"kulturMontag Spezial“ zu „100 Jahre Salzburger Festspiele“ am 3. August live aus Salzburg

Außerdem: Kulturdoku „Eine Stadt als Bühne – 100 Jahre Salzburger Festspiele“

Wien (OTS) - Noch vor wenigen Wochen stand die Jubiläums-Ausgabe Corona-bedingt in den Sternen, jetzt proben die Fest-Spieler in Salzburg voller Vorfreude, konzentriert und verantwortungsbewusst ein stark reduziertes, aber dennoch beeindruckendes Programm. Für das Leading-Team des wichtigsten Klassik-Festivals der Welt ein Drahtseilakt, den es mit ausgeklügeltem Hygienekonzept, personalisierten Eintrittskarten, Besucherlenkung und „Gesundheitstagebuch“ für Künstlerinnen und Künstler meistern will. Intendant Markus Hinterhäuser, Schauspiel-Chefin Bettina Hering und Festspiel-Präsidentin Helga Rabl-Stadler versuchen mit ihrem glanzvollen Notprogramm einer ganzen Branche Mut und Hoffnung zu machen. Eine Ausnahmesituation für ein Ausnahme-Festival, das der ORF und der Bayerische Rundfunkt mit einem „kulturMontag Spezial“ gebührend würdigen will. Live aus dem Malersaal der Festspiele begrüßt ORF-TV-Kulturchef Martin Traxl gemeinsam mit BR-Moderatorin Ursula Heller am Montag, dem 3. August 2020, um 22.30 Uhr in ORF 2 hochkarätige Gäste: u. a. die beiden Pultstars Joana Mallwitz und Franz Welser-Möst, Tastenvirtuose Igor Levit, die stimmgewaltige Sopranistin Aušrinė Stundytė, Schauspieler und Musiker Christian Friedel und Intendant Markus Hinterhäuser. Mit ihren prominenten Gästen diskutieren Ursula Heller und Martin Traxl spannende Fragen wie: Wie viel Leidenschaft und Lust, Anspannung oder Erleichterung ist in den Premierentagen spürbar? Wie wichtig sind Kunst und Kultur für eine Gesellschaft im Ausnahmezustand? Welche Auswirkungen hat die Pandemie auf den Klassikbetrieb? Und wie sehr wird der Klimawandel das kulturelle Business verändern?
Danach um 23.30 Uhr steht die ORF-Dokumentation „Eine Stadt als Bühne – 100 Jahre Salzburger Festspiele“ von Werner Horvath über die Geschichte des Festivals auf dem Programm von ORF 2, deren Kurzfassung Bestandteil der kürzlich eröffneten Salzburger Landesausstellung ist.

Zwischen Kunst, Glamour & Corona – Ein Wunderwerk zum 100-Jahr-Jubiläum

Nicht nur die Schauspieler, Sänger, Musiker und Dirigenten verspüren eine übergroße Sehnsucht, endlich wieder die Bühne erobern zu dürfen, auch das Publikum dürstet nach Kunst und Kultur. Im Verlauf eines Jahrhunderts ist aus dem einst von Max Reinhardt, Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss gegründeten intimen musikalisch-theatralischen Veranstaltungsreigen ein „Global Player“ der Kulturindustrie geworden. Ihren weltweiten Alleinstellungsanspruch „von allem das Beste“ will die Festspielleitung auch heuer unter Beweis stellen. Das fast auf ein Viertel reduzierte Programm findet vom 1. bis zum 30. August an acht der 16 Spielstätten statt.

Dass bei einer Jubiläums-Ausgabe allen voran der Säulenheilige der Stadt, Wolfgang Amadeus Mozart nicht fehlen darf, war Markus Hinterhäuser ein großes Anliegen. Spontan hievte der Intendant „Così fan tutte“ ins Programm. Der deutsche Regisseur Christof Loy hat in seiner Inszenierung die Bühne und die Kostüme auf das Wesentlichste reduziert.
Ein junges Ensemble konnte für diese Produktion gewonnen werden. Marianne Crebassa übernimmt die Rolle der Dorabella, Elsa Dreisig jene ihrer Schwester Fiordiligi. Die 29-jährige gibt damit ihr szenisches Debüt bei den Festspielen und wird schon jetzt als neuer Star dieses Sommers gefeiert.

