Ad uniko-Präsidentin Seidler: Widmen Sie sich den wirklichen Baustellen an den Unis

ÖH: Die Debatte rund um die Reduzierung der Prüfungsantritte ist Showpolitik am Rücken der Studierenden

Wien (OTS) - Die Österreichische Hochschüler_innenschaft (ÖH) zeigt sich entsetzt über das letzte Interview von uniko-Präsidentin Sabine Seidler, die einmal mehr ihre Ambitionen die Prüfungsantritte zu reduzieren bekräftigt. Auch ihr feministisches Verständnis gibt der ÖH Grund zur Besorgnis.

Seidlers Blick auf Frauen*, die ‘zu wenig sensibel hinsichtlich der Konsequenzen von Teilzeit‘ seien, zeigt eine Ignoranz gegenüber der erschwerten Vereinbarkeit von, Beruf, Studium und Betreuungstätigkeiten, die immer noch vorwiegend von Frauen* getätigt werden müssen. Aufgabe der Universitäten muss sein, diese Vereinbarkeit zu gewährleisten und gleichzeitig proaktiv Frauen*förderung zu betreiben. “Es ist unabdingbar, dass Frauen* in ihren Entscheidungen bestärkt werden und die notwendige Unterstützung erhalten, um ihr Studium erfolgreich abzuschließen. Weniger Prüfungsantritte bedeuten aber mehr Druck für Frauen*, die häufiger als Männer unter Prüfungsangst leiden”, betont Adrijana Novaković vom ÖH Vorsitzteam. Gerade in den MINT-Fächern wären neue Initiativen ausständig, die sämtliche Frauen*, auch solche mit Betreuungspflichten, fördern. Dass Frauen* laut einer Studie der Uni Wien im Lockdown verstärkt in traditionelle Rollen zurückgedrängt werden zeigt, wie wichtig hier groß angelegte Initiativen sind.

Generell hält die ÖH die Argumente der uniko zur Reduktion der Prüfungsantritte für an den Haaren herbeigezogen. Niemand gehe im “allgemeinen Sumpf mit fünf Prüfungsantritten” unter. Vielmehr zeige die aktuelle Studierenden-Sozialerhebung, dass der psychische Druck unter Studierenden zunimmt – und dieser wurde durch die Corona-Krise noch verstärkt. “Corona hat einmal mehr gezeigt wie prekär Studierende leben und dass es kaum Auffangnetze für sie gibt. Anstatt die finanzielle Absicherung aller Studierenden endlich anständig anzugehen, diskutiert die uniko über Prüfungsantritte. Da brennt das ganze Haus und Rektorin Seidler möchte den Türrahmen neu streichen“, sagt Dora Jandl vom ÖH-Vorsitzteam.

Aus einer Parlamentarischen Anfrage (1194/AB) geht hervor, dass der vierte und fünfte Antritt nur von wenigen Prozent der Studierenden genutzt werden muss. Die Stichprobe zeigt auch, dass bei ihrem Wegfall auf einen Schlag tausende Studierende aus dem Studium fallen würden. Gerade an der TU Wien, deren Rektorin Seidler ist, zeigen sich Probleme mit hohen Durchfallquoten von bis zu 90%. Eine höhere Qualität in der Lehre würde hier automatisch die benötigten Prüfungsantritte reduzieren. Die Minderung treffe im Gegensatz dazu aber genau jene besonders stark, die mit Prüfungsstress oder psychischen Problemen zu kämpfen hätten oder aufgrund von Erwerbstätigkeit oder Betreuungspflichten nicht Vollzeit studieren könnten. “Es geht hier darum ein Sicherheitsnetz für Studierende in schwierigen Situationen zu schaffen und nicht darum, Studierenden das Leben noch schwieriger zu machen als es bereits ist”, führt Desmond Grossmann vom ÖH-Vorsitzteam abschließend aus.

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