„kreuz und quer“ über die Entwicklung von Frustrationstoleranz und Wege aus der Einsamkeit

„Frustration ist nicht umsonst“ und „Ganz schön allein“ am 1. September ab 22.35 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) - Frustration kommt dann auf, wenn man das Gefühl hat, dass die Anstrengung umsonst war. Doch wer eine weitere Perspektive auf das Dasein hat, ist weniger gefährdet, sich von den vielen ermüdenden und frustrierenden Begebenheiten des Alltags kleinkriegen zu lassen. Hilfreich ist dabei die Haltung der sogenannten Frustrationstoleranz. Carola Timmels „kreuz und quer“-Dokumentation „Frustration ist nicht umsonst“ untersucht am Dienstag, dem 1. September 2020, um 22.35 Uhr in ORF 2, wie Frustrationstoleranz entwickelt und kultiviert werden kann.
In Österreich ist jeder dritte Haushalt ein Singlehaushalt. Immer mehr Menschen sind „ganz schön allein“. Einsamkeit ist keine Krankheit – aber sie kann krank machen. Die „kreuz und quer“-Dokumentation „Ganz schön allein – Wege aus der Einsamkeit“ von Eva Hödlmoser und Michael Cencig begleitet um 23.15 Uhr in ORF 2 Menschen, die das Alleinsein genießen, und solche, die leidvolle Erfahrungen mit der Einsamkeit gemacht haben.

„Frustration ist nicht umsonst“ – Ein Film von Carola Timmel

Wenn eine hohe Erwartungshaltung unerfüllt bleibt, stellt sich Frustration ein. Das Gefühl macht sich breit, dass alle Anstrengungen umsonst waren. Emotionen und Gedanken des Versagens und der Ohnmacht lähmen die vitalen Kräfte. Und vielleicht – je nach Charakter – regen sich auch aggressive Gefühle. Wer hingegen auf Enttäuschungserfahrungen dieser Art mit einer gewissen Gelassenheit reagieren kann und den niederdrückenden Emotionen Grenzen zu setzen vermag, hat offensichtlich eine ausgeprägte Frustrationstoleranz. Und diese lässt sich Schritt für Schritt einüben – und macht innerlich freier. Frustration ist nicht umsonst. Carola Timmel hat für ihren „kreuz und quer“-Film Menschen getroffen, die auf dem Weg zu einer höheren Frustrationstoleranz bereits Fortschritte gemacht haben – ohne dass sie Rückschritte verschweigen. Der Film macht auch deutlich, dass eine weitere Perspektive auf das Dasein es leichter möglich macht, sich von den vielen ermüdenden und frustrierenden Begebenheiten des Alltags nicht kleinkriegen zu lassen: Unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit relativiert sich so manches irdische Ärgernis. Frustrationstoleranz hat so gesehen auch eine spirituelle Dimension.

Reza Khabbaz, ehemaliger Profi-Musiker, ist jemand, der Frustration gut kennt. Sein Gitarrenspiel musste der ehemalige Profi-Musiker wegen einer Krankheit aufgeben, bei der die Finger plötzlich streiken. Nach einem Tiefpunkt vor einigen Jahren suchte er nach einer beruflichen Alternative – und fand sie im Klavierbau. Der aus Persien stammende Musiker zeigt, dass es gelingen kann, große Frustrationen hinter sich zu lassen und neue Wege zu finden.

Einer, der Frustrationstoleranz offensichtlich ebenfalls gut kultiviert hat, ist Stefan Schöner – Gastwirt im Wienerwald. Sein Universum ist ein Wirtshaus mit Schanigarten unter altem Baumbestand, ein Hühnerstall und ein Schuppen für den Traktor. An manchen Tagen ist der Gastgarten mit Gästen voll besetzt – ein möglicher Stressfaktor, der Frustration vorprogrammiert. Als wichtigen Frustrationsgegenspieler nennt Stefan Schöner Ruhe und Gelassenheit. So kann ihn auch beim berühmten „Vorführeffekt“ nichts aus der Ruhe bringen: Als die Motorsäge, die er anwerfen möchte, versagt, reagiert er ganz und gar nicht frustriert, sondern sagt entspannt: „C’est la vie!“

Frustration im Zusammenhang mit Krankheit ist ebenfalls ein Thema des Dokumentarfilms: Pensionist Horst Haider erzählt, wie es ihm damit geht, dass er mit seiner an Alzheimer erkrankten Frau nicht mehr kommunizieren kann: „Sie ist heute für mich wie ein kleines Baby, das entdeckt, ob etwas schmeckt oder nicht – und dann die Freude, wenn sie hie und da die Augen aufmacht.“ Momente wie diese geben ihm Kraft, mit der großen Herausforderung einigermaßen umzugehen.