Shooting-Star der „Così“ ist Joana Mallwitz. Die quirlige Maestra, die als erste Frau bei den Festspielen eine Oper dirigieren wird, hat mit den Wiener Philharmonikern eine ganz spezielle Fassung für eine ganz spezielle Situation entwickelt. Musikerkollege, und heute weltbekannter Pianist, Igor Levit besuchte mit Joana Mallwitz die Klasse für Hochbegabte der Musikschule Hannover. Seither sind die beiden befreundet.

Nicht nur wegen seines bestechenden Spiels gehört Igor Levit heute zu den wichtigsten Pianisten unserer Zeit. Der 33-Jährige gebürtiger Russe mit Wahlheimat Berlin ist ein Künstler mit Humor, Tiefgang und politischem Anspruch. Mit seiner riesigen Twitter-Gemeinde, die er in der Corona-Zeit täglich mit Hauskonzerten erfreute, seinen klaren gesellschaftspolitischen Ansagen oder mit seinem populären Beethoven-Podcast ist er auch ein meisterlicher Kommunikator. Sein jüngster Charterfolg ist eine CD-Box mit sämtlichen Beethoven-Sonaten, und mit ebendiesem umfangreichen Programm ist Levit auch heuer in Salzburg zu Gast.

Ein wahrer Klangrausch und ob der Besetzung ein vielleicht vorauszusehender Triumph ist „Elektra“, die Oper von Richard Strauss, zu der Hugo von Hofmannsthal das Libretto geschrieben hat. Der Klangkünstler Franz Welser-Möst und der polnische Regisseur Krzysztof Warlikowski haben aus dem 1909 uraufgeführten Stoff ein modernes Familieninferno entworfen. In der Titelpartie ist die litauische Sopranistin Aušrinė Stundytė zu hören. Seit gut einem Jahr hat sie mit Welser-Möst an ihrem Debüt der mörderischen Titelrolle gearbeitet.

Auch mit einer Uraufführung kann Schauspiel-Chefin Bettina Hering in der verschlankten Jubiläums-Edition aufwarten, die noch dazu aus der Feder eines Nobelpreisträgers stammt. Peter Handke hat sich für sein Stück „Zdeněk Adamec“ einer wahren Begebenheit angenähert. Im Jahr 2003 zündeten sich in Tschechien 17 junge Menschen an, sechs von ihnen starben. Zdeněk Adamec war der erste von ihnen und hinterließ einen Abschiedsbrief, in dem er seinen Protest über eine korrumpierte Politik zum Ausdruck brachte. Der Schauplatz bleibt vage, bloß eine weiträumige Szene. Zdeněk Adamec taucht als Person nie auf, doch die Akteure erzählen immer wieder von seiner Tragödie. Der deutschen Regisseurin Friederike Heller wurde diese Inszenierung anvertraut. Mit an Bord des Ensembles ist neben Handkes Ehefrau Sophie Semin auch der deutsche Schauspieler Christian Friedel, der unter anderem in Michael Hanekes „Das weiße Band“ spielte. 2011 gründete Friedel gemeinsam mit vier Freunden die Band „Woods of Birnam“, die sich musikalisch zwischen experimentierfreudigem Indiepop und melancholischen Elektrosounds bewegt. Eine Kostprobe davon gibt Christian Friedel solo am Klavier live in der Sendung.

Dokumentation „Eine Stadt als Bühne – 100 Jahre Salzburger Festspiele“ (23.30 Uhr)

Ein Dichter, ein Komponist, ein Regisseur und ein gemeinsamer Traum! Hugo von Hofmannsthal, Richard Strauss und Max Reinhardt träumten nach dem Ersten Weltkrieg von Festspielen, die Frieden stiften sollten. Der geniale Theatermacher Max Reinhardt erklärte die Stadt zur Bühne und inszenierte 1920 am Domplatz den „Jedermann“. Das war die Geburtsstunde der Salzburger Festspiele. In der Dokumentation „Eine Stadt als Bühne“ blickt Regisseur Werner Horvath mit den Schätzen aus dem ORF-Archiv und in Gesprächen mit Künstlern und Organisatoren in die Vergangenheit der Festspiele.

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