„Trieb oder Treue“: „kreuz und quer“-Doku über das Verständnis von Treue innerhalb einer Beziehung

Am 4. August um 22.35 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) - Wer vor der Entscheidung steht, entweder dem Trieb zu folgen oder bei der Treue zu bleiben, befindet sich oft im Spannungsfeld zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Wenn man den Statistiken traut, sehnen sich 90 Prozent nach Treue – doch 50 Prozent gehen fremd. Ein kleines aber sprechendes Indiz dafür, dass die Begriffe Treue und Untreue in Bewegung geraten sind. Die „kreuz und quer“-Dokumentation „Trieb oder Treue“ von Michael Cencig porträtiert am Dienstag, dem 4. August 2020, um 22.35 Uhr in ORF 2 sieben Paare, die unterschiedliche Erfahrungen mit Treue bzw. Untreue gemacht und dementsprechend divergierende Haltungen zu dem Thema entwickelt haben.

Eines jedoch haben sie gemeinsam: Auf ihre Art sind alle treue Seelen: vom katholischen Ehepaar, das seit 47 Jahren die vor dem Altar versprochene Treue hält, bis zu jenem Paar, das seit 13 Jahren eine offene Beziehung nach dem Modell der Polyamorie führt: „Ich habe nie daran gedacht, Josef zu verlassen, wenn er sich in eine andere Frau verliebt. Ich wollte ja auch von Anfang an eine offene Beziehung. Und immerhin funktioniert das jetzt seit 13 Jahren“, sagt Dominika, die seit Jahren eine parallele Liebesbeziehung führt – was nichts daran ändert, dass Josef ihr Lebensmensch bleibt: „Wir sind füreinander Heimat“, sind sich beide einig.

Eine Zuspitzung erfährt der Begriff Treue im religiösen Zusammenhang. Die Verwandtschaft der lateinischen Begriffe fides und fidelitas – Glaube und Treue – spricht für sich. Dem Anspruch, aus dem Glauben heraus die Treue zu leben, war Martin, ein praktizierender Katholik, nach 16 Ehejahren nicht mehr gewachsen. Seine Frau sucht die Ursache für den Seitensprung ihres Mannes auch bei sich selbst: „Da war eine emotionale Kälte zwischen uns.“ Die berufliche Karriere und die Sorge für die gemeinsamen Kinder haben immer mehr Aufmerksamkeit auf sich gezogen – bis für die Paarbeziehung kaum mehr Energie übrig war. Im Lauf der Jahre haben Sonja und Martin nach und nach den Kontakt zueinander verloren: „Ich hab mich in dieser Zeit gefühlt wie ein Möbelstück. Ich war gut genug, das nötige Geld zu verdienen und die Familie zu ernähren, aber mehr nicht. Und von der anderen Frau bekam ich endlich die Anerkennung, die mir zu Hause versagt blieb.“ Scheidung kam für Sonja trotzdem nicht infrage, denn: „Wo so viel Schmerz ist, muss auch Liebe sein. Das kann nicht das Ende sein.“ Es war eher ein Neubeginn. Sonja und Martin unterzogen sich einer Paartherapie nach der Imago-Methode und lernten, wertschätzend und ohne Schuldzuweisungen über ihre Bedürfnisse zu kommunizieren.

Sabine und Roland Bösel sind Imago-Paartherapeuten. Neben ihrer Ausbildung und Berufserfahrung schöpfen sie vor allem aus eigenen Erfahrungen. Auch in ihrer Ehe kam es zu Außenbeziehungen. Einmal wurde Sabine untreu, Jahre später Roland: „In den 36 Jahren, die wir zusammen sind, ist es zwei-, dreimal sehr knapp gewesen, dass wir auseinandergehen. Ich bin sehr dankbar, dass wir es damals geschafft haben.“ Eine entscheidende Rolle in dem Heilungsprozess nach Untreue-Episoden spielt laut Bösel die Fähigkeit, zu verzeihen: „Wenn mehr Paare lernen würden, sich und dem anderen zu verzeihen, sähe es mit der Scheidungsrate auf der Welt anders aus.“

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