Tschetschenische Sittenwächter: Update zum Ermittlungsstand

Nachtrag zur OTS-Meldung vom 13.08.2020

Wien (OTS) - Wie Mitte August veröffentlicht, bestehen seit Februar 2020 Ermittlungen des LKA Wien, Gruppe Bandenkriminalität, gegen eine Gruppierung selbsternannter „Sittenwächter“ aus Tschetschenien. Die Organisation war hierarchisch strukturiert und in geheimen Chatgruppen organisiert.

Die Gruppierung beobachtete und dokumentierte das Verhalten tschetschenisch-stämmiger Frauen im Internet und auch im öffentlichen Raum. Wurde ein „Fehlverhalten“ einer Frau festgestellt, leitete man Maßnahmen ein, wie etwa „Belehrungen“, Aushängen von Fotos (auch vor Gebetsräumlichkeiten), Verfolgung oder auch körperliche Misshandlungen wegen der Nichtbefolgung der islamistisch-konservativ beeinflussten Parallelnormen („Adat“).

Die Organisation handelte vorwiegend in Chatgruppen auf verschiedenen Plattformen, wo das „sittenwidrige“ Verhalten der Frauen beobachtet und protokolliert wurde. Es wurden auch absichtlich geschlossene Chatgruppen verwendet, um mögliche Ermittlungen zu erschweren.

Mittlerweile werden in dem Ermittlungsakt elf namentlich bekannte Personen, davon eine Frau, als Beschuldigte geführt (alle Stbg: Russ. Förderation). Davon befinden sich derzeit vier Personen in Untersuchungshaft. Die Anzeigen lauten auf Gründung einer kriminellen Vereinigung sowie eines verbrecherischen Komplotts und Nötigung.

Aufgrund der gesichteten Daten und der bislang erworbenen Erkenntnisse dürfte es aber eine hohe Dunkelziffer weiterer unbekannter Täter geben, die in verschiedenen Formen der kriminellen Struktur zugearbeitet hatten. Auf Opferseite sind derzeit zehn Frauen namentlich bekannt. Die Zahl der Opfer könnte aber durchaus im dreistelligen Bereich liegen.

Im Zuge von Hausdurchsuchungen wurden nämlich erhebliche Mengen an Datenmaterial in Form von Chatprotokollen, Bildern und Videos sichergestellt. Die Sichtung und Auswertung dieser Daten dauerte mehrere Wochen. Auf einem Laptop fanden die Beamten eine Datenbank, wo akribisch die Online-Aktivitäten hunderter junger Frauen gesammelt wurden. Welche dieser Frauen aber tatsächlich Opfer der kriminellen Gruppe geworden sind, ist noch unklar.

Es wurden auch Videos gesichert, wo unbekannte Personen körperlich misshandelt werden. Es gibt nun auch Hinweise auf weitere strafbare Handlungen. Die Verdachtsmomente gehen in Richtung Waffenhandel, Freiheitsentziehung, schwere Körperverletzung und KFZ-Diebstahl. Die Ermittlungen hierzu laufen gegen unbekannte Täterschaft.

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