GLOBAL 2000-Klimareport: Stabile, statt sinkende Treibhausgasemissionen in Wien

Großer Anteil an Gasheizungen, niedrige Sanierungsrate und nach wie vor hohe Verkehrsbelastung als Hauptprobleme.

Wien (OTS) - In einem großen Klimaschutzbericht, welcher im Rahmen der Umweltinitiative Mutter Erde veröffentlicht wird, untersucht die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 die Fortschritte der Bundesländer beim Klimaschutz seit 2010. Das Bild zeigt für Wien noch großen Handlungsbedarf: „In Wien konnten die Treibhausgasemissionen in den letzten Jahren nicht gesenkt werden, sondern bleiben weitgehend stabil. Das sollte zum Anlass genommen werden, um bisherige Strategien und Maßnahmen zu überarbeiten. Das Hauptproblem sind ein hoher Anteil fossiler Energie in der Fernwärme, der große Anteil von Gasheizungen, die niedrigste Sanierungsrate in Österreich und eine nach wie vor hohe Verkehrsbelastung. Pluspunkte sind die österreichweit niedrigsten Pro-Kopf-CO2-Emissionen und der höchste Anteil des öffentlichen Verkehrs“, betont Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von GLOBAL 2000.

Niedrigste Pro-Kopf-CO2-Emissionen in Österreich
In Wien sind die Treibhausgasemissionen seit 2010 um 0,3 % angestiegen. Damit bleibt der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgasemissionen weitgehend stabil. Um die Klimaziele zu erreichen, ist aber eine rasche und starke Senkung des Ausstoßes von Treibhausgasen notwendig. Während die Emissionen im Gebäudesektor gesenkt werden konnten, sind die Verkehrsemissionen in Wien angestiegen. Wien hat - begünstigt durch die städtische Lage - mit kurzen Wegen und kompakten Gebäuden dennoch mit 3,5 t die mit Abstand geringsten Pro-Kopf-CO2-Emissionen in ganz Österreich. Allerdings müssen die Emissionen nicht nur Pro Kopf, sondern in Summe gesenkt werden. Die Erreichung von Klimazielen darf nicht vom Bevölkerungswachstum abhängig gemacht werden. Kritisch ist in diesem Zusammenhang zu sehen, dass es in Wien keine mittel- und langfristigen Ziele zur absoluten Senkung von Treibhausgasemissionen gibt, wie es die klimawissenschaftlichen Erkenntnisse klar erfordern.

Hoher Anteil fossiler Energie im Wärmebereich
Kritisch ist der hohe Anteil fossiler Energie im Wärmebereich. Der Anteil der Fernwärmeerzeugung aus erneuerbaren Quellen liegt derzeit bei nur 15,4 %, wobei vor allem Bioenergie eingesetzt wird. Eine Strategie zur Umrüstung der Fernwärme auf erneuerbare Energie ist für Wien essenziell, denn 45,2 % der Hauptwohnsitze sind an das Fernwärmenetz angeschlossen.

Auch Abseits der Fernwärme ist der Anteil fossiler Energie hoch: 47 % der Haushalte haben ein fossiles Heizgerät, wobei Erdgas mit einem Anteil von 45,5 % klar dominiert. Nach Niederösterreich ist das der höchste Anteil fossiler Heizsysteme in ganz Österreich. Gleichzeitig liegt die thermisch-energetische Sanierungsrate in Wien im Jahr 2018 bei nur 1 %. Das ist der niedrigste Wert in ganz Österreich und weit entfernt von der notwendigen Sanierungsrate von 3 %. „Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Ein klarer Plan für den Ausbau erneuerbare Energie im Bereich der Fernwärme, ein Ausstiegsplan aus Gasheizungen sowie eine neue Sanierungsoffensive, um Gebäude klimafit zu machen, sollte zu den Top-Prioritäten der Wiener Stadtregierung gehören“, sagt Wahlmüller.

Höchster Anteil des Umweltverbunds im Mobilitätsbereich
In Wien werden 25 % der Wege mit dem motorisierten Individualverkehr (MIV), 38 % mit dem öffentlichen Verkehr, 7 % mit dem Fahrrad und 30 % zu Fuß zurückgelegt. Damit weist die Stadt Wien österreichweit den mit Abstand höchsten Anteil des öffentlichen Verkehrs auf. Anreize für den Umstieg auf den öffentlichen Verkehr werden gesetzt: Seit 2012 ist in Wien für den öffentlichen Verkehr eine Jahreskarte für 365 € erhältlich. Das ist österreichweit die günstigste Jahreskarte für den öffentlichen Verkehr. Beim Radverkehr liegt Wien allerdings im Österreichschnitt, obwohl das Potenzial angesichts vieler kurzer Wege in der Stadt sehr groß ist.

Der Motorisierungsgrad liegt bei 374,0 PKW/1.000 EW und ist seit 2010 um 5,1 % gesunken. Wien ist damit das einzige Bundesland, in welchem der Motorisierungsgrad gesunken ist, und damit die PKW-Dichte bezogen auf die Einwohnerzahl sinkt. Allerdings stieg die Einwohnerzahl stark an. Steigende Emissionen im Verkehrsbereich zeigen somit klar auf, dass die Verkehrsbelastung nach wie vor hoch ist und weitere Schritte notwendig sind: „Es braucht jetzt klare und verbindliche Strategien für den Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle bis spätestens 2040 sowie neue Initiativen, um leistbare und umweltfreundliche Mobilität vorantreiben zu können. Staus, Lärm und gesundheitsschädliche Abgase müssen reduziert werden. In Wien gilt es, den öffentlichen Verkehr weiter auszubauen und insbesondere den Radverkehr zu stärken, da hier noch große Potenziale vorhanden sind“, sagt Wahlmüller.

Viele positive Initiativen weisen den Weg
Positiv sieht GLOBAL 2000, dass es viele Initiativen von Vereinen, Unternehmen und Einzelpersonen gibt, die erfreuliche Veränderungen auf den Weg bringen wollen. Diese Initiativen sind bereits Teil der Veränderung und sollten gefördert und ausgebaut werden. Sie sind Labore für eine bessere Zukunft und können den Grundstein für eine Transformation hin zu einem klimafreundlichen Wien legen. Eine kleine Auswahl an positiven Beispielprojekten ist für Wien in der Studie (ab S. 50) enthalten.

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Presseaussendung Die Bundesländer im Vergleich.

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Rückfragen & Kontakt:

Lydia Matzka-Saboi, GLOBAL 2000 Pressesprecherin, 0699 14 2000 26, lydia.matzka@global2000.at
Johannes Wahlmüller, GLOBAL 2000 Klima- und Energiesprecher, 0699 14 2000 41, johannes.wahlmueller@global2000.at

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