Österreich & Osteuropa: Coronakrise stellt die Wirtschaftsbeziehungen vor die größte Zerreißprobe seit den 1990er-Jahren.

Das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) präsentiert eine neue Studie zu Österreichs Wirtschaftsbeziehungen mit Osteuropa.

Wien (OTS) - Einige der wichtigsten osteuropäischen Wirtschaftspartner Österreichs sind von der Coronakrise besonders stark betroffen. Obwohl der Tiefpunkt des ersten Schocks überwunden scheint, könnten erneut steigende Infektionszahlen einen weiteren wirtschaftlichen Abschwung in der Region und damit einen Rückschlag für Österreich nach sich ziehen. Mittelfristig könnte die Krise jedoch einen wirtschaftlichen Wandel in den Ländern in Mittel-, Ost- und Südosteuropa (MOSOEL) auslösen, von dem auch Österreich profitieren kann.

Die wichtigsten Studienergebnisse in Kürze:

  • MOSOE erlebt das schlechteste Wirtschaftsjahr seit Mitte der 1990er-Jahre, mit unmittelbaren Auswirkungen für österreichische Unternehmen und Banken, die mit beträchtlichen Investitionen in der Region vertreten sind. In zwölf MOSOEL gehört Österreich zu den Top 5 Investoren, in weiteren vier Ländern reiht es sich unter die Top 10.
  • Österreich ist auch der drittgrößte ausländische Investor in Belarus, wodurch seine Unternehmen der anhaltenden politischen Krise und ihren potenziellen wirtschaftlichen Auswirkungen ausgesetzt sind. Österreichs Anteil an den ausländischen Investitionen belief sich im Jahr 2019 auf 11,4% und war damit mehr als viermal so hoch wie der Anteil Deutschlands.
  • Einige der wichtigsten Wirtschaftspartner Österreichs in MOSOE, wie etwa Kroatien und die Slowakei, sind aufgrund ihrer Abhängigkeit vom Tourismus oder vom Außenhandel besonders stark betroffen. Der erwartete Wirtschaftseinbruch um rund 10% fällt damit deutlich stärker aus als nach der Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2008.
  • Die Bedeutung der MOSOE für die österreichische Wirtschaft wird in der Coronakrise besonders deutlich sichtbar. Österreich ist in hohem Maße von Arbeitsmigration aus der Region – auch für systemrelevante Berufe – abhängig. Zudem spielen sie als Herkunftsländer für den Tourismus eine wichtige Rolle.
  • In den meisten Volkswirtschaften in MOSOE ist die akute Krise voraussichtlich überstanden. Eine Erholung wird ab dem kommenden Jahr erwartet, wobei Wirtschaftsprognosen in der aktuellen Ausnahmesituation mit großer Unsicherheit behaftet sind.
  • Steigende Infektionsraten in einige MOSOEL und die bevorstehende kältere Jahreszeit bergen jedoch die Gefahr, dass sich die epidemiologische und wirtschaftliche Situation wieder verschlechtern und weitere negative Auswirkungen auf österreichische Investoren, Banken und letztlich auch auf die heimische Wirtschaft haben könnte.
  • Die Krise hat die Digitalisierung in MOSOE stark beflügelt. Dadurch könnte sich das Wirtschaftsmodell der Region weiter entwickeln, wovon auch Österreich profitieren würde.
  • Bemühungen internationale Wertschöpfungsketten krisenresistenter zu gestalten könnten zu einer Diversifizierung der Handelspartner und verstärktem „Nearshoring“ führen, was den MOSOEL und insbesondere dem Westbalkan zugutekäme.

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte unserer Pressenotiz:https://wiiw.ac.at/german-pnd-82.pdf

Die wiiw Studie „Nachbarschaftsbeziehungen auf dem COVID-Prüfstand. Analyse zu Österreichs Wirtschaftsbeziehungen mit Mittel-, Ost- und Südosteuropa“ von Julia Grübler und Alexandra steht unter diesem Link zum Download bereit: https://wiiw.ac.at/p-5399.html

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Julia Grübler, Autorin und wiiw Ökonomin (gruebler@wiiw.ac.at)
Veronika Janyrova, wiiw Pressekontakt (janyrova@wiiw.ac.at)

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