Das Leiden der Schweine in Österreich

VIER PFOTEN fordert trotz Verschiebung von Anschobers Tierschutzgipfel dringende Maßnahmen für Verbesserungen in der Schweinehaltung

Wien (OTS) - Im Jahr 2019 hat der durchschnittliche Österreicher laut Statistik Austria 62,6 Kilo Fleisch gegessen, mehr als die Hälfte davon (36,4 Kilo) war Schweinefleisch. Nach wie vor ausgeblendet wird, dass dieses Fleisch vorwiegend von Tieren kommt, die in der in Österreich vorherrschenden Haltungsform ihre natürlichen Bedürfnisse nicht ausleben können und systematisch krank gemacht werden. Der von Minister Anschober angekündigte Folgetermin seines Tierschutzgipfels im Oktober hatte Hoffnung gegeben, dass nun endlich Verbesserungen in der Schweinehaltung angestoßen werden. Doch durch die Corona bedingte Verschiebung der Veranstaltung (es ist ein Termin im Dezember angekündigt) droht weiterer Stillstand in der Branche. Schweine sind die am schlimmsten ausgebeuteten Tiere in Österreich und Maßnahmen für eine bessere Haltung sind seit Jahrzehnten überfällig.

Unglaubliche fünf Millionen Schweine leben pro Jahr in Österreich. 2,7 Mio. männliche Ferkel werden jährlich in den ersten Tagen ihres Lebens ohne Betäubung kastriert, die Schwänze werden routinemäßig kupiert. Über 60 Prozent der in Österreich gehaltenen Schweine müssen auf sogenannten Vollspaltenböden aus Beton und ohne Stroheinstreu leben. Durch die harten und kalten Steh- und Liegeflächen leiden sie unter Gelenksentzündungen, Lungenkrankheiten, ausgelöst durch die Ammoniakdämpfe, sowie Verhaltensstörungen. Einem Mastschwein bis 110 Kilogramm stehen in der konventionellen Haltung gerade einmal 0,7 Quadratmeter, ab einem Gewicht von 110 Kilogramm ein einziger Quadratmeter zur Verfügung, zudem haben die Tiere keinen Zugang zum Freien.

„Es ist eine Schande für Österreich. Während wir bei anderen Nutztierarten häufig deutlich bessere gesetzliche Haltungsbedingungen haben, sind die Mindeststandards in der Schweinehaltung auch im EU-Vergleich schlecht. Die 1. Tierhaltungsverordnung muss dringend überarbeitet werden! Sowohl die Politik als auch die Branche selbst bewegen sich viel zu langsam“, sagt VIER PFOTEN Kampagnenleiterin Veronika Weissenböck.

Tiere werden „zurechtgestutzt“

98 Prozent der Schweine in Österreich leben in konventioneller Haltung, lediglich zwei Prozent in Bio-Haltung, die den Tieren ein artgemäßeres Leben bietet. Bisher berücksichtigt die intensive Schweinehaltung kaum die natürlichen Verhaltensweisen der Tiere – im Gegenteil: Ihre natürlichen Bedürfnisse werden unterdrückt, sie können sich nicht genügend bewegen. Wichtige Grundbedürfnisse wie Körperpflege, Sozial-, Erkundungs-, Nahrungssuch- und Nestbauverhalten können nicht ausgelebt werden – und das, obwohl Schweine besonders neugierige, intelligente und soziale Tiere sind. Die Folgen sind schwere physische und psychische Schäden.

„Aus Tierschutzsicht ist das inakzeptabel. Hier werden die Tiere dem Haltungssystem angepasst und dafür zurechtgestutzt. Es sollte aber genau umgekehrt sein: Die Haltung sollte den Bedürfnissen der Tiere angepasst sein“, meint Weissenböck.

Neue VIER PFOTEN Petition

Die letzte Novellierung der 1. Tierhalteverordnung im Jahr 2017 war eine große Enttäuschung für den Tierschutz. Die Regierung, damals eine Koalition von SPÖ und ÖVP, griff die heißen Eisen nicht an und setzte weder ein Verbot von Vollspaltenböden noch der betäubungslosen Ferkelkastration um. Veronika Weissenböck: „Es ist an der Zeit, dass die beiden zuständigen Ministerien von Anschober und Köstinger Nägel mit Köpfen machen. Was hier in Österreich passiert, ist eine Schande und kann nicht weiter unter dem Deckmantel der Regionalität schöngeredet werden. Deshalb haben wir auch eine neue Petition – gerichtet an die beiden Ministerien – aufgesetzt. Wir rufen die Bevölkerung auf, sich unseren Forderungen anzuschließen, um ein für alle Mal zu zeigen, dass die Österreicherinnen und Österreicher solche Zustände nicht mehr haben wollen.“

Die Petition kann unter www.vier-pfoten.at/schweineleid unterzeichnet werden.

Ein krisenanfälliges System

Die Politik muss Anreize und Fördersysteme schaffen, damit es sich lohnt, in bessere Haltungsstandards zu investieren. „Wir unterstützen faire Preise für Produzenten, die tiergerechter produzieren. Tierische Lebensmittel müssen wieder ihren wahren Wert bekommen“, so Weissenböck. „Denn die derzeitigen Billigpreise -wir erinnern uns an Aktionen mit Riesenschnitzeln um € 2,50 - bedeuten für die Landwirte einen Riesendruck.“

Im Endeffekt, erklärt Weissenböck, zahlen aber nicht nur Landwirte und Tiere den Preis, sondern wir alle. „Das derzeitige System, das auf Ausbeutung von Tier und Mensch basiert, ist extrem krisenanfällig. Das haben uns nicht zuletzt die vielen Corona-Infektionen in Schlachthöfen gezeigt. Der Klimakiller Billigfleisch entzieht uns auch die Lebensgrundlage. Denn laut aktuellen Studien wird bei der Haltung auf Vollspaltenböden doppelt so viel Methan ausgestoßen wie in der Schweinehaltung mit Stroh. Und die meisten Schweine in Österreich werden mit genmanipuliertem Soja aus Übersee gefüttert, für dessen Anbau Regenwälder gerodet werden. Wir wissen alle mittlerweile, welche verheerenden Auswirkungen das auf die Artenvielfalt und das Klima hat.“

Petition gegen das Leid der Schweine
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Sabine Großhaupt
Tel: +43 664 848 55 95
Mail: sabine.grosshaupt@vier-pfoten.org

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