Tierschutz Austria: Weil es eben nicht „WURST“ ist

Leider keine Satire: Das Veggie-Würstel soll nicht mehr so heißen dürfen, die Haltungsform der Tiere für die Variante aus Fleisch scheint der EU hingegen „wurst“ zu sein.

Vösendorf (OTS) - Schlauch statt veganem Würstel? Bratscheibe statt Veggie-Burger? Da grassiert eine Pandemie auf unserem Planeten, die in der Form nie dagewesene Schäden anrichtet und uns vor große wirtschaftliche, gesellschaftliche, soziale und politische Herausforderungen stellt und stellen wird. Zur gleichen Zeit stimmen führende Politiker, sprich jene im EU-Parlament, darüber ab, ob fleischlose Lebensmittel künftig noch die gleichen Bezeichnungen wie ihre Counterparts tierischen Ursprungs behalten dürften. Leider entstammt dies nicht der Feder eines Bestsellerautors, der dystopische Endzeitromane verfasst oder aus einem Satiremagazin, sondern es handelt sich um traurige Realität.

Dumme Konsumenten?

Denn genau um diese Frage geht es dieser Tage im EU-Parlament. Für Organisationen wie Tierschutz Austria (TSA) nicht nur ein blanker Hohn für alle Nutztiere, sondern auch für alle Konsumentinnen und Konsumenten. Denn die Fleischlobby, die gerne ein reaktionäres Verständnis von Landwirtschaft vertritt, sieht diese Bezeichnungen als irreführend an. Sie ortet eine Verwechslungsgefahr für die Konsumentinnen und Konsumenten und begrüßt daher eine Umbenennung von Lebensmitteln nicht tierischen Ursprungs. Oder anders ausgedrückt: Man hält die Menschen in ganz Europa für zu dumm, Fleisch von veganen und vegetarischen Alternativen im Supermarktregal zu unterscheiden.

Ist der Name schuld?

Statt die Intelligenz der Europäerinnen und Europäer zu beleidigen, sollte sich das EU-Parlament auf den wirklich wichtigen Aspekt in der Nutztierhaltung konzentrieren: Die Haltungsbedingungen, den Transport und die Schlachtung von Nutztieren, die für die Lebensmittelherstellung gedacht sind, endlich zu verbessern. Denn es liegt sicherlich nicht am Namen der Gerichte, dass Fleischkonsum – vor allem bei jüngeren Menschen – mittlerweile in Verruf geraten ist. Denn leider dominiert immer noch das Billigfleisch Europas Märkte.

Ihre Sorgen - möchten wir nicht haben

Es ist angesichts der Corona-Pandemie so hoch an der Zeit wie noch nie, den Umgang mit Tieren zu überdenken und die Mindeststandards in der Nutztierhaltung zu verbessern. Eine Änderung der Nomenklatur bringt nichts, außer eine Beschäftigungstherapie für das EU-Parlament, das eigentlich dringendere Dinge zu beschließen hätte. Es stellt sich schon die Frage, welche Sorgen das EU-Parlament oder zumindest jene Abgeordneten, die diesen abstrusen Antrag eingebracht haben oder unterstützen, haben müssen, dass sie sich über Würstel, Schnitzel, Gemüsescheiben und dergleichen mehr Gedanken machen.

Der Name ist „wurst“, die Transparenz nicht

Daher nun der keineswegs zynisch gemeinte Appell von Tierschutz Austria: Der Soja-Burger soll weiterhin Soja-Burger heißen dürfen. Es ist eher darauf zu achten, dass nicht nur die Regionalität, sondern vor allem die Kennzeichnung nach Haltungssystemen von Nutztieren in ganz Europa forciert wird. Beispielsweise wie bei der Kennzeichnung von Eiern in Österreich nach einer Skala von 0 bis 3 – das schafft wahre Transparenz für die Kundinnen und Kunden. Denn die Herkunft und Haltungsform ihrer Lebensmittel ist für die Konsumentinnen und Konsumenten die wichtigste Information, was die Qualität betrifft. Der Name hingegen nicht, der ist „wurst“. Sonst muss man bald fürchten, dass die EU-Bürokraten auch über eine Umbenennung von Sonnenmilch auf „kosmetische Anti UV-Zubereitung“ abstimmen lassen.

Über Tierschutz Austria

Tierschutz Austria - der neue Auftritt des Wiener Tierschutzvereins: Tierschutz Austria (TSA) ist erste Anlaufstelle für tierische Notfälle und bringt bald 175 Jahre Expertise in Sachen Tierhaltung und Tierpflege mit, bietet praktische Hilfe für Haus-, Wild- und Nutztiere (erstklassige Versorgung, Pflege und Vermittlung). Des Weiteren setzt sich TSA für die Rechte der Tiere ein, für faire Lebensbedingungen und artgerechte Haltung und den Erhalt von Arten und Lebensräumen. In ganz Österreich. UnterstützerInnen können sich auf www.tierschutz-austria.at informieren.

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