ÖIF-Podiumsdiskussion: Melisa Erkurt und Susanne Wiesinger über Herausforderungen der Integration in der Schule

Die Autorinnen Melisa Erkurt und Susanne Wiesinger im Gespräch mit Köksal Baltaci über aktuelle Herausforderungen und Chancen der Integration in österreichischen Schulen

Welche Rolle Eltern hinsichtlich des Bildungserfolgs ihrer Kinder haben, was Schulen und Pädagog/innen benötigen, um Herausforderungen im Kontext von Integration an Schulen gerecht zu werden und welche Auswirkungen Corona auf unser Schulsystem hat, wurde bei der Podiumsdiskussion des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) am 27. Oktober 2020 mit Melisa Erkurt und Susanne Wiesinger diskutiert. Das Podiumsgespräch im Kleinen Festsaal der Universität Wien wurde vom Innenpolitik- und Chronikredakteur der Tageszeitung “die Presse”, Köksal Baltaci, moderiert und per Live-Stream übertragen.

Erkurt: System an Lebensrealität der Kinder anpassen

Die Journalistin und ehemalige Lehrerin hat selbst Migrationshintergrund und veröffentlichte im Sommer das Buch „Generation Haram“ und appelliert darin, nicht allzu viel Hoffnung in die Mitarbeit der Eltern zu setzen: „Viele Eltern mit Migrationshintergrund können ihre Kinder im Schulsystem schlichtweg nicht so unterstützen, wie es das System erfordert. Das dürfen wir nicht einfach in Kauf nehmen. Es sind immer die Kinder aus den gleichen sozialen Milieus, die den Aufstieg nicht schaffen. Der Bildungserfolg darf nicht von den Eltern abhängen.“ Ein Schritt zur Lösung sind laut Erkurt Ganztagsschulen: „Man muss die Schule so strukturieren, dass man die Eltern nicht benötigt und dass sich Lehrer/innen auch nicht auf die Eltern verlassen müssen. Man muss das System an die Lebensrealität der Kinder anpassen, nicht umgekehrt.“

Wiesinger: Sprachbeherrschung als Grundvoraussetzung

Susanne Wiesinger, die seit 30 Jahren Lehrerin ist und auch an Brennpunktschulen in Wien unterrichtet hat, will die Eltern nicht aus ihrer Pflicht entlassen: „Man kann nicht erwarten, dass die Schule und die Lehrerinnen die Aufgaben der Eltern auch noch übernehmen. Aber das Schulsystem muss sich dahingehend ändern, dass es ganztägige qualitativ hochwertige Angebote gibt. Diese sind besonders wichtig für Kinder, denen das Elternhaus nur wenig Unterstützung im Bildungssystem bieten kann.“ Als Grundvoraussetzung sieht sie die deutsche Sprache: „Wer nicht kommunizieren und teilhaben kann, kann Schule auch nicht positiv erleben.“ Beide Diskutantinnen sprachen sich für ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr sowie für mehr gezielte Sprachförderungen für Eltern und Kinder aus.

Corona: Auswirkungen auf Integration und Schulen

Die Corona-Pandemie und die daraus resultierenden Sicherheitsbeschränkungen hätten für die Schulen „katastrophale Auswirkungen“, betont Wiesinger: „Alle Probleme, die vorher schon vorhanden waren, vertiefen sich. Der Draht zu vielen Elternhäusern ist verloren gegangen, da kein kontinuierlicher Schulbetrieb stattgefunden hat. Den Kindern und Jugendlichen fehlen sowohl der geschützte Rahmen der Schule als auch die sozialen Kontakte außerhalb der Familie.“ Erkurt: „Diejenigen, die schon vorher Probleme hatten, haben nun noch größere. Darunter fallen beispielsweise die mangelnde technische Ausrüstung und auch der Umgang mit dieser. Diese Lebensrealität der Schüler/innen wurde für viele Lehrer/innen erst durch die Corona-Pandemie sichtbar.“

Alle Informationen und das Gespräch zum Nachsehen finden Sie auf der Website des Österreichischen Integrationsfonds unter: www.integrationsfonds.at

ÖIF-Angebote für Pädagog/innen und Schüler/innen

Erfolgreiche Menschen mit Migrationshintergrund besuchen im Rahmen der Initiative ZUSAMMEN:ÖSTERREICH als Integrationsbotschafter/innen Schulen und Vereine und diskutieren dort mit den Kindern und Jugendlichen über Chancen und Herausforderungen der Integration. Aktuell finden die Schulbesuche digital statt. Für Pädagog/innen bietet der Österreichische Integrationsfonds Seminare zu Wertevermittlung in Schulen, Zahlen und Fakten über Integration sowie Herausforderungen und Lösungsansätze in der interkulturellen Elternarbeit. Darüber hinaus stellt der ÖIF ein breites Angebot an kostenlosen Deutschlernmaterialien und interaktiven Deutschlernübungen zur Verfügung.

Mehr Informationen finden Sie hier:

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Österreichischer Integrationsfonds
Kim Izdebski
+43 1 710 12 03 - 322
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