Eine spannende Herangehensweise an Frustrationserfahrungen ist das von der buddhistischen Achtsamkeitsmeditation inspirierte Programm MBSR. Tina Draszczyk gibt Einblicke in diese meditativen Techniken und stellt eine grundsätzliche Frage: „Was ist denn verkehrt an der Frustration – wenn ich weiß, wie ich mit ihr umgehe!?“ Gefühle der Frustration seien Momente, die einen daran erinnern, nach innen zu schauen: „Und diese Art, mit mir selbst in Beziehung zu treten, gibt mir eine gute Ressource, mich neu zu kalibrieren.“

Hinfallen und wieder aufstehen ist eine elementare Erfahrung, die Kinder möglichst früh lernen sollten, meint Zirkuspädagogin Ruth Schleicher. Sie ist Leiterin einer Zirkusschule – eine Institution, die mit Bewegungen der Zirkuskunst arbeitet und ein Spektrum zwischen anstrengenden Übungen und ästhetischer Körpererfahrung anbietet. In einer Zeit, in der Kinder viel Druck aushalten müssen, lernen sie dort Wesentliches im Umgang mit Frustration. „Viele der Kinder, die zu uns kommen, bringen Spannungszustände von der Schule mit. Erhöhte Leistungsanforderungen oder Gefangenheit in Gruppendynamiken sind wesentliche Gründe für Frustration“, sagt die Zirkuspädagogin. Und hier sei Bewegung ein Regulativ, durch das Emotionen wie Frustration ausgedrückt und verarbeitet werden können. Denn nicht alle Kinder hätten eine Sprache dafür. Carola Timmels Dokumentarfilm zeigt an diesen und anderen Beispielen, wie mit Frustration konstruktiv umgegangen werden kann – und auch, wie Religion und Spiritualität bei der Bewältigung von Frustrationen hilfreich sein können.

„Ganz schön allein – Wege aus der Einsamkeit“ – ein Film von Eva Hödlmoser und Michael Cencig

„Wir lernen nicht, allein zu sein“, meint der Psychotherapeut Christian Köck zu Beginn der „kreuz und quer“-Doku. Auf die Protagonistinnen und Protagonisten, die der Film porträtiert, trifft das nur bedingt zu. „Wennst allaa bist, muasst aussigehn“, sagt etwa die 70-jährige Singledame Franziska – und an anderer Stelle:
„Einsamkeit ist manchmal was Schönes.“ Nicht allein der Mangel an Verbundenheit mit anderen Menschen kann einsam machen, auch der Mangel an Rückbindung an einen tieferen Grund bzw. höheren Sinn kann zum Problem werden. Unabhängig von Alter, Geschlecht oder Einkommen – jeder Mensch kann sich einsam fühlen. Kann – denn nicht jeder, der alleine lebt, fühlt sich einsam:

Die 25-jährige Anja ist von Geburt an schwerhörig, an der Grenze zur Taubheit. In der Schule wird sie des Öfteren gehänselt. Mit 14 bemerkt sie zudem, dass sie sich zu Frauen hingezogen fühlt:
„Irgendwie war die Einsamkeit auch mein Schutz, damit ich von der Gesellschaft nicht ausgelacht werde.“ Heute führt sie eine Beziehung mit einer Salzburgerin und tritt als Gebärdenpoetin auf.

Michaels Leben verändert sich schlagartig, als bei dem begeisterten Sportler und Familienvater Krebs diagnostiziert wird. Seine Ehe geht in die Brüche, nicht alle Freunde können mit seiner schweren Erkrankung umgehen, und Michael muss mit einigen Dingen alleine zurechtkommen. Seit 2010 gilt er als geheilt. Er gründet einen Verein, um Menschen nach Krebserkrankungen beim Wiedereinstieg ins Berufsleben zu unterstützen.

Die 70-jährige Franziska genießt das Alleinsein. Eigentlich ist sie verheiratet – aber ihr Mann und sie leben seit Jahren getrennt. Die aktive Pensionistin ist dennoch nicht allein. Sie zieht mit ihrem VW-Transporter durchs Land, besucht Menschen, die ihr wichtig sind, und genießt es, unabhängig leben zu können.

Franz lebt in einem Altenheim des Diakoniewerks. Im Heim gibt es immerhin täglich Kontaktmöglichkeiten. Dennoch weiß Franz vom Gefühl der Einsamkeit zu berichten: „Früher ist man mit der Familie beisammen gewesen, und das ist jetzt nicht mehr der Fall.“

Barbara ist ein kontaktfreudiger Mensch. Doch auch sie kennt das Gefühl der Einsamkeit. Als sie schwanger war, ging die Beziehung zu ihrem damaligen Partner in die Brüche. Seither sorgt sie alleine für ihren mittlerweile zwölfjährigen Sohn Samuel. Im Wohnprojekt B.R.O.T. hat sie für sich und ihren Sohn eine Heimat und eine Lösung für ihre Probleme als Alleinerziehende gefunden. Auch ihr Nachbar Helmut, der gemeinsam mit seiner Partnerin Maria vor einem Jahr bei B.R.O.T. eingezogen ist, hat für sich erkannt: „Das Zusammenleben in dieser Form ist wirklich wie Medizin gegen Einsamkeit.“

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