Tierschutz Austria zu EU-Agrarpolitik: Ein Desaster für Mensch, Tier und Umwelt

EU-Parlament schmetterte dringend nötige Agrarwende ab - mit schlimmen Folgen für Tiere, Menschen, Umwelt und Klima

Vösendorf (OTS) - Es hätte eine richtungsweise Entscheidung für die Zukunft werden sollen, geworden ist es für Tierschutz Austria (TSA) ein Destaster: Das EU-Parlament hat vergangenen Freitag über eine gemeinsame Agrarpolitik bis zum Jahr 2027 abgestimmt - mit einem vernichtenden Ergebnis für Nachhaltigkeit, Tierwohl und Umweltschutz. Anders gesagt: die dringend nötige Reform der EU-Agrarpolitik, die so genannte Agrarwende, wurde abgeschmettert. Statt Kleinbäuerinnen und -bauern, Klima, Tierwohl und gesundes Essen in Europa mit Steuergeld fördern, wird weiterhin der Agrarindustrie das Geld zugeschoben - zumindest für weitere sieben Jahre. „Ein schwarzer Tag für eine fortschrittliche EU-Politik. Die EU scheitert am Tierschutz, Klimaschutz und letztlich an ihren Grundwerten: Humanität für Menschen und Tiere. Außer immer unrealistischere Zielvorgaben zu setzen ist die GAP leider heiße Luft und fördert die Profitgier einiger Weniger“, sagt Vereinspräsidentin Madeleine Petrovic.

Reform eigentlich selbstverständlich

Und Petrovic ergänzt: „Es ist wissenschaftlich unbestritten, dass nicht nur der Klimawandel, sondern auch die immer ärgeren tierischen Krankheiten und Seuchen, die auf Menschen übergehen - Zoonosen und Pandemien - durch den Irrweg einer gigantischen Industrialisierung von Landwirtschaft und Tierhaltung verursacht werden. Gerade jetzt in Zeiten von Corona sollten die Zusammenhänge etwas klarer geworden sein und die Umsetzung einer nachhaltigen GAP hätte eine Selbstverständlichkeit sein sollen“.

All jene, die nun weiter auf nicht artgerechte Massentierhaltung und immer riesigere Strukturen, die mit Milliarden-Subventionen künstlich gestützt werden, gesetzt haben, werden sich einmal selbst die Frage stellen müssen, warum die Chancen zur Bewahrung der Lebensgrundlagen auf dieser unserer Erde wegen ein paar Lobbyisten und skrupellosen Agroindustriellen verspielt worden sind. Zudem ist damit auch klar, dass die europäische Landwirtschaft ihren Teil zum Erreichen der Pariser Klimaziele nicht beitragen wird können.

Schlimme Folgen

Das desaströse Abstimmungsergebnis zur GAP hat weitreichende Folgen: Denn Millionen an Nutztieren werden weiter unter den schrecklichen Bedingungen in der industriellen Landwirtschaft leiden müssen. Auch das Höfe-Sterben im kleinbäuerlichen Bereich wird weitergehen. EU-Staaten selbst dürfen keine höheren Standards etwa beim Tier- und Umweltschutz setzen. „Das heißt, fortschrittliche Versuche von Best-Practice-Modellen im Tierschutz als Basis für Förderungen sind unerwünscht. Bei der seinerzeitigen EU-Abstimmung in Österreich war noch die Rede von „Mindeststandards, die von den Mitgliedstaaten jederzeit übertroffen werden dürfen“, so Petrovic. Wenn Landwirte den EU-Anforderungen nicht nachkommen, so würde man erwarten, dass diese zu Unrecht erhaltenen Gelder voll zurückgezahlt werden müssen, aber - weit gefehlt. Nur bis zu zehn Prozent der Fördergelder sollen gekürzt werden dürfen. Das ist zwar mehr als die bisherigen fünf Prozent, aber immer noch skandalös wenig. „Das alles ist blanker Irrsinn und ein unfassbarer Rückschritt, noch dazu in Zeiten wie diesen“, so Petrovic.

Im Hinblick auf die Produkte aus der Landwirtschaft, hat man sich auch in einer Abstimmung letzten Freitag darauf verständigt, dass vegane Lebensmittel weiterhin die Bezeichnungen ihrer fleischlichen Pendants tragen dürfen. Aber auch hier ein gewaltiger Wermutstropfen: Hafermilch darf nicht mehr so heißen.

Über Tierschutz Austria

Tierschutz Austria - der neue Auftritt des Wiener Tierschutzvereins: Tierschutz Austria (TSA) ist erste Anlaufstelle für tierische Notfälle und bringt bald 175 Jahre Expertise in Sachen Tierhaltung und Tierpflege mit, bietet praktische Hilfe für Haus-, Wild- und Nutztiere (erstklassige Versorgung, Pflege und Vermittlung). Des Weiteren setzt sich TSA für die Rechte der Tiere ein, für faire Lebensbedingungen und artgerechte Haltung und den Erhalt von Arten und Lebensräumen. In ganz Österreich. UnterstützerInnen können sich auf www.tierschutz-austria.at informieren.

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