, gestaltet werden müssen, diskutieren Wiebke Loosen vom Leibniz-Institut für Medienforschung, Maria Pernegger von Media-Affairs, Eva Konzett vom Falter, Katharina Mader vom Institut für Heterodoxe Ökonomie, WU Wien, und Martina Madner von der Wiener Zeitung. Maria Pernegger führt an, dass die österreichische Bundesregierung zwar gleichermaßen aus weiblichen und männlichen Personen zusammengesetzt ist, aber während der Corona-Krise treten vor allem die Minister in den Medien auf. Laut Pernegger liegt das Ungleichgewicht bei einem Verhältnis von 80 Prozent Männer zu 20 Prozent Frauen. Darüber hinaus ergibt sich aus ihrer Untersuchung, dass Frauen entweder Arbeitszeiten gekürzt haben, um der Kinderbetreuung nachzukommen, oder gar freiwillig gekündigt haben. Laut der Ökologin Katharina Mader führen die hohen Teilzeitquoten bei Frauen oft zu Altersarmut. Besonders gefährdet in der Krise sieht Wiebke Loosen die freien Journalistinnen.

Ergebnisse der Diskussionsrunde

Die wichtigsten Erkenntnisse der Expertinnen: Die Forschung muss mehr einbezogen werden, Väter müssen ihre Rolle aktiver wahrnehmen und Wirtschaftshilfen müssen nach fairen Kriterien vergeben werden. Die Förderungen sollen an die Qualität und nicht an die Auflagen geknüpft werden. Außerdem ist Wiebke Loosen davon überzeugt, dass Co-Leitungen zwischen Männern und Frauen in einer Arbeitsteilung durchaus realisierbar sind. In einer Sache sind sich alle einig: Frauen müssen sich gegenseitig unterstützen, um stark zu sein, und gerade in der Krise darf die Gleichstellungspolitik nicht in den Hintergrund geraten.

Ivana Frank, Youngstar

Weitere Diskussionsmöglichkeiten bieten die „Living-News-Talks“ im Anschluss an den 22. Journalistinnenkongress. Termine für die Role Models im Gepräch: 18. und 25. November sowie 2. Dezember 2020 jeweils ab 18 Uhr.

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