Oö. Volksblatt: "Corona-Poker" (von Manfred MAURER)

Ausgabe vom 11. August 2020

Linz (OTS) - Das Virus dominiert nicht nur das politische Tagesgeschäft, sondern determiniert auch weit über die aktuelle Krise hinaus weisende Entscheidungen. Und vieles, das früher quälende Debatten erforderte, geht jetzt ratzfatz. So ersparte Corona der SPD eine selbstzerfleischende Kanzlerkandidatenkür. Anstatt die chancenlosen Ko-Vorsitzenden Walter-Borjans und Esken zumindest pro forma in Erwägung ziehen zu müssen, konnten die Genossen ohne öffentlichen Disput das Corona-Ass Olaf Scholz aus dem Ärmel ziehen. Der vor acht Monaten bei der SPD-Urwahl noch durchgefallene Finanzminister sorgte mit seinem Milliarden-„Wumms“ für das Pendant zur österreichischen Koste-es-was-es-wolle-Politik, das Deutschland und ihn selber aus der Krise befördern soll.
Der Überraschungscoup ist der SPD gelungen, auch wenn offen bleibt, wohin die Reise geht. Denn Scholz steht für die durch Corona revitalisierte Große Koalition, die Parteichef Walter-Borjans mit seiner öffentlich geäußerten Präferenz für ein Bündnis mit der Linkspartei gerade vorab aufgekündigt hat. Zumindest in punkto K-Frage hat die SPD der Union aber nun etwas voraus. Dort hat das Virus die Karten ebenfalls neu gemischt, aber es bleibt kompliziert, weil die CDU noch immer auf Chefsuche ist und das Wörtchen, das der an Corona gewachsene CSU-Chef Söder bei der Kandidatenkür mitzureden hat, immer gewichtiger wird.

Rückfragen & Kontakt:

Oö. Volksblatt, Chefredaktion
0732/7606 DW 782
politik@volksblatt.at
http://www.volksblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NVB0001