Volkshilfe: „Während auf Lesbos Kinder auf der Straße schlafen, müssen wir Quartiere schließen.“

Volkshilfe richtet Appell an die Bundesregierung, Österreichs Hilfstradition gerecht zu werden.

Wien (OTS) - In Moria leben nach den Bränden der Vorwoche Tausende Menschen, darunter viele Kinder und Jugendliche, auf der Straße. In Linz wiederum ist die Volkshilfe gezwungen, das letzte Quartier für unbegleitete Flüchtlinge zuzusperren.
„Diese Situation ist nicht nur paradox, sie ist skandalös“, erklären dazu Volkshilfe Österreich-Direktor Erich Fenninger und Volkshilfe OÖ-Vorsitzender Dr. Michael Schodermayr. Beide fordern erneut die Aufnahme einer namhaften Anzahl unbegleiteter Minderjähriger in Österreich. Allein die Volkshilfe Oberösterreich sei in der Lage, sofort 250 unbegleitete Kinder und Jugendliche in bestehende Quartiere aufzunehmen und dort auch zu betreuen. „Wir haben die Möglichkeiten, die Mittel, die Erfahrung und auch viele hilfsbereite Menschen, um diesen Flüchtlingen zu einem würdigen Dasein zu verhelfen. Diese Aufnahme und Betreuung würde viel Leid lindern und keineswegs zu Lasten der heimischen Bevölkerung gehen“, sagt auch Christian Schörkhuber als Geschäftsführer der Volkshilfe Flüchtlings- und Migrantenbetreuung in Oberösterreich.

Letztes Quartier musste geschlossen werden
Eines der erwähnten Quartiere befindet sich in der Linzer Raimundstraße. Dieses bot Platz für rund 30 Jugendliche, musste vergangenen Woche jedoch – während auf Lesbos Kinder auf der Straße leben und schlafen müssen – nach rund 20 Jahren mangels Zuweisungen geschlossen werden. „Die Volkshilfe Oberösterreich war 1997 österreichweit eine der ersten Organisationen, die Quartiere für unbegleitete Minderjährige eingerichtet haben. Von den dann insgesamt neun Quartieren für zirka 300 Jugendliche mussten wir nun auch das letzte hier in Linz schließen“, so Schörkhuber. Für ihn, Fenninger und Schodermayr „die Folge der Hardliner-Flüchtlingspolitik der vergangenen Jahre und einfach unerträglich“.

Haltung der Bundesregierung „zynisch“
Ins gleiche Horn stößt auch Judith Ranftler als Bereichsleiterin Asyl & Migration bei der Volkshilfe Österreich. „Die Hilfe für schutzsuchende Menschen hat für die Volkshilfe eine lange Tradition. Deshalb ist für uns die unmenschliche und zynische Haltung der Bundesregierung unerträglich. Die Zivilgesellschaft hat 2015 geholfen und für viele Menschen Hoffnung und neue Lebenschancen gebracht. Netzwerke und Kontakte wurden geknüpft, auch für die Integration wurde viel geleistet. Und wir sind auch jetzt wieder bereit, Menschen in unbeschreiblicher Not zu helfen. Die Ressourcen sind vorhanden, die Bereitschaft auch. Jetzt braucht es nur mehr ein Go der Regierung und Österreich ist international nicht mehr isoliert, sondern wird seiner Hilfstradition gerecht.“

